Monatsarchiv: August 2007

Echsen und Heilige – Eine unheilvolle Allianz (für die Echsen!)

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Während unserer Reise durch Norditalien und die Schweiz (z.B. auf der Isola San Giulio im Lago d` Orta oder in den St. Beatus-Höhlen am Thunersee im Berner Oberland, nahe Oberhofen) fiel mir auf, dass man immer wieder auf eine sich leicht abwandelnde Geschichte stößt:

Ein Lindwurm lebt, oft jahrhundertelang ungestört, wahlweise in einer Höhle oder auf einer ruhigen Insel, stößt zuweilen im Rahmen seiner natürlichen Verhaltensweisen einen winzigen Feuerschwall aus oder frisst mal eine kleine Herde Kühe oder Schafe. Alles absolut korrekt und artgerecht soweit, wir grillen ja auch mal auf dem Balkon.

Dann kreuzt plötzlich ein, bevorzugt irischer, Wandermönch auf, okkupiert erst einmal die Höhle/Insel und schleimt sich dann dergestalt bei den örtlichen Viehbauern und Leuten, die immer schon was gegen Echsen hatten, ein, dass er das arme Tier, nun wahlweise mit einem Wanderstab oder Kreuz, bedroht und verscheucht oder gar hinterrücks meuchelt. Danach wird er dann von der ungebildeten Meute tierfeindlicher Landwirte prompt zum Heiligen erhoben, man bietet ihm Kost und Logis und ein Freibegräbnis dort, wo heute die Touristenmassen durchgeschleift werden, also unvergänglichen Ruhm.

Das prangere ich hiermit aufs Schärfste an! Die „Irländer“, wie ein ehemaliger Fußballbundestrainer so schön sagte, haben uns ja viele Errungenschaften gebracht, von Guiness bis zu Bono, aber würde man heute einen dahergelaufenen Backpacker dafür belohnen, dass er aussterbende Tierarten mit seinem Nordic-Walking-Stöckchen um die Ecke bringt? Wohl kaum.

Und wie schön wäre es, wenn noch heute die Lindwürmer in natürlichen Reservaten ihr unbescholtenes Dasein fristen könnten! Wie viele Jungs würden ob des Anblicks eines netten Drachen in Verzückung verfallen, anstatt sich blöde Pappmache-Monster ansehen zu müssen wie in den St. Beatus-Höhlen am Thunersee!

Außerdem habe ich da so einen Verdacht: Zu meiner großen Freude durfte ich feststellen, dass es in Norditalien und teilweise auch in der Schweiz von Echsen nur so wimmelt. Vielleicht hat der Mönch da jeweils etwas übertrieben und ein besonders stattlich ausgefallenes, aber nicht mit einem Norwegischen Stachelbuckel zu vergleichendes wärmeliebendes Tierchen mit seinem aus irischer Eiche geschnitzten Wanderstab aus purem Eigennutz traktiert. Das sollte mal in Ruhe geprüft und insofern die Geschichte der irischen Heiligen neu geschrieben werden!

Oben: Ein von den Iren übersehener Lindwurm nahe Armeno.

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Moonchild in time – Blackmore`s Night live , 12.08.07, Schloß Neuenbürg

Unser Urlaub startete am 12.08. mit dem Besuch eines Konzerts von „Blackmore`s Night“, die Mittelalter-Renaissance-Kitsch-Band (aber ich steh drauf und habe mich daher sehr gefreut, als Martina mir die Karten geschenkt hat) von Ritchie „Deep Purple“ Blackmore und seiner beträchtlich jüngeren Lebensgefährtin (wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeissen: Eine jüngere Frau ist sehr förderlich für einen in die Jahre kommenden Mann, ich kenn mich da aus, also nichts für ungut, Ritchie!) Candice Night in Neuenbürg.

Ist ca. 15 km entfernt von Schömberg, wo wir uns eingemietet hatten, getrennt durch 300 Höhenmeter. Das kleine Städtchen ist über Gebühr ausgelastet von den angereisten Fans. Zum Schloß – oder besser: Schloßruine – hochfahren darf man nicht, und die wenigen Parkhäuser und -plätze im Innenstadtbereich sind rappeldicht zu. Wir finden dann doch noch einen Parkplatz an der Straße etwas außerhalb. Es geht einen steilen Weg hoch zur Schloßruine, vorbei an einem alten Friedhof.

Der Konzertort ist ein von Mauern umgebener Platz, wahrscheinlich der alte Schloßstandort. Die Bühne strotzt vor richtig derbem Mittelalterkitsch: Stoffbahnen mit aufgedruckten Rothenburg-ob-der-Tauber-oder-so-Motiven, eine Stadtsilhouette, kunstblätterbekränzte Mikroständer, Strohballen. So stellt sich der Ami wohl das romantische Deutschland vor. Am Eingang müssen die Handys leise gestellt werden, keine Fotoapparate, und bitte nicht nachher mit dem Handy fotografieren. Neeeeeiiiinnn…. Es gibt ganze vier Dixi-Klos für ca. 2000 zahlende Besucher und einen Getränkestand, der kurz vor 20.00 Uhr dann mal schließt. Es ist bestuhlt! Was aber gar nicht schlecht ist, wie sich nachher herausstellt, denn dann kann man ganz nah vorne an die Bühne ran. Im Publikum diverse „alte Hasen“, ein paar junge Männer mit „Feuertanz 2005“-T-Shirts, die offenkundig auf Subway to Sally, Schandmaul und so stehen. Ein paar verstreute Schwarzkittel und Mittelalterkostümfestfreunde. Vor uns ein paar alberne Kids mit gut beieinander seiender Mami und krassem Papa und ein stoisch Rauchender mit Zigarette in der rauchgelb gefärbten linken Hand. Hinter uns rufen Altfans nach „Ritchie“. Die Abendsonne taucht die wenigen Ruinenteile in ein goldenes Licht. Es ist noch angenehm warm.

Das Konzert beginnt pünktlich um 20.15 Uhr. Der Pianist und Ritchie betreten ohne Brimborium die Bühne, kurz darauf auch Candice Night. Die Band besteht neben Ritchie/Candice aus einem Schlagzeuger/Percussionisten, einem Bassisten/Zweitgitarristen, dem Pianisten, zwei Backgroundsängerinnen (Schwestern von Candice?) und wohl aushilfsweise (die Vorgruppe, für die wir zu spät kamen?) aus zwei Sängerinnen/Bläserinnen, einem Paukenspieler und einem Lautenspieler. Es geht erst einmal relativ brav mit ein paar Hits und etwas unbeholfenen Ansagen der erstaunlich unscheinbaren Candice los, deren Stimme hochgetunet bis zum Anschlag ist, in der „Halle“ des Bergkönigs. Ihr Bühnenoutfit hat sie wahrscheinlich in Neuschwanstein eingekauft. Ritchie hält sich anfangs geradezu domestiziert zurück. Erste geniale Momente blitzen auf, als er später zur weißen E-Gitarre greift und Deep Purple-Soli rauslässt. Menno, das kann er einfach am besten. Er spielt zwar auch schön klassische Gitarre, das ist aber nicht sonderlich aufsehenerrregend oder gar charismatisch, sondern eben nur nett. Gleichermaßen sind leider der Bassist, der sich gleich anfangs mal verzockt, und der Pianist vielleicht gute Rockmusiker, aber bestenfalls mediokre Klassikinterpreten. Im Vergleich zu Dead Can Dance sind Blackmores Night Andre Rieu statt die Wiener Symphoniker.

Das Konzert hat dann aber doch seine stimmungsvollen Momente, und zwar oft bei Songs von der ersten Platte, Coverversionen oder Standards. Candice berichtet vom 10-Jahres-Jubiläum (stimmt, Shadows of the moon ist von 1997 – gulp, wie die Zeit vergeht) und davon, dass dieses Set das letzte Konzert dieser Europatour sei, und man wolle daraus eine Party machen. Gelingt dann auch zum Schluß, wobei es auch viel besser ist, das Konzert von direkt vor der Bühne zu verfolgen als von dem mittleren Sitzplatz aus. Vielleicht wäre das alles in einer kleineren Atmosphäre noch schöner. 

Die Band gibt eine ordentlich lange Zugabe, inklusive Drehleiereinsatz mit Van Halen-Spiel von Ritchie und viel Tröteneinsatz von Candice, so dass rund 2 3/4 Stunden Konzerterlebnis zusammenkommen.

Verbesserungsvorschläge: Candice sollte nicht alles singen, ihr etwas dünnes Stimmchen nervt auf Dauer a weng, es sollte etwas mehr Instrumentales und Originäres einfliessen, mehr Originalinstrumente statt Keyboard, und Ritchie sollte öfter mal die weiße Gitarre auspacken. Und mehr Dixi-Klos!

Nach Burgabstieg streifen wir noch etwas durch Neuenbürg. Die Bürgersteige sind schon hochgeklappt, es gibt hier eine altpietistische Gemeinde, o.k., aber jetzt „heim“ nach Schömberg ins Hotel und rechtschaffen müde ins Bett.

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Die Zeit vergeht, die Erinnerung bleibt…

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So ist unser Urlaub am Lago d´Orta und im Berner Oberland schon wieder Geschichte, von der es aber Einiges zu erzählen gibt.

Das Foto oben habe ich auf dem Friedhof in ARMENO, unserem ersten Ferienort, geschossen, ein verschlafenes Bergdorf, gelegen auf halber Strecke zwischen Orta und Stresa. Wie heisst es so schön bei Lucky Luke: Fremder, in diesem Ort findest Du alles, was Du brauchst: Ein Hotel, eine Bar und einen Friedhof!

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Endlich Urlaub – Ruhe über dem Blog für 14 Tage…

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Wie hätten Sie geantwortet?

In einer Gerichtsverhandlung betreffs eines Unfalls zwischen einem Auto und einem Reiter auf seinem Pferd (=der Kläger) fragt der Anwalt des Autofahrers den Kläger: „Ist es richtig, dass Sie nach dem Unfall zu meinem Mandanten gesagt haben, sie seien nicht verletzt?“
„Natürlich habe ich das gesagt, aber dazu müssen Sie wissen, wie sich die Sache abgespielt hat: Also, ich reite mit meinem Gaul ruhig die Straße entlang. Da kommt das Auto angerast und wirft uns in den Graben. Das war vielleicht ein Durcheinander, das können sie sich nicht vorstellen. Ich lag auf dem Rücken, die Beine in die Luft – und mein braves altes Pferd auch. Da steigt der Fahrer aus, kommt auf uns zu und sieht, dass mein Pferd sich ein Bein gebrochen hat. Darauf zieht er wortlos eine Pistole und erschießt es. Danach sieht er mich an und fragt: „Sind sie auch verletzt?“ – Nun frage ich Sie, Herr Rechtsanwalt, wie hätten sie geantwortet?“

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wessnets obskurer Musikgeschmack

Wer mal erforschen möchte, was die skurrilsten Erwerbungen in meinem CD-Schrank sind, möge einen Blick auf meine Amazonliste werfen:

 11 Platten, die nicht jeder hat (aber haben sollte…)

Wer aktuelle Tipps haben möchte, sollte mal die Rezensionen durchschauen:

Rezensionen

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Lustiges Musikraten, Teil 6

Welcher deutsche Musiker ist Sohn eines Jazzers und auf seinem Gebiet ebenfalls experimentell unterwegs?

Und damit es nicht zu einfach wird: Nenne drei seiner Alben!

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