Teil II: Leben in der Gegenwart Gottes (Teil 2)
(nach Anselm Grün, Benedikt von Nursia, Vier-Türme-Verlag Münsterschwarzach, 7. Auflage 2004)
Nachdem ich in der vergangenen Woche mehr “labora” als wünschenswert hatte, ist nun mal wieder Zeit für “ora”, hier “um die Ecke rum” in Form der Verbreitung der wirklich guten Gedanken Anselm Grüns über Mönchspapa Benedikt.
Ach ja, Mönche: Über irische Mönche hat Lars vergangenen Sonntag in der CC gepredigt, die Predigt gibt es h i e r, für alle Mönche, Iren oder solche die es werden wollen. Lohnt sich aber auch für alle Anderen!
Werbeblock beendet, wir schalten wieder live nach Münsterschwarzach, Studierzimmer des Dr. Grün: Vor uns sitzt ein ehrenhaft ergrauter Bartträger mit freundlichem Gesicht, über die RB gebeugt und auf der Suche nach dem Geist Benedikts.
Der zweite Schwerpunkt, den der schreibende Cellerar in seinem erbaulichen Büchlein über Bene sen. setzt, ist, dass die Initiative zur Begegnung mit Gott von Gott selbst ausgeht: Gott spricht zu uns, bevor wir ihn gefragt haben!
Das ist beruhigend, denn ein Fehler, den ich fortlaufend und fast schon grob fahrlässig begehe, ist Gott einfach nicht zu fragen. So einfach dahingeschrieben sag ich zu mir selbst: Bekloppt, nicht wahr? Ist das denn so schwer zu verstehen? Gott ist da, ich weiss das, die Psalmen und die ganze Bibel sind voll von Versprechungen, wie gut es für uns ist, Gott zu fragen und auf ihn zu hören, UND ICH MACH DAS EINFACH NICHT!
Stattdessen ruft man vielleicht lieber bei einer dieser Hotlines, z.B. von T-Online an: “Hello, hello, hello, tüdüüü….Einen kleinen Moment, unsere Mitarbeiter sind alle gerade in einem Kundengespräch, der nächste erreichbare Serviceplatz ist für sie reserviert…la, la, la…Hallo, Herr Müller vom T-Online-Kundenservice, was kann ich für sie tun? Ihr Homebanking funktioniert nicht? Oh, da kann ich ihnen sofort unsere informative Broschüre mailen, oder rufen sie doch unseren technischen Kundendienst an, Rhabarber Rhabarber.,..”
In solchen Momenten wird mir bewusst, dass auch in mir gesittetem Freikirchler ein Mörder schlummert: Tiefe Sündenerkenntnis überkommt mich, ob der Gewaltphantasien über Servicemitarbeiter und mittelalterliche Rituale, um schnell und problemlos gewünschte Informationen aus Ihnen herauszuquetschen.
Wie anders ist es da bei Gott: Keine ermüdende Hotline mit überforderten Headphoneträgern und widerlichen Pausenmelodien und vertröstenden Zwischenansagen, sondern der Chef höchstselbst, gut aufgelegt, kompetent und immer ein offenes Ohr:
“und noch bevor ihr zu mir ruft, sage ich euch: Seht, ich bin da.” (RB, Prolog 1
Benedikt hat sich an Jes.58, 9 orientiert, wo es heisst: ” Dann wirst du rufen, und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.”
Seid ihr bereit? Alle bitte jetzt SCHREIEN! (Das wär doch mal was für den Worship-JiM. Hallo Marcus!)
So, haben Eure Sitznachbarn, Arbeitskollegen, Ehefrauen, WG-Genossen, Kinder und Hunde erschreckt aufgesehen? Dieser Computermolch kann sich noch artikulieren? Dann zurück zu der Erkenntnis:
Er ist ja schon da! Echt! Er ist wahrhaftig auferstanden (kleine österliche Vorfreude…)!
Leben in der Gegenwart Gottes ist also möglich, ohne dass ich Trottel mal wieder zufällig daran denke. Denn Gott geht in Vorleistung, er sitzt schon bei uns, wenn wir uns noch der Prokrastination hingeben.
Und von dem Standpunkt aus wird es auch einfacher, zu begreifen, was Leben in der Gegenwart bedeutet: Das Rechnen mit Gott als PERSON, als ein Gegenüber, das uns herausfordert, immer wieder neu und überraschend, denn eine Person ist kein lebloses Programm, sondern ein lebendiges Gegenüber.
“Liebe Brüder, was kann beglückender für uns sein als dieses Wort des Herrn, der uns einlädt?” fragt Benedikt (RB Prolog 19). Stimmt - und Benedikt zeigt dann weiter auf, z.B. im Kapitel 7: Die Demut, dass die Veränderungen bei den Mönchen (und damit natürlich auch uns, wenn wir wollen) durch das Wort Gottes initiiert werden. Dazu ein paar gute Tipps von Benedikt und seinem alter ego Grün:
- Sich ein Wort Gottes aus der Bibel immer wieder vorsagen (z.B. : “All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat.” Na, ihr Checker, wo steht das?)
- Das Wort regelmäßig lesen
- und dann antwortend beten: Kurz, aber oft. Eben wie mit einem Gegenüber. Wieso eigentlich “wie”?
- und nicht ständig an Gott denken, sondern Sicheinlassen auf die Wirklichkeit Gottes, auch mit dem ganzen Körper , von Haltung bis Gebärden
Hier muss ich mal kurz innehalten und gestehen: Diesen letzten Punkt, das Programm, immer schön demütig und sachlich zu sein, finde ich nicht gut: Danach soll der Mönch in gebeugter Haltung gehen und z.B. nicht “richtig” lachen:
“Die zehnte Stufe der Demut: Der Mönch ist nicht leicht und schnell zum Lachen bereit, steht doch geschrieben: “Der Tor bricht in schallendes Gelächter aus.” (RB Kap.7, 59)
So weit bin ich noch nicht, und will es glaube ich auch nicht werden. Beruhigend, dass dieser Benedikt nicht immer nur recht hat 
Neueste Kommentare