Bryan Adams, Arena Nürnberger Versicherung, 08.06.07

Dank dem besten Schwager von allen (Christian!) durfte ich gestern mit Martina nach Nürnberg fahren und ein sehr angenehmes Konzert genießen.

Ich bin ja ansonsten mehr ein Fan von Ryan Adams, der mit seinem Beinahe-Namensvetter soviel zu tun hat wie ein Eichhörnchen mit dem Geigespielen.

Bryan dagegen ist halt ein Mainstreamer par excellence: Alle paar Jahre ein Hit, der dann auf Antenne Bayern oder Bayern 3 wundgespielt wird. Was würden diese Sender eigentlich machen, wenn es Bryan nicht geben würde? Mehr James Blunt spielen (hö,hö).

Ihr merkt schon: Mainstream verstört mich. Aber das Außergewöhnliche von heute ist der Mainstream von morgen. Na ja, Henry Rollins oder die Melvins sind heute nicht auf Heavy Rotation, aber immerhin andere Helden der 90er.

Bryan Adams ist dagegen so übel nicht: Erst einmal hat er sich eine nette Vorgruppe ausgesucht: “She says” aus Wien, vier Twenty-Somethings, treten in die Fußstapfen von Alanis und Dolores und rocken nett, übrigens für ne Vorgruppe erstaunlich fair und fett abgemischt. Schlagzeuger und Gitarrist sind scheints noch sehr, sehr jung, aber versiert und engagiert.

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Im Laufe des rund 30-Minuten-Sets gibt es neben rockig-eingängigen Stücken auch mal ein Schlagzeugsolo. Die Sängerin ist der Eye-Catcher, öffnet beim zweiten Song das blonde Haar und braucht sich stimmlich vor oben genannten Vorbildern nicht zu verstecken, auch der Bassist macht gute Arbeit. Wenn man aber aus Österreich kommt und vor deutschem Publikum spielt, sind halbenglische Ansagen etwas unglücklich, liebe ansonsten angenehm auffallende, junge Nachwuchscombo. Und zu viel Alanis-artige Phrasierung und rechtes Armhochhalten geben noch mal einen halben Punkt Abzug, machen aber den guten Gesamteindruck nicht kaputt, zumal auch die Songs durchaus Höheres im Mainsreamradio erwarten lassen. Guter Aperitif!

Der dann folgende Hauptgang ist erstaunlich herzhaft: Vier im wahrsten Sinne des Wortes alte Rocker tauchen mitten im Innenraum auf einer boxringgroßen Plattform auf und lassen es rocken. Einheitsdreß schwarzes T-Shirt und Jeans. Ein paar knackige Songs, dann verschwindet die Begleitband, Bryan klampft einen und badet dann auf dem Weg zur Hauptbühne in der Menge (die übrigens auch sehr Mainstream ist, im Gegensatz zu meinen letzten Konzerten, Placebo in Stuttgart, Shakira in Leipzig und Blumfeld in Würzburg). Jeder darf mal anpacken.

Bryan Adams

Es folgt dann ein Set mit dutzenden Hits (natürlich inklusive „Summer of `69“, „Run To You“, „Open Road“, „Please Forgive Me“, „Everything I Do..“, „The Only Thing..“, „All For Love“, „Straight From The Heart“, „Heaven“, „Cuts Like A Knife“, „Kids Wanna Rock“ etc. pp) und nichts als ehrlichem Rock ohne Schnickschnack. Ist auch mal nett, keine Videoinstallationen, keine Tempeltänzer, nur alte Männer mit ihren Instrumenten. Dass es in den Texten nur darum geht, wie sehr man die Liebste vermisst, ist so wichtig ja nicht, Diskurspop ist anderswo. Süß ist, dass Bryan sich als Mitsängerin ein gut gebautes Girl aus Frankfurt auf die Bühne holt, die, falls das echt spontan war, „a good job“ machte.

Um 23.15 Uhr endet das Konzert in kanadischer Holzfällerpünktlichkeit nach nochmals Innenraumbühne, Dance-Girlies aus dem Publikum hochgeholt und abschließendem Akustik-Set Bryan solo.

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Mein Vater war Weber in einer Textilfabrik, ich schätze ehrliche, handgemachte Arbeit. Respekt also, nette Musik, guter Typ. Wilde Indies zum Liebhaben gibts ja genug.

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