Kontinuität und Umkehr
18 06 2008Lese gerade “Amerikanische Religion: Evangelikalismus, Pfingstlertum und Fundamentalismus” von Michael Hochgeschwender:
Sehr interessante Lektüre, der Autor, Jahrgang 1961 und Professor für Nordamerikanische Kulturgeschichte, Empirische Kulturforschung und Kulturanthropologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, beschäftigt sich in seinem Buch mit den Ursprüngen und Ursachen der spezifisch amerikanischen Religiösität, insbesondere mit der evangelikalen Szene.
Es gibt auch ein Kapitel über die “neofundamentalistische Welle”. Zum suburbanen Evangelikalismus schreibt Hochgeschwender, Zitat:
“Sie (Anm.: Gemeint sind die suburbanen evangelikalen Gemeinden Nordamerikas) repräsentierten nicht mehr ein gewachsenes, festgefügtes Gemeinschaftsleben mit überkommenen Werten und Formen der Vergemeinschaftung, sondern sie zelebrierten soziale Kontinuität so, wie sie weiterhin religiöse Umkehr inszenierten. Daraus resultierte eine unreflektierte Spannung von inszeniertem Bruch und inszenierter Kontinuität, die für den Neofundamentalismus seit den sechziger Jahren charakteristisch wurde.”
Das ist scharf beobachtet und leider, so muss ich selbstkritisch einräumen, schleppen wir das heute noch mit uns rum. Bei näherer Betrachtung übrigens ein Baustein für eine nachhaltige Verfälschung des Evangeliums, eine unzulässige Verquickung von Lebensstilelementen sozialen Aufsteigertums und der explosiven, verändernden Kraft des Evangeliums.
Der Autor schreibt übrigens keinesfalls gehässig, sondern nüchtern beobachtend. Diese Nüchternheit sollte auch uns bei der Betrachtung und Bekämpfung eigener Unsitten begleiten…
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