Moonchild in time – Blackmore`s Night live , 12.08.07, Schloß Neuenbürg

Unser Urlaub startete am 12.08. mit dem Besuch eines Konzerts von „Blackmore`s Night“, die Mittelalter-Renaissance-Kitsch-Band (aber ich steh drauf und habe mich daher sehr gefreut, als Martina mir die Karten geschenkt hat) von Ritchie „Deep Purple“ Blackmore und seiner beträchtlich jüngeren Lebensgefährtin (wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeissen: Eine jüngere Frau ist sehr förderlich für einen in die Jahre kommenden Mann, ich kenn mich da aus, also nichts für ungut, Ritchie!) Candice Night in Neuenbürg.

Ist ca. 15 km entfernt von Schömberg, wo wir uns eingemietet hatten, getrennt durch 300 Höhenmeter. Das kleine Städtchen ist über Gebühr ausgelastet von den angereisten Fans. Zum Schloß – oder besser: Schloßruine – hochfahren darf man nicht, und die wenigen Parkhäuser und -plätze im Innenstadtbereich sind rappeldicht zu. Wir finden dann doch noch einen Parkplatz an der Straße etwas außerhalb. Es geht einen steilen Weg hoch zur Schloßruine, vorbei an einem alten Friedhof.

Der Konzertort ist ein von Mauern umgebener Platz, wahrscheinlich der alte Schloßstandort. Die Bühne strotzt vor richtig derbem Mittelalterkitsch: Stoffbahnen mit aufgedruckten Rothenburg-ob-der-Tauber-oder-so-Motiven, eine Stadtsilhouette, kunstblätterbekränzte Mikroständer, Strohballen. So stellt sich der Ami wohl das romantische Deutschland vor. Am Eingang müssen die Handys leise gestellt werden, keine Fotoapparate, und bitte nicht nachher mit dem Handy fotografieren. Neeeeeiiiinnn…. Es gibt ganze vier Dixi-Klos für ca. 2000 zahlende Besucher und einen Getränkestand, der kurz vor 20.00 Uhr dann mal schließt. Es ist bestuhlt! Was aber gar nicht schlecht ist, wie sich nachher herausstellt, denn dann kann man ganz nah vorne an die Bühne ran. Im Publikum diverse „alte Hasen“, ein paar junge Männer mit „Feuertanz 2005“-T-Shirts, die offenkundig auf Subway to Sally, Schandmaul und so stehen. Ein paar verstreute Schwarzkittel und Mittelalterkostümfestfreunde. Vor uns ein paar alberne Kids mit gut beieinander seiender Mami und krassem Papa und ein stoisch Rauchender mit Zigarette in der rauchgelb gefärbten linken Hand. Hinter uns rufen Altfans nach „Ritchie“. Die Abendsonne taucht die wenigen Ruinenteile in ein goldenes Licht. Es ist noch angenehm warm.

Das Konzert beginnt pünktlich um 20.15 Uhr. Der Pianist und Ritchie betreten ohne Brimborium die Bühne, kurz darauf auch Candice Night. Die Band besteht neben Ritchie/Candice aus einem Schlagzeuger/Percussionisten, einem Bassisten/Zweitgitarristen, dem Pianisten, zwei Backgroundsängerinnen (Schwestern von Candice?) und wohl aushilfsweise (die Vorgruppe, für die wir zu spät kamen?) aus zwei Sängerinnen/Bläserinnen, einem Paukenspieler und einem Lautenspieler. Es geht erst einmal relativ brav mit ein paar Hits und etwas unbeholfenen Ansagen der erstaunlich unscheinbaren Candice los, deren Stimme hochgetunet bis zum Anschlag ist, in der „Halle“ des Bergkönigs. Ihr Bühnenoutfit hat sie wahrscheinlich in Neuschwanstein eingekauft. Ritchie hält sich anfangs geradezu domestiziert zurück. Erste geniale Momente blitzen auf, als er später zur weißen E-Gitarre greift und Deep Purple-Soli rauslässt. Menno, das kann er einfach am besten. Er spielt zwar auch schön klassische Gitarre, das ist aber nicht sonderlich aufsehenerrregend oder gar charismatisch, sondern eben nur nett. Gleichermaßen sind leider der Bassist, der sich gleich anfangs mal verzockt, und der Pianist vielleicht gute Rockmusiker, aber bestenfalls mediokre Klassikinterpreten. Im Vergleich zu Dead Can Dance sind Blackmores Night Andre Rieu statt die Wiener Symphoniker.

Das Konzert hat dann aber doch seine stimmungsvollen Momente, und zwar oft bei Songs von der ersten Platte, Coverversionen oder Standards. Candice berichtet vom 10-Jahres-Jubiläum (stimmt, Shadows of the moon ist von 1997 – gulp, wie die Zeit vergeht) und davon, dass dieses Set das letzte Konzert dieser Europatour sei, und man wolle daraus eine Party machen. Gelingt dann auch zum Schluß, wobei es auch viel besser ist, das Konzert von direkt vor der Bühne zu verfolgen als von dem mittleren Sitzplatz aus. Vielleicht wäre das alles in einer kleineren Atmosphäre noch schöner. 

Die Band gibt eine ordentlich lange Zugabe, inklusive Drehleiereinsatz mit Van Halen-Spiel von Ritchie und viel Tröteneinsatz von Candice, so dass rund 2 3/4 Stunden Konzerterlebnis zusammenkommen.

Verbesserungsvorschläge: Candice sollte nicht alles singen, ihr etwas dünnes Stimmchen nervt auf Dauer a weng, es sollte etwas mehr Instrumentales und Originäres einfliessen, mehr Originalinstrumente statt Keyboard, und Ritchie sollte öfter mal die weiße Gitarre auspacken. Und mehr Dixi-Klos!

Nach Burgabstieg streifen wir noch etwas durch Neuenbürg. Die Bürgersteige sind schon hochgeklappt, es gibt hier eine altpietistische Gemeinde, o.k., aber jetzt „heim“ nach Schömberg ins Hotel und rechtschaffen müde ins Bett.

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