Es perlt im gelandeten Ufo - Clemens Bittlinger mit David Plüss und Helmut Kandert in Höchberg

28 06 2008

Der Helmut hat uns eingeladen (nochmals besten Dank), und wir kamen: Clemens Bittlinger begab sich in die Niederungen der fränkischen Provinz, um ein paar gemachte Lieder und Wortbeiträge zum Besten zu geben.

Austragungsort war die kath. Pfarrkirche St. Norbert in Höchberg - Hexenbruch, die Clemens eingangs mit einem “gelandeten Ufo” verglich - etwas zu Unrecht, ein Einheimischer korrigierte aufklärend, dass da mehr ein Zelt nachempfunden werden sollte.

Clemens Bittlinger, seines Zeichens “Liedermacher” (wie es früher mal so schön hieß) und Pfarrer, rührte eine gute Mischung aus alten Gassenhauern, schlageresken Besinnungssongs und Kirchentagshits zusammen, und raus kam ein kurzweiliger Konzertabend mit einigen berührenden Momenten, wobei Bittlinger auf eine kongeniale Band bauen konnte: Tastenvirtuose David Plüss am Keyboard und eben Helmut Kandert am Drumset, der alte Checker, der einfach immer wieder mit interessanten Percussionskombinationen zu überraschen und begeistern versteht.

Ein paar Minuten Jamsession der beiden machten deutlich, welch musikalische Schwergewichte da für den Teppich sorgen, auf dem Clemens seine Gedanken zu Gott und der Welt getrost ablegen und zum Strahlen bringen kann.

Schön fand ich vor allem die lateinamerikanisch und afrikanisch angehauchten Sachen und die Lieder aus dem brandaktuellen Programm “Perlen des Glaubens”. Weniger den Song “Mensch Benedikt” (der übrigens, wenn ich Clemens richtig verstanden habe, von Pinks “Dear Mr. President” inspiriert wurde und eine Reaktion auf unglückliche Äußerungen Ratzingers zur Ökumene darstellen soll),

aber nicht wegen der “Kritik”, sondern weil das nicht die Fragen wären, die ICH Benedikt stellen würde, wenn er mal nen Walk mit mir taken würde, diesen Ausnahmeintellektuellen und Vordenker würde ich gerne mal etwas tiefergehender interviewen als ihn mit drei kritischen Pfadfinderfragen zur Wandergitarre rezitiert unangemessen zu nerven. Das heißt jetzt nicht, dass ich nicht auch kritische Fragen an die katholische Kirche und Benedikt hätte, aber kurz vorher trug Clemens doch die vertonte Ringparabel von Lessing vor, und wir sollen doch in der Liebe eifern…

Schön war dagegen besonders der Song “Du bist ewig”, einfach, aber eindringlich.

Zum Konzert trug der Barde aus dem Frankfurter Raum höchstselbst ein Armbändchen aus Glasperlen, dass mitnichten als Schmuckstück für homosexuell empfindende Männer dienen, sondern vielmehr nicht weniger als ein Sinnbild des Lebens darstellen soll, ein Katechismus für die Hände, so eine Art Rosenkranz für Evangelikale.

Ist doch eine gute Idee, darum nach dem Konzert zum Merchandise und eine Kombi aus CD und Kettchen erworben. Steht mir doch auch, oder?

Und was lese ich da im dazugehörigen Booklet? Die Zwischentexte stammen von einer Frau Kirstin Faupel-Drevs, Spiritualin am Ansverus-Haus, Aumühle. Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor…

Alles in allem ein sehr angenehmer, kurzweiliger und inspirierender Abend mit drei sympathischen Musikern, denen ich etwas mehr Publikum gegönnt hätte als vor Ort, das Event wurde wohl etwas zu dürftig beworben.

Und der Clemens hat manchmal so was Bono-artiges…

Und jetzt lese ich mir mal das Booklet zu meinem neuen schwulen Perlenkettchen durch. Yotin, ich besorge mir glaube ich auch nen Rosenkranz, das kommt irgendwie maskuliner rüber.

Noch ein paar Impressionen:

Helmut, gut druff:

Der David auch:

Und zum Schluss: Kauft euch mal ne CD von Helmut und Christine Kandert, das lohnt sich sehr!





Pantoffelkino Deluxe (I): Das Streben nach Glück (USA, 2006)

15 06 2008

Nicht nur die Musik, die Hans Castorp von Herzen liebte, da sie ganz ähnlich auf ihn wirkte wie sein Frühstücksporter, nämlich tief beruhigend, zum Dösen überredend (na ihr Literaturchecker, wo habe ich das denn aufgeschnappt?), kann unser Herz erwärmen, sondern auch der cineastisch anspruchsvolle Film, auch gerne Film-Film genannt, oder Film-Film-Film, wenn er denn besonders trefflich gelungen ist. So soll mein zweites Laster neben dem Musiksammeln, nämlich das DVD-Horten, doch endlich mal positive Früchte für das Gemeinwesen tragen, indem ich warmherzige Filmtipps für verregnete Wochenenden oder kaputte Abende gebe, an denen man es gerade noch schafft, eine silberne Scheibe auf den Traumschlitten des Pantoffelkinoplayers zu legen.

Nach einem gleichzeitig besuchsintensiven und verregneten Wochenende und einer fiesen Intervention des Media Markts, Topstreifen für EUR 6,50 unter die Videojunkies zu werfen, haben wir uns soeben den Streifen “Das Streben nach Glück” (im Original “The Pursuit Of Happyness”, USA 2006) mit Will Smith einverleibt.

Beruhigend und zum Dösen einladend ist dieser Film aber mitnichten, ganz im Gegenteil ist mir vorhin der Maulwurfkuchen im Hals stecken geblieben.

Der Streifen handelt auf der Basis einer wahren Geschichte vom Leben des Chris Gardner, ein schwarzer Vertreter im San Francisco des Jahres 1981. Chris hat Frau und Sohn (5 Jahre alt, im Film von Will Smiths Sohn verkörpert) und einen Drecksjob: Er verkauft ein seltsames, teures medizinisches Gerät, genauer gesagt VERSUCHT er, das Ding zu verkaufen, denn kein Mensch kauft ihm das Teil ab. Dabei hat er, überzeugt vom potentiellen Verkaufserfolg, eine ganze Batterie dieser Teile eingekauft und in seinem bescheidenen Heim zum Abverkauf deponiert.

Tja, und kein Geschäft bedeutet recht bald: Kein Geld für Miete, Steuern, Auto und bescheidene Ansprüche der Familie. So hat seine Frau schnell die Schnauze voll davon, rund um die Uhr selbst zu arbeiten und trotzdem auf Messers Schneide zu leben. Sie verdrückt sich zum Suchen des eigenen Glücks nach New York und lässt Mann und Kind zurück.

In dieser Krisensituation erhält Chris eine Chance, nämlich ein 6-monatiges Praktikum als Börsenmakler zu absolvieren, denn er hat eine mathematische Begabung in die Wiege gelegt bekommen, die ihn u.a. befähigt, Rubik`s Cube in ein paar Minuten zusammenzufummeln (das konnte ich früher auch mal…). Problem nur: Das Praktikum ist ein Fulltimejob, aber UNBEZAHLT.

In einem Ritt durch die Pechhölle fliegt Chris, von Smith oskarnominiert in Szene gesetzt, erst aus der eigenen (Drecks-)Wohnung, dann aus dem billigen Hotel, um dann sein Leben mit Sohnemann im Schlepptau in Obdachlosenasylen, auf U-Bahnhof-Klos und der Straße zu fristen.

Der Film hat ein glückliches Ende, ist aber erst einmal fast 2 Stunden bedrückende (amerikanische) Realität, ein Musterstück über die dunklen Seiten des Kapitalismus und die Macht des Geldes.

Der Streifen ist aber gleichzeitig auch ein bewegendes Playdoyer dafür, trotz bedrückender Probleme nicht aufzugeben, sondern sein Leben nach vorne gerichtet zu leben: In einer Schlüsselszene prophezeit Chris Gardner seinem basketballbegeisterten Sohnemann, dessen einziger Luxusgegenstand neben einer Actionfigur ein Basketball ist, dass er es wohl wie sein Vater nur zu einem mittelmäßigen Hobbyspieler bringen wird. Als er sieht, dass beim Junior die Mundwinkel heruntergehen, erkennt er seinen Fehler und spricht: “Lass dir nie wieder von jemandem erzählen, dass du etwas nicht schaffen kannst!”

Damit spricht er einen Leitsatz aus, den er sich dann ganz offenkundig selbst zum Lebensmotto auserkoren hat.

So bleibt nach dem Film nicht nur Bedrückung und Mitleid für den Titelhelden zurück, sondern der Aufruf, selbst sein Leben zu leben, seine Begabungen zu erkennen und diese unbeirrt, trotz aller äußeren Missstände, mit Hoffnung zu verfolgen und dabei die zwischenmenschlichen Beziehungen und besonders seine Kinder nicht zu vergessen.

Das passt fantastisch zu Christophs Predigt von heute morgen, ist aber auch ein Abbild der Hoffnung, die uns die Bibel in den Sprüchen macht:

Spr 6, 4-10

Gönne deinen Augen keinen Schlaf und keinen Schlummer deinen Wimpern! Reiße dich los wie die Gazelle aus der Hand des Jägers und wie ein Vogel aus der Hand des Vogelstellers! Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh ihre Wege an und werde weise! Sie, die keinen Anführer, Aufseher und Gebieter hat, sie bereitet im Sommer ihr Brot, sammelt in der Ernte ihre Nahrung. Bis wann, du Fauler, willst du noch liegen? Wann willst du aufstehen von deinem Schlaf? Noch ein wenig Schlaf, noch ein wenig Schlummer, noch ein wenig Händefalten, um auszuruhen - und schon kommt wie ein Landstreicher deine Armut und dein Mangel wie ein unverschämter Mann.

Aber die Psalmen nicht vergessen:
Ps 104,23

Der Mensch geht aus an sein Werk, an seine Arbeit bis zum Abend.

Ps 127,1

Wenn der HERR das Haus nicht baut, arbeiten seine Erbauer vergebens daran. Wenn der HERR die Stadt nicht bewacht, wacht der Wächter vergebens.
Ps 128,2

Denn essen wirst du die Arbeit deiner Hände. Heil dir! Gut steht es um dich.

Der Film atmet Spiritualität, ohne sie gross hervorzuheben. Nicht umsonst ist aber eine andere Schlüsselszene eine Gospelmesse, in der der Chor singt: “Herr, räume nicht den Berg weg, sondern hilf mir, ihn zu besteigen!”

Euch allen eine gute Arbeitswoche…





Wer bist Du?

11 06 2008

Christ?

Satanist?

Buddhist?

Muslim?

Jude?

Materialist?

Sozialist?

Humanist?

Was bist Du? Bist Du es wirklich? Bist Du es immer? Bist Du überhaupt etwas, oder bist Du jemand, der nicht etwas “ist”, sondern “wird”? Bist Du Dir sicher? Ist es wichtig, Dir sicher zu sein? Glaubst Du, etwas zu sein, oder bist Du jemand, der glaubend ist?

Ist Dir wichtig, was Andere sind? Warum? Hast Du mehr Menschen gerne, als dass Du Menschen leid bist?

Bist Du so, wie Du sein willst? Wenn nicht, was hindert Dich daran, so zu sein, wie Du sein willst? Willst Du so sein, wie Du sein willst? Oder willst Du jemand bleiben, der so sein will, wie er sein will?

Bist Du fertig? Willst Du jemand sein, der fertig ist? Oder willst du jemand sein, der nicht fertig sein will?





Was tut der Christ eigentlich so den ganzen Tag? Teil II: Lesen

4 06 2008

Nach dem Beten-Outing nun ein bei mir etwas erfreulicheres Thema: Lesen!

Ich lese für mein Leben gerne. Und damit ich meinen Brain nicht nur mit Akten, Gesetzestexten und Entscheidungen füttere, lege ich großen Wert auf üppiges Lesefutter. Was steht da so (Christliches, ich lese auch sonst viel, aber hier geht es ja um christliche “Disziplinen”) auf dem Speiseplan?

1. Die Bibel

Klaro, das ist das Brot des Christen. Ich bevorzuge Luther 84, greife bei Predigtvorbereitungen aber auch gerne mal zur revidierten Elberfelder (wenn es genau sein soll), zur Hoffnung für alle oder der Einheitsübersetzung (wenn es um die Anschaulichkeit geht) und immer mal wieder gerne zur Volxbibel (Luther 84, d.h. dem Volk kreativ aufs Maul geschaut, für den Freak von heute). Ich lese relativ viel Bibel, neuerdings häufig mit dem BibleReader auf dem PDA, dann immer mal wieder am Stück Evangelientexte, Psalmen, Prediger, Sprüche, ausgewählte Passagen aus dem AT, Apostelgeschichte. Öfter auch mal Römerbrief und 1. Korinther. Und wenn mich der Rappel überkommt längere Passagen am Stück. Hauptsache Bibel. Am Tag mindestens eine halbe Stunde, eher mehr (im Schnitt).

2. Our Daily Bread

Andacht und Bibeltext auf Englisch, toll für den verpennten Morgen, auch gut zum Spracheauffrischen.

3. Oswald Chambers, Mein Äußerstes für sein Höchstes

Das Andachtsbuch für das ganze Jahr. Epochal, ich habe es ein paar Jahre immer wieder täglich gelesen. Ruht gerade, will ich aber wieder ändern.

4. Bücher von Ortberg/Hybels/Strobel

Willow Creek hat mich sehr geprägt, ich mag die Bücher der WC-Checker immer noch gerne.

5. C.S. Lewis

Mein christlicher Lieblingsautor. Hat aber gedauert, früher fand ich “Warum ich Christ bin” blöd und altklug. Dann habe ich die anderen Bücher entdeckt und war begeistert. Heute bin ich Lewis(und Tolkien)-Fan.

6. Ratzinger

Eine Freude für den denkenden Glaubenden: Der Papst! Ich danke Gott für diesen Mann, seine Fähigkeiten und seine Liebe.

7. Romano Guardini

“Der Herr”, ein Meisterwerk. Bekam ich vor rund 20 Jahren geschenkt, das Buch hat mich überwältigt. Meine Leseempfehlung!

8. Rob Bell/ McLaren/ Frost/Hirsch/McManus

Die Highlights aus letzter Zeit - neben Ratzinger! Emergent is the new catholicism (von der besten Seite).

9. Anselm Grün

Der Benediktinermönch aus Münsterschwarzach drückt komplizierte Dinge so einfach, warm und herzlich aus, das man denken könnte: Warum bin ich da nicht vorher drauf gekommen?

10. Christliche Blogs (siehe Sidebar) und Internetseiten

usw. ….

Also, Lesen = Heimspiel. Als nächstes blamiere ich mich dann wieder, versprochen. Mal sehen….vielleicht Fasten?!?





Was tut der Christ eigentlich so den ganzen Tag? Teil I: Beten

27 05 2008

Dem Beisassen sei Dank:

Ein aktueller Post zum Thema Patchwork-Spiritualität warf in mir die Frage auf, wie ich eigentlich WIRKLICH meine Spiritualität tagtäglich lebe.

Ich könnte ja jetzt etwas vom Pferd erzählen, so nach dem Motto: Wenn ich meine 2-stündige morgendliche Gebets- und Bibellesezeit beendet habe, nehme ich mein karges Mahl nach dem Dankgebet zu mir, wandle bewusst mit einem Choral im Kopf zum Bus, segne die zur Arbeit Strömenden usw. Geht aber nicht, ich befürchte, dass meine Frau mitliest, und die kennt mich…

Dann muss ich ja wohl ehrlich sein. Das versuche ich mal und hoffe auf rege und ehrliche Beteiligung von euch, wie es bei euch “in der Wirklichkeit” aussieht. Es soll hier übrigens NICHT um Theologie, Bibelverse etc. gehen, sondern um eine realistische Beschreibung der geistlichen Aktivitäten, wie wir sie tatsächlich praktizieren.

Ich fang mal mit dem peinlichsten Thema an:

BETEN

Ich bete zusammengerechnet durchschnittlich eine halbe Stunde am Tag.

Dazu schließe ich die Augen und stelle mich darauf ein, jetzt zu Gott zu sprechen. Ich stelle mir dabei nicht ein konkretes Bild vor, sondern denke manchmal an Jesus Christus (dann schleicht sich mal ein bärtiger 30jähriger in meine Vorstellung ein), manchmal an den Vater.

Ich bete für Andere, danke, bitte für mich und meine Familie.

Meistens bete ich im Halbschlaf im Bett das erste Mal am Tag. Da es morgens in Anbetracht eines oft vollen Tages in meinem Kopf zu rumoren beginnt, sind das in der Regel Bitten um Hilfe für den Tag.

Unter der Dusche singe ich zuweilen laut oder leise im Kopf, das sind oft Lobpreissongs.

Eine wichtige Zeit ist die im Auto oder Bus: Da höre ich oft Predigten auf dem iPod und bete so vor mich hin, oft für Leute, die ich im Bus sehe. Wenn die wüssten…

 

Auf der Arbeit will ich oft beten, tue es aber praktisch selten.

Abends wieder Bus, Gebet dann nochmals leise vor dem Einschlafen.

Zu Hause habe ich einen Gebetshocker, an guten Tagen setze ich mich darauf und sitze und höre..

Gebetet wird außerdem gemeinsam in der miniChurch, selten mit Martina, vor dem Essen und in der CC.

Das war`s…





Mark Rothko - Retrospektive in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München, 08.02.- 27.04.08

27 04 2008

Martina und ich haben die letzte Chance genutzt und uns am Samstag in München die Mark-Rothko-Ausstellung angesehen.

Ich bin schon lange ein Freund von Rothkos Bildern und war sehr gespannt auf die Ausstellung.

Fazit: Sehr nett, alle Schaffensperioden, großzügige Räume, Zeit zum Anschauen.

Nachfolgend ein paar Impressionen, bitte mit Vorsicht genießen, ich bin weder Kunstexperte noch Rothko-Biografie-Kenner und spreche nur das aus, was ICH mir gedacht habe. Das kann vollkommen falsch und unangemessen sein, aber die Gedanken des Bloggers sind frei!

- Rothko trank gerne zu viel.

- Er war Jude, Brillenträger und hat sich 1970 in seiner Galerie umgebracht. Kurz zuvor hat er der Tate Gallery in London einige (8?) Werke geschenkt, die in einem separaten Raum gemäß seinem Plan ausgestellt wurden.

- Die Frühwerke sind bereits ähnlich farbschichtig angelegt wie das reife Spätwerk. Hier gibt es Personengruppen, U-Bahnhöfe, Plätze, surreale Perspektiven.

- Rothko liebt Meditation, Verinnerlichung und sakralen Umgang mit Farbe und Räumen.
Das hat alles etwas Pseudoligiöses mit italienischem Touch, abstrakte Fresken. Arvo Pärt würde als musikalische Unterstützung passen, oder Paul Giger. Komisch, die mag ich auch beide.

- Rothko hat es gereizt, geschlossene Räume zu gestalten, die unverändert erhalten bleiben sollten (Da fällt mir BLUMFELD ein: Jeder geschlossene Raum ist ein Sarg - da sucht jemand das Unvergängliche in einer meditativen Ästhetik. Viele Bilder Rothkos wirken auf mich wie Fenster, durch die man ins Unvergängliche schauen will, wie durch einen Nebel, dessen hohe Reduzierung den Blick auf das Wesentliche durch Wegräumen jeglicher Ablenkung ermöglichen soll. Der Weg dahin sind aber tiefe Farben mit sakralem Wert, Sinneseindrücke wie durch lichtdurchflutete Fenster. Die späten Schwarzgraubilder wirken wie die ultimative Reduktion vor nächtlichem Fenster, oder ein Blick vom einsamen Strand auf die tiefe, unbekannte See.).

- Manche Bilder aus den 40ern sehen aus wie Prophezeiungen des Holocaust.

- Mich sprechen am meisten die “wolkigen” Bilder mir Weiß- und Grauschichten an, die mit Schwarz, Grau- und tiefen Blautönen transparent angelegt sind.

- Das Spätwerk ist schwer und reduziert, aber immer noch erstaunlich vielschichtig.

Ein Zitat:

“It would be good if little places could be set all over the country, like a little chapel where the traveler, or wanderer could come for an hour to meditate on a single painting hung in a small room, and by itself.”

(”Es wäre gut, wenn überall im Lande Orte eingerichtet werden könnten, ähnlich wie kleine Kapellen, in denen ein Reisender oder Wanderer eine Zeitlang über ein einziges in einem kleinen Raum hängendes Bild meditieren könnte.”)

Mark Rothko, 1954

Und für Alle, die die Ausstellung in München verpasst haben: Sie wandert nun nach Hamburg. Bedenkt: Das wird in unserem Jahrhundert wahrscheinlich die letzte Ausstellung in Deutschland sein, in der es über 100 Werke des amerikanischen Künstlers zu sehen geben wird.

Einen guten Ausstellungskatalog gibt es für 25,- Euro.





Benedikt: Bete und arbeite, suche das rechte Maß, bleibe am gleichen Ort (II)

7 02 2008
Teil II: Leben in der Gegenwart Gottes (Teil 1)

(nach Anselm Grün, Benedikt von Nursia, Vier-Türme-Verlag Münsterschwarzach, 7. Auflage 2004)

Anselm Grün stellt fest, dass heute oft die Klage über die ABWESENHEIT GOTTES laut wird, das Gefühl, Gott nicht mehr erfahren zu können. Als Heilmittel werden oft zwei Wege vorgeschlagen:

1. Das weltliche, “soziale” Engagement, ein konkreter Einsatz für mehr Mitmenschlichkeit als eigentlicher Auftrag des Christen

2. Die Meditation als Weg in die Stille, der Rückzug in die eigene Innerlichkeit.

Manche versuchen diese sich oft fremden Lager (die “Engagierten” sind oft zu hektisch für die persönliche Stille, die “Mystiker” verachten oft das rein praktische Mitmenschliche) zu verbrüdern, so z.B. der leider unlängst verstorbene Prior von Taize, Frere Roger, mit seinem Konzept von den sich ergänzenden Polen “Kampf und Kontemplation”.

Benedikts Ansatz ist hiervon gänzlich anders und radikal einfach:

Er kennt in seiner Betrachtung keine künstliche Trennung von Innerlichkeit und Engagement, sondern unser ganzes Leben spielt sich für Benedikt in der Gegenwart Gottes ab.

Leben in der Gegenwart Gottes heisst für Benedikt im vierten Kapitel seiner Regel: “Fest überzeugt sein, dass Gott überall auf uns schaut.”

Was in (post)modernen Ohren vielleicht erst einmal etwas zu sehr nach “Big Brother is watching you” klingt, ist bei Benedikt als ständiger Läuterungsprozeß, begleitet von einer immer tieferen Selbsterkenntnis durch rückhaltlose Ehrlichkeit und Transparenz in ALLEN Dingen vor Gott gemeint: Es gibt nicht die Welt getrennt vom geistlichen Leben, alles ist wie bei Sacharja 14, 20f. “heiliger Besitz für den Herrn”.

Langsam dämmert mir, warum die Mönche des ersten Klosters, in dem er Vorsteher wurde, ihn vergiften wollten: Diesem Anspruch wird auf Dauer nur gerecht, wer es ernst meint. So richtig ernst, nicht nur im “heiligen Bezirk”, sondern in allen Bereichen: Umgang mit Zeit, Geld, Bequemlichkeit, Genußmitteln. Kein frommes Schauspiel, sondern rückhaltlose Offenheit. Durchaus möglich, dass da Neurosen statt Humore gezüchtet werden, wenn das nicht erstmal verinnerlicht und damit wirklich gewollt ist.

Daher will ich das bei Grün weiter abgehandelte Thema für heute an diesem Punkt unterbrechen, verbunden mit den Fragen an mich (und euch):

1. Bin ich bereit für ein ganzes Leben in der Gegenwart Gottes?

2. Wo ist mein Schwachpunkt: Beim Engagement oder bei der Innerlichkeit?

3. Welchen “heiligen Besitz des Herrn” würde ich viel lieber für mich behalten? Wie fühle ich mich dabei?

4. Habe ich eigentlich Angst davor, dass Gott alles sieht?

…to be continued





Benedikt: Bete und arbeite, suche das rechte Maß, bleibe am gleichen Ort (I)

6 02 2008

Markus Lägel sei Dank:

Ich habe Interesse am Leben und Werk des Benedikt von Nursia bekommen. Was liegt da näher (auch im geographischen Sinne), als sich das Büchlein “Benedikt von Nursia” von Anselm Grün vorzuknöpfen, erschienen im Vier-Türme-Verlag Münsterschwarzach (ich lege die 7.Auflage 2004 zu Grunde), und sich mit dessen Inhalt hier auseinanderzusetzen? Dies werde ich in den nächsten Tagen tun, beginnend heute mit dem ersten Kapitel über die Gestalt Benedikts:

Anselm Grün hält fest, dass das Leben Benedikts schnell erzählt ist:

- Geb. ca. 480 in Nursia, Mittelitalien

- Studium in Rom

- Abbruch des Studiums wegen des moralischen Niedergangs in der Stadt

- Rückzug in die Einsamkeit: Erst Asketengemeinschaft in Enfide, dann drei Jahre lang Eremitendasein in einer Höhle bei Subiaco

- Lehrtätigkeit

- Vorsteher eines Klosters in der Umgebung

- Erneute Einsamkeit

- Gründung von zwölf kleinen Klöstern

- 529: Gründung von Monte Cassino - Neue Gemeinschaft, Schreiben einer “Regel” (Regula Benedicti) [Die ganze Regel  ist   h i e r  online zugänglich!]

- 547: Tod Benedikts

Soweit die dürren Fakten, aber wer war Benedikt, was für ein Mensch steht hinter den Ordensregeln, mit denen ich mich in der kommenden Zeit beschäftigen möchte?

Ein “netter Kerl”, ein Populist ganz gewiss nicht, dagegen sprechen zentrale Ereignisse in seinem Leben: Statt sich mit seiner sinnenfrohen Studienstadt zu arrangieren oder den Heiligen im sündigen Umfeld zu spielen, der sich gleichermaßen über seine Mitmenschen erheben oder aber schleichend in ihre Lebenspraxis hineingezogen werden könnte, verlässt Benedikt angewidert (!) Rom. Sein erster Klostervorsteherjob endete damit, dass die Mönche ihn vergiften wollten! Da war er wohl etwas zu ernst in der Sache, und die Mönche wurden aus ihrer Bequemlichkeit geschreckt.

Eine große Wirkung zu Lebzeiten blieb aus: Keine Massenbewegungen wurden in seiner Zeit durch ihn initiiert, keine nachhallenden Wundertaten, keine übermäßige Beliebtheit im Volk.

Grün stellt fest: ” Benedikt verkündigt nicht sich und seine persönliche Originalität, sondern er weist in seiner Regel einen Weg…”. Die Person verschwindet wohltuend hinter seinem Werk, der “Regula Benedicti”.

Hinter den Anweisungen der Regel leuchtet auf, mit was Benedikt gesegnet war:

- Erfahrung
- Selbsterkenntnis in menschlichen Stärken und Schwächen
- das richtige Maß
- Leitungsbegabung
- Hilfsbereitschaft
- Gabe der Versöhnung
- Glaube

Grün betont, dass Benedikt mit seinen Regeln, die sich nicht nur an Mönche, sondern an jeden richten, der ein ernsthaftes Leben in der Nachfolge führen will, niemanden überfordern will, sondern realistisch mit den Schwächen rechnet, die es nicht in strikter Befolgung von Regeln, sondern im Verstehen des Geistes, den die Regel atmet, zu meistern gilt. Getrieben war er von einer optimistischen, mit tiefsinnigem Humor und Vertrauen auf die Gnade versehenen Haltung, die in unruhigen Zeiten (Völkerwanderung, kultureller und moralischer Verfall des römischen Reichs) eine Basis für ein gelassenes und ruhiges Leben zu bieten in der Lage war.

Gar nicht so viel anders als heute in unseren postmodernen Zeiten inklusive Globalisierung und Neuigkeitenwahn im Dschungel des Informationszeitalters, gelle? Wie sagt Anselm Grün so schön:  “Unsere Zeit ist von ständiger Flexibilität gekennzeichnet. Doch die Seele kommt oft nicht mit!”

Keine Angst, ich will nicht ins Kloster! Ich bin glücklich verheiratet und viel zu neugierig veranlagt, um ein Höhlenleben auch nur ein paar Wochen durchzuhalten. Mich interessieren aber folgende Fragen:

- Wie lässt sich natürlich gelebte Spiritualität gut mit dem Alltag verbinden?
- Wie bringe ich “stabilitas”, Beständigkeit, in mein Leben?
- Wie lässt sich Stille in ein “normales” Leben dauerhaft einbauen?
- Kann die Regel von Benedikt auch heute noch, und auch außerhalb klösterlicher Gemeinschaften, fruchtbar für ein gemeinschaftliches Zusammenleben sein? Ist das möglich: Christliche Gemeinschaft in engerer Form als eine Gemeinde und in weiterer Form als eine Familie oder Kommunität? Ich finde, das ist ein reizvoller Gedanke, der auch eine interessante Perspektive für Singles, alte Menschen und Menschen mit einer Behinderung sein könnte, abseits vom staatlichen “Abschiebesystem” in Form von Heimen und Anstalten (wobei es für Singles nicht einmal Heime gibt ;-) ).

Das ist der Grund, warum ich mal genauer hinsehen will, ob Benedikt nicht schon vor 1500 Jahren Antworten auf Fragen gefunden hat, die unsere Gesellschaft heute erbärmlich beantwortet…





Das Schweigen der Kontemplation

23 12 2007

“Das Schweigen der Kontemplation. In jedem von uns verbergen sich Abgründe, Unbekanntes, Zweifel, wilde Leidenschaft, geheimes Leid…aber auch Schuldgefühle,niemals Eingestandenes, so sehr, dass sich uns ungeheure Leeren auftun. Triebe wühlen uns auf, man weiß nicht, woher sie kommen - urväterliche Erinnerungen oder genetische Bestimmtheit? Wenn wir Christus mit kindlichem Vertrauen in uns beten lassen, werden eines Tages die Abgründe bewohnbar sein. Eines Tages, später einmal, werden wir feststellen, dass sich in uns eine Revolution vollzogen hat.”

[Frere Roger, Jeden Augenblick neu, Herder 1987]

Kontemplation ist nur scheinbar Passivität. Sie ist vielmehr die Grundlegung jeglicher Aktivität, das Zulassen des tiefen, gemütshaften Ergriffenwerdens.

Viva la Revolution!





Star-Wars-Kontemplation

26 09 2007

Kann man sich ansehen, Du kannst aber auch die Kiste ausmachen und beten…