Broken Flowers: Die Vergangenheit ist vorbei, was die Zukunft bringt, ist ungewiss, was ich habe, ist die Gegenwart…

…alltagsphilosophiert Bill Murray in seiner Rolle als trainingsanzugtragender Misanthrop Don Johnston (sic! Johnston, nicht Johnson), dem in Jim Jarmuschs Film aus dem vergangenen Jahr ein rosa Brief offenbart, dass er angeblich Vater eines 19-jährigen Sohnes ist und dieser zu ihm unterwegs sein soll, geschrieben von der Mutter- unterschrieben ist der Brief nicht, kein Absender.

Dons schwarzem Nachbar Winston, offenbar Krimiautor und Hobbydetektiv, gelingt es darauf hin, Couchpotato Don, der früher „in dem Computergeschäft“ war und „Computer und Mädchen“ liebte, aus der lieb gewonnenen Lethargie zu reissen und ihn auf einen Höllentrip zu vier als Mütter in Frage kommenden Ex-Geliebten zu schicken, vier verschiedene Ladys in vier verschiedenen Städten. Und eine weitere, die den Brief nicht geschrieben haben kann, liegt schon auf dem Friedhof.

Murrays Schauspiel findet diesmal hauptsächlich auf ein paar Quadratzentimetern seines Kautschukgesichtes statt: Melancholie, Sehnsucht und Verzweiflung geben sich dort ein Stelldichein, dass einem der wohl in der Vergangenheit nicht zimperliche und „frauenverschlingende“ Don Juan (lauter lustige Wort- und Bildspiele bei Jarmusch) so richtig leid tut.

Da sitzt einer rum, der mal viel Geld verdient hat und jetzt noch „gut“ davon leben kann, ohne zu arbeiten: Dickes Haus, Mercedes, Flachbildschirm, schicke Trainingsanzüge für die häusliche Gemütlichkeit – nur mit Frau und Familie ist es Fehlanzeige. Sein letztes Luxus-Girlie Sherry verlässt ihn gerade genüsslich, nix Kinder ….tja, oder doch? Auch Papa, wie der Familienmensch Winston, der quickfidele algerische Nachbar mit hübscher Frau und fünf Kids?

Der unerwartet eintreffende Brief kommt da irgendwie gerade recht: Vielleicht gibt es da noch einen bislang unbekannten, Sinn stiftenden Aspekt in meinem seelenlosen Leben…

Mit Jim Jarmusch lernen wir dann das Wort „Traurigkeit“ buchstabieren (hallo, Roland Kaiser, ist bei Dir geklaut!): Die Exfrauen haben Lolitas als Töchter und sehnen sich nach Nähe (die Don Juan Johnston gewohnheitsmäßig nur eine Nacht geben kann, und die ist ihm auch schon zu lang – jetzt geklaut bei Udo Lindenberg), haben Dumpfbacken geheiratet und sind dabei seltsam geworden, kommunizieren beruflich mit Tieren, leben als frustrierte Leidgeprüfte auf einem Aso-Rocker-Bauernhof – oder sind sogar tot. Keine Mutter des eigenen Kindes, die es noch einmal zu lieben lohnen würde?

Spät gesehen haben wir jetzt den Film, auf DVD – das überraschende Ende passt zum Film: Es lässt einen unbefriedigt zurück, so wie das Leben Don Johnston unbefriedigt zurück lässt. Siehe den obigen Sinnspruch.

Wenn man so viel gut verpackte Melancholie aushält, ist der Film sehr zu empfehlen: Was würde mir auf einem ähnlichen Trip in meine Vergangenheit begegnen? Habe ich alles richtig gemacht? Was ist mir jetzt wichtig, und was wird in 19 Jahren wichtig sein? Setze ich den richtigen Schwerpunkt in meinem Leben? Warum heisst auch der schwarze Hund Winston? Wer besitzt eine Schreibmaschine?

Und wer hat den Film auch schon gesehen und kann mir seine Lösungstheorie unterbreiten?

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