Markus und Klaus

Die Nacht der offenen Kirchen in Würzburg am 02.10.07 liegt hinter uns – und der Besuch hat sich gelohnt.

Unschlagbares Highlight war um 21.00 Uhr die „etwas andere Domführung“ unter dem Titel „Der Dom, das Leben und der Glaube“ mit Markus Grimm.

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Genial wie immer schlüpfte Markus in die Rolle eines linkischen Domführers bei seiner letzten Führung. Unkundige Besucher werden nach den ersten Minuten vielleicht vermutet haben, hier habe die Domverwaltung ein besonders nettes Durchschnittsexemplar eines „ewigen Domführers“ auf sie losgelassen, der mit seinem aparten Oberlippenbart, dem 80er-Jahre-Jackett und Seitenscheitel mit angelesenem Halbwissen und stocksteifer Höflichkeit eine 08/15-Führung absolviert.

Spätestens aber, als uns der Protagonist seine intime Beziehung zum aus der Hand Riemenschneiders stammenden Bibelhalter „Klaus“ (vorne rechts im Dom zu bewundern), wie er ihn einst benannte, darlegte, dürfte auch dem letzten zufällig Hereinströmenden klar geworden sein, welches Kaliber da vorne steht und unter der Maske des Herrn Führer Jedermann über den Dom, Gott, die Welt und vor allem sich selbst und seine Beziehung zu „Haus und Herr“ philosophiert.

In der Krypta erzählt er uns „nur eine Geschichte“ über das älteste Domartefakt, das dort ausgestellte steinerne Kreuz mit bärtigem Gesicht, die uns mitnimmt in die Frühgeschichte des Doms und in die Geschichte der Würzburger mit ihrem Dom.

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„Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten“, ausgerechnet diese Stelle aus Joh. 2,19 hält ihm Klaus entgegen, das berühmte Zitat von Jesus, der von dem „Tempel seines Leibes“ redete, und der Domführer schlägt die Brücke vom Würzburger Dom zum Dom seines Herzens und beginnt zu verstehen, warum Klaus (oder sonst jemand?) nicht mehr zu ihm redet und der Dom für ihn nur noch aus kaltem Stein besteht.

Eine stille, eindringliche Predigt eines Schauspielers, der nicht umsonst auch  Doktor der Theologie ist, und eine ungewöhnliche Liebeserklärung an Würzburg, seinen Dom und an Gott. Wer Ohren hatte, konnte hören…

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