Papageno in Oberbayern: Radio Opera präsentiert Mozarts „Zauberflöte“ in der Orangerie der Würzburger Residenz

Der Vogelfänger in „Krachernen“, Papageno trinkt Frankenwein, die Schlange trägt Totenkopf-Chucks: Und mittendrin Martina und Thorsten, ihre lustigen Konzertbesuche in diesem Jahr fortsetzend.

Gestern Abend lauschten wir in der Orangerie der Würzburger Residenz den Klängen der „Zauberflöte“, Mozarts etwas alberner Hit-Oper, dargeboten von der „Kammeroper Veitshöchheim„. Albern? Na ja, ein Vogelfänger, üblicherweise in einem Federkostüm, hier mal bajuwarisch interpretiert in zünftigen Lederhosen, Osiris-Anbeter, ein Prinz, der mit ner Zauberflöte rumfuchtelt, Männer, die Papageno und Frauen, die Papagena heißen…das alles ist, mit Verlaub, heiliger Wolfi, nicht Goethe. Aber ganz lustig anzusehen, und Mozart konnte nicht dichten, aber komponieren!

Und wer kommt nicht ins Schwelgen bei Kleinoden wie „In diesen heil`gen Hallen“ oder „Bei Männern, welche Liebe fühlen“?

Auch die Umsetzung mag gefallen. Ob Mozart geahnt hätte, dass die darbietenden Ensembles dereinst mal fest in asiatischer Hand sind? Tragende Teile des Orchesters, Pamina und ein (übrigens umwerfend guter) Chorsänger kommen aus dem Land der aufgehenden Sonne und machen mir Lust auf Sushi. Aber jetzt sitz ich ja gerade in der Magic Flute, wir sind eh wie immer in letzter Sekunde „aufgeschlagen“, und bei so viel schöner Musik will man ja auch gar nicht weg.

Das Ensemble nutzt den Raum, bezieht ihn in die Handlung ein und spielt und singt engagiert und hingegeben. Klar sitzen wir nicht bei Herbert von Karamalz, und die Königin der Nacht kommt nicht ganz an die Himmelsdecke, aber es ist schön, so ein munter aufspielendes Ensemble zu erleben.

Die Orangerie ist auch ein feiner Ort für „Classic-Oper“ mit Kostüm und Volksverbundenheit, und der rebengeschmückte Pavillon lässt einen in die Vogelfängergeschichte eintauchen wie in ein Dampfbad.

Meine Lieblinge: Die Darsteller von Sarastro (nicht so tief wie gewohnt, aber würdevoll und ernst), Pamina (eine asiatische Nachtigall) und Papagena (singt und tanzt bezaubernd). Und der leider unterbeschäftigte asiatische Chorsänger, der in einem Duett glänzt, dass die Betondecke (??kann man das nicht mal „aufpimpen“, liebe Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung?) der Orangerie wackelt.

Ich komme wieder, RADIO OPERA! Ihr seid sehr unterhaltsam. Dr. Blagoy Apostolov, ich bin Ihr Fan!

Das nächste Mal bitte nur: Etwas bessere Stühle, in der Sektsaufpause bitte wenigstens 2 unerfahrene Kellner, und wie wäre es mit Sushi als Pausenhäppchen? Die asiatischen Mitwirkenden würde das genauso freuen wie mich 😉

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Musik, Wörzburch

3 Antworten zu “Papageno in Oberbayern: Radio Opera präsentiert Mozarts „Zauberflöte“ in der Orangerie der Würzburger Residenz

  1. Sehr geehrter Herr Weß,
    Heute Abend bin ich ganz zufällig auf Ihre Webseite gestoßen und las mit Freude die Schilderung Ihrer Erlebnisse während unserer Zauberflöte. Ich muß Ihnen gestehen, daß ich selten so was Frisches, Spontanes und Lustiges gelesen habe. Ich freue mich, daß Sie im allgemeinen mit positiven Eindrücken aus der Orangerie gegangen sind. Auch Ihre Wünsche würde ich gerne erfüllen, leider ist nicht alles realisierbar, es gibt oft unüberwindbare Grenzen, die mit dem Reich des schnöden Mammon zu tun haben. Finden Sie uns Sponsoren, wir wechseln sofort die Stühle und bestellen den KÄFER aus München für die Bewirtung oder, wie von Ihnen geträumt, lassen eine japanische Fee Sushi zubereiten.
    Hören Sie ab und zu Radio Opera?
    Würden Sie uns Ihre Eintragung über die Zauberflöte an die obere Mailadresse zusenden?
    Gerne treffe ich mich mit Ihnen und der besten Ehefrau von allen, wobei ich gerne bei meiner bleiben möchte. Sie ist die Zauberin der Kostüme für die Zauberflöte.
    Herzliche Grüße:
    B.Apostolov

  2. wessnet

    Sehr geehrter Herr Dr. Apostolov,

    vielen Dank für die Blumen! Ich hoffe, dass es zum Ausdruck gekommen ist, dass die Freude an der Veranstaltung die wirklich kleinen Unannehmlichkeiten überstrahlt hat! Und ich stelle mit Freude fest, dass Sie offenkundig nicht nur ein Musikfreund und -kenner sind, sondern Sinn für Humor haben.

    Radio Opera höre ich gerne und oft, sie machen eine ausgezeichnete Arbeit!

    Eine Mail (mit Textkopie und ein paar weiteren persönlichen Worten) ist bereits an Sie unterwegs.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Th. Weß

  3. Pingback: Musiktipp (36): Die Zauberflöte von W.A. Mozart « wessnet

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