Echsen und Heilige – Eine unheilvolle Allianz (für die Echsen!)

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Während unserer Reise durch Norditalien und die Schweiz (z.B. auf der Isola San Giulio im Lago d` Orta oder in den St. Beatus-Höhlen am Thunersee im Berner Oberland, nahe Oberhofen) fiel mir auf, dass man immer wieder auf eine sich leicht abwandelnde Geschichte stößt:

Ein Lindwurm lebt, oft jahrhundertelang ungestört, wahlweise in einer Höhle oder auf einer ruhigen Insel, stößt zuweilen im Rahmen seiner natürlichen Verhaltensweisen einen winzigen Feuerschwall aus oder frisst mal eine kleine Herde Kühe oder Schafe. Alles absolut korrekt und artgerecht soweit, wir grillen ja auch mal auf dem Balkon.

Dann kreuzt plötzlich ein, bevorzugt irischer, Wandermönch auf, okkupiert erst einmal die Höhle/Insel und schleimt sich dann dergestalt bei den örtlichen Viehbauern und Leuten, die immer schon was gegen Echsen hatten, ein, dass er das arme Tier, nun wahlweise mit einem Wanderstab oder Kreuz, bedroht und verscheucht oder gar hinterrücks meuchelt. Danach wird er dann von der ungebildeten Meute tierfeindlicher Landwirte prompt zum Heiligen erhoben, man bietet ihm Kost und Logis und ein Freibegräbnis dort, wo heute die Touristenmassen durchgeschleift werden, also unvergänglichen Ruhm.

Das prangere ich hiermit aufs Schärfste an! Die „Irländer“, wie ein ehemaliger Fußballbundestrainer so schön sagte, haben uns ja viele Errungenschaften gebracht, von Guiness bis zu Bono, aber würde man heute einen dahergelaufenen Backpacker dafür belohnen, dass er aussterbende Tierarten mit seinem Nordic-Walking-Stöckchen um die Ecke bringt? Wohl kaum.

Und wie schön wäre es, wenn noch heute die Lindwürmer in natürlichen Reservaten ihr unbescholtenes Dasein fristen könnten! Wie viele Jungs würden ob des Anblicks eines netten Drachen in Verzückung verfallen, anstatt sich blöde Pappmache-Monster ansehen zu müssen wie in den St. Beatus-Höhlen am Thunersee!

Außerdem habe ich da so einen Verdacht: Zu meiner großen Freude durfte ich feststellen, dass es in Norditalien und teilweise auch in der Schweiz von Echsen nur so wimmelt. Vielleicht hat der Mönch da jeweils etwas übertrieben und ein besonders stattlich ausgefallenes, aber nicht mit einem Norwegischen Stachelbuckel zu vergleichendes wärmeliebendes Tierchen mit seinem aus irischer Eiche geschnitzten Wanderstab aus purem Eigennutz traktiert. Das sollte mal in Ruhe geprüft und insofern die Geschichte der irischen Heiligen neu geschrieben werden!

Oben: Ein von den Iren übersehener Lindwurm nahe Armeno.

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