Die große Stille – Ein Film, der selbst zum Kloster wird…

Dank Yotins Empfehlung kamen Martina und ich gestern in den Genuß, uns den einzigartigen Dokumentarfilm “ Die große Stille“ über die „Grande Chartreuse“, das Mutterkloster des legendären Schweigeordens der Karthäuser, auf Arte ansehen zu dürfen.

Ich habe weder Arte umgelegt noch jemand anders, trotzdem sei Arte hochgelobt, ein derart einmaliges, aber durchaus auch strapaziöses Werk zur besten Sendezeit auszustrahlen:

Wie filmt man Mönche in einem Schweigekloster, vielleicht dem „härtesten“ der Welt? Wo man schon auf Autoverfolgungsjagden, Sexszenen und lustige Dialoge verzichten musste, hatte der Regisseur zudem die Auflage, keine künstlichen Verfremdungen oder Musikeinspielungen verwenden zu dürfen.

Übrig bleiben Karthäuser aller Altersklassen in minutenlangen Nahaufnahmen, Mönche, die die Seite eines Gebetbuches umblättern, im Wald Schläuche reparieren (?), allein im Garten arbeiten, und immer wieder Gebet. Langes, ruhiges Gebet. Sehr lange. Immer wieder. Leere Gänge, etwas verwittert. Natur. Im halben Stehen lesende Mönche. Gebet. Essen. Natur im Wechsel der Jahreszeiten. Gebet.

Ich zitiere Arte: „Die große Stille“ ist eine strenge, fast stumme Meditation über klösterliches Leben in seiner reinsten Form. Erst in der Stille beginnt man zu hören. Erst wenn die Sprache verstummt, beginnt man zu sehen.

Der Film wird selbst zum Kloster: Ich werde ruhig, habe Muße beim Betrachten, die Stille legt sich vom Bildschirm auf den Betrachter.

Der Film ist ein gutes Lehrstück in Sachen Entschleunigung. Ich war so entschleunigt, dass ich kurz vor Ende selig eingeschlafen bin und erst wieder wach wurde, als meine liebe Frau die Gelegenheit nutzte und auf Loriot bei Beckmann umgeschaltet hatte. Das war wie Aufwachen aus einem Traum, den ich lieber noch weiter geträumt hätte. Vielleicht mit Beckmann als schweigendem Karthäuser…

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