Benedikt: Bete und arbeite, suche das rechte Maß, bleibe am gleichen Ort (I)

Markus Lägel sei Dank:

Ich habe Interesse am Leben und Werk des Benedikt von Nursia bekommen. Was liegt da näher (auch im geographischen Sinne), als sich das Büchlein „Benedikt von Nursia“ von Anselm Grün vorzuknöpfen, erschienen im Vier-Türme-Verlag Münsterschwarzach (ich lege die 7.Auflage 2004 zu Grunde), und sich mit dessen Inhalt hier auseinanderzusetzen? Dies werde ich in den nächsten Tagen tun, beginnend heute mit dem ersten Kapitel über die Gestalt Benedikts:

Anselm Grün hält fest, dass das Leben Benedikts schnell erzählt ist:

– Geb. ca. 480 in Nursia, Mittelitalien

– Studium in Rom

– Abbruch des Studiums wegen des moralischen Niedergangs in der Stadt

– Rückzug in die Einsamkeit: Erst Asketengemeinschaft in Enfide, dann drei Jahre lang Eremitendasein in einer Höhle bei Subiaco

– Lehrtätigkeit

– Vorsteher eines Klosters in der Umgebung

– Erneute Einsamkeit

– Gründung von zwölf kleinen Klöstern

– 529: Gründung von Monte Cassino – Neue Gemeinschaft, Schreiben einer „Regel“ (Regula Benedicti) [Die ganze Regel  ist   h i e r  online zugänglich!]

– 547: Tod Benedikts

Soweit die dürren Fakten, aber wer war Benedikt, was für ein Mensch steht hinter den Ordensregeln, mit denen ich mich in der kommenden Zeit beschäftigen möchte?

Ein „netter Kerl“, ein Populist ganz gewiss nicht, dagegen sprechen zentrale Ereignisse in seinem Leben: Statt sich mit seiner sinnenfrohen Studienstadt zu arrangieren oder den Heiligen im sündigen Umfeld zu spielen, der sich gleichermaßen über seine Mitmenschen erheben oder aber schleichend in ihre Lebenspraxis hineingezogen werden könnte, verlässt Benedikt angewidert (!) Rom. Sein erster Klostervorsteherjob endete damit, dass die Mönche ihn vergiften wollten! Da war er wohl etwas zu ernst in der Sache, und die Mönche wurden aus ihrer Bequemlichkeit geschreckt.

Eine große Wirkung zu Lebzeiten blieb aus: Keine Massenbewegungen wurden in seiner Zeit durch ihn initiiert, keine nachhallenden Wundertaten, keine übermäßige Beliebtheit im Volk.

Grün stellt fest: “ Benedikt verkündigt nicht sich und seine persönliche Originalität, sondern er weist in seiner Regel einen Weg…“. Die Person verschwindet wohltuend hinter seinem Werk, der „Regula Benedicti“.

Hinter den Anweisungen der Regel leuchtet auf, mit was Benedikt gesegnet war:

– Erfahrung
– Selbsterkenntnis in menschlichen Stärken und Schwächen
– das richtige Maß
– Leitungsbegabung
– Hilfsbereitschaft
– Gabe der Versöhnung
– Glaube

Grün betont, dass Benedikt mit seinen Regeln, die sich nicht nur an Mönche, sondern an jeden richten, der ein ernsthaftes Leben in der Nachfolge führen will, niemanden überfordern will, sondern realistisch mit den Schwächen rechnet, die es nicht in strikter Befolgung von Regeln, sondern im Verstehen des Geistes, den die Regel atmet, zu meistern gilt. Getrieben war er von einer optimistischen, mit tiefsinnigem Humor und Vertrauen auf die Gnade versehenen Haltung, die in unruhigen Zeiten (Völkerwanderung, kultureller und moralischer Verfall des römischen Reichs) eine Basis für ein gelassenes und ruhiges Leben zu bieten in der Lage war.

Gar nicht so viel anders als heute in unseren postmodernen Zeiten inklusive Globalisierung und Neuigkeitenwahn im Dschungel des Informationszeitalters, gelle? Wie sagt Anselm Grün so schön:  „Unsere Zeit ist von ständiger Flexibilität gekennzeichnet. Doch die Seele kommt oft nicht mit!“

Keine Angst, ich will nicht ins Kloster! Ich bin glücklich verheiratet und viel zu neugierig veranlagt, um ein Höhlenleben auch nur ein paar Wochen durchzuhalten. Mich interessieren aber folgende Fragen:

– Wie lässt sich natürlich gelebte Spiritualität gut mit dem Alltag verbinden?
– Wie bringe ich „stabilitas“, Beständigkeit, in mein Leben?
– Wie lässt sich Stille in ein „normales“ Leben dauerhaft einbauen?
– Kann die Regel von Benedikt auch heute noch, und auch außerhalb klösterlicher Gemeinschaften, fruchtbar für ein gemeinschaftliches Zusammenleben sein? Ist das möglich: Christliche Gemeinschaft in engerer Form als eine Gemeinde und in weiterer Form als eine Familie oder Kommunität? Ich finde, das ist ein reizvoller Gedanke, der auch eine interessante Perspektive für Singles, alte Menschen und Menschen mit einer Behinderung sein könnte, abseits vom staatlichen „Abschiebesystem“ in Form von Heimen und Anstalten (wobei es für Singles nicht einmal Heime gibt 😉 ).

Das ist der Grund, warum ich mal genauer hinsehen will, ob Benedikt nicht schon vor 1500 Jahren Antworten auf Fragen gefunden hat, die unsere Gesellschaft heute erbärmlich beantwortet…

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4 Kommentare

Eingeordnet unter CityChurch, Emergentes, Kontemplation, Unsere frängische Heimat, Vaterland

4 Antworten zu “Benedikt: Bete und arbeite, suche das rechte Maß, bleibe am gleichen Ort (I)

  1. endlich macht das mal jemand. länger und thematischer über den mönchsvater benedikt zu bloggen. (nebenbei: warum hat kardinal ratzinger bloss diesen namen gewählt? google man nach „unserm“ benedikt muss man sich erst durch die papst-ergebnisse wühlen.)

    die letzten fragen die du stellst: da würde ich mir wünschen, dass laien dazu die antworten dazu geben. aber meine einschätzung ist, dass wir nun erst einmal durch eine phase des interesses über eine gewisse desillusionierung über kommunitäres leben gehen müssen, um reife antworten („in wort und tat“) zu geben.

    (stichwort „desillusionierung“: das kloster / eine feste gemeinschaft kann auch ein idealer ort sein, um seine neurosen zu züchten. ist eine etwas ernstere angelegenheit als humore gross zu ziehen. na ja, egal, man muss halt erfahrung damit sammeln. da hilft es nichts. mich macht das nur ärgerlich, wenn ordensleuten so viel bewunderungs-vorschuss gegeben wird. die meisten sind einfach nur arme kleine würstchen. wie wir. und manche werden krank davon, dass andere menschen ihnen mehr zuschreiben als sie sind oder geben können.)

  2. wessnet

    Den Herrn Ratzinger mag ich bekanntlich gerne, wobei es auch nichts schadet, dass er sich den Namen „Benedikt“ erwählt hat. Beim Googlen habe ich gleich mal „Benedikt von Nursia“ eingegeben, das erleichtert die Sache ungemein.
    Ein offizielles Statement zum Motiv der Namenswahl fehlt wohl, die Auguren meinen aber, entweder „unseren“ Bene oder aber Papst Benedikt XV. als Inspiration ausmachen zu können.

    Wenn ich das Stichwort „Kommunitäres Leben“ höre, denke ich mir immer, dass das auf Dauer nur klappen kann, wenn eine gewisse Verbindlichkeit dabei mitspielt. Convers gibt es ja erst ein paar Jahre. Kann so etwas auch 50 Jahre mit der „Stammbesetzung“ halten? Aber das kommt ja alles noch, also halte ich jetzt erst mal inne…

  3. ach du grüne neune. ich dachte, der kommentar sei nicht angekommen und war dann nachher zufrieden damit. normalerweise schreibe ich keine schlechtlaunigen kommentare. ich werde mich bessern oder mein unbehagen in zukunft konstruktiver formulieren.

  4. Pingback: der eigenwert des profanen « ein neues kellion

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