Mumien-Pornografie

Vor ein paar Tagen bin ich bei einem Spaziergang mit Martina auf ein Plakat der Mumien-Ausstellung in Mannheim gestoßen und habe mir gedacht: Toll, das schauen wir uns auch mal an!

Für Archäologie und ägyptische Geschichte habe ich seit jeher ein Faible. Und als Kind habe ich mir öfter gewünscht, einmal eine richtige Mumie anschauen zu dürfen. „Götter, Gräber und Gelehrte“ von C.W. Ceram und ähnliche Werke habe ich neugierig verschlungen.

Gestern habe ich dann ein interessantes Interview von Deutschlandradio Kultur mit dem Direktor des Ägyptischen Museums in Berlin, Dietrich Wildung, angehört (natürlich als Podcast, nachdem ich doch gerade iTunes und seine Möglichkeiten entdecke), und muss dem guten Mann hinsichtlich seiner Analyse dieser Veranstaltung nach näherem Nachdenken recht geben. Originalton:

 „Ich glaube, dass Tod und Sterben eine zutiefst private, eine zutiefst persönliche Angelegenheit sind, die nicht vor die Augen einer breiten Öffentlichkeit gezogen werden sollte. Ich möchte daher Tod und Sterben vergleichen mit Zeugung und Geburt, die auch sehr intime, sehr private, persönliche Erfahrungen sind und, vielleicht klingt es ein wenig gewagt, aber unser Umgang mit Zeugung, also letzten Endes mit Sexualität, der längst in die Öffentlichkeit gezerrt worden ist und den wir hier eigentlich als obszön bezeichnen müssten, gibt mir das gedankliche Modell, wie hier in der Ausstellung in Mannheim insbesondere mit dem menschlichen Körper dem toten Körper umgegangen wird, als obszön zu bezeichnen ist, es ist gewissermaßen Mumien-Pornographie.“

Im weiteren Verlauf äußerte Wildung die Hoffnung, dass die Toten, die derzeit noch im Ägyptischen Museum in Berlin „lagern“, später einmal zurück nach Ägypten verbracht und dort beigesetzt werden.

Schon interessant: Der Gedanke, dass es sich bei Mumien nicht nur um gruselige Sensationsobjekte, sondern um Verstorbene handelt, denen menschliche Würde gebührt, kommt einem nicht sogleich und ist auch nicht so naheliegend wie beim „Körperwelten“-Zirkus.

H i e r  geht es zum ganzen Interview, zum Nachlesen oder Nachhören empfohlen!

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