Monatsarchiv: April 2008

Blog`n`Roll High School

Yotin plädiert dafür, sich nicht mit anderen zu vergleichen, aber was ist die Bloggerei, wenn nicht ein edler Wortwettstreit? Und Hand aufs Herz: Ein wenig mitteilsam und somit publikumsheischend muss man schon sein, wenn man sich regelmäßig vor der Weltöffentlichkeit verbal austobt.

Da kommt dann dieses Testchen gerade recht: Welcher Bildungsabschluss ist vonnöten, wenn man hier mitlesen will?

blog readability test

Habt ihr doch eh alle, oder? Und wenn nicht: Das ist sowieso Schwachsinn, lesen kann, darf und soll jeder. Dieses Weblog ist daher Gemeingut und hoffentlich kein Bildungsbürgerseparee…

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Das ICE-Unglück vom Samstag, 26.04.08, bei Fulda: Erlebnisbericht eines Fahrgastes

Den ICE-Unfall vom vergangenen Samstag haben wir alle mit Schrecken aufgenommen, gleichzeitig aber erleichtert gehört, dass gottlob kein Mensch zu Tode gekommen ist – dafür eine ganze Schafherde, die den ICE in einem Tunnel bei Fulda (Landrückentunnel) zum Entgleisen gebracht hat.

Besonders bewegt hat mich aber, dass ich einen Fahrgast sehr gut kenne: Artur Schmitt, ehemaliger Pastor der Citychurch Würzburg und jetzt Bundessekretär der FeG. Seinen Erlebnisbericht, der mich gestern per Mail erreicht hatte, möchte ich (mit Arturs freundlichem Einverständnis), unkommentiert veröffentlichen:

„Als ich gestern um 18.03 mit dem ICE von Hamburg wieder losfuhr, wusste ich nicht, dass ich drei Stunden später die längsten Sekunden meines bisherigen Lebens buchstäblich „erfahren“ würde. Um ca. 21.10 Uhr, etwa 20 km hinter Fulda, fuhr unser Zug mit über 200 km/h in den Landrückentunnel, der gut 10 km lang ist. Bald nach der Einfahrt in den Tunnel entgleisten die meisten Waggons. Wir donnerten noch einige hundert Meter auf dem Gleisbett weiter ins Tunnelinnere.

Die Ursache für das Unglück war uns zunächst völlig unklar. Mich hatte es auf den Boden geschleudert. Koffer und andere Dinge flogen durch die Luft. Wir wurden hin- und hergeschüttelt, schlingerten zum Teil an der Tunnelwand entlang. Man hörte kreischende metallische Geräusche, Schreie von den Fahrgästen.

In diesen Augenblicken fragte ich mich nach der Art der Katastrophe und ob wir hier jemals wieder lebend herauskämen. Wie von selbst kamen meine Stoßgebete.

Als nach endlosen Sekunden der Zug schließlich zum Stehen gekommen war, bot sich uns ein katastrophaler Anblick. Alles war durcheinander gewirbelt. Unser Waggon war stark zur Seite geneigt und drohte zu kippen. (Nach späteren Augenzeugenberichten lag ein anderer Waggon tatsächlich auf der Seite.)

Einige Männer schlugen die Scheiben ein. Von draußen zog eine dichte, ätzend riechende Staubwolke herein. Man konnte absolut nichts aus dem Fenster sehen.

Wir halfen einander auf die Beine, kletterten ein paar Minuten später auf Anweisung des Zugpersonals aus dem Waggon und gingen stolpernd und hustend knapp 1000 Meter zurück zum Tunnelausgang. Der Qualm und der Staub raubten uns fast den Atem.

Irgendwann begann ich im Schein der Lampen neben all den Trümmern und Eisenteilen auch blutige Leichenteile wahrzunehmen. Wir merkten bald, dass sie von Tieren stammten. Am Ende des Tunnels sahen wir dann die Kadaver einer Schafherde. Ich zählte gut zwanzig Stück. Ein jämmerlicher, schrecklicher Anblick. Der Zug war in die verirrte Herde gerast.

Bald kamen Dutzende von Rettungskräften, die Polizei und die Feuerwehr zum Großeinsatz. Glücklich stellten wir fest, dass es nicht viele Verletzte gab. Die meisten hatten nur einige Blessuren und Prellungen davongetragen. Hauptsache aber: Wir alle lebten! Dies war unfassbar und ein echtes Wunder.

Manche Leute standen unter Schock. Mit anderen konnte ich reden. Einer von ihnen stellte fest, dass er heute seinen zweiten Geburtstag erleben würde. Einige junge Leute lasen sich später aus der Zeitung ihre Horoskope vor. Fast alle aber redeten davon, dass wir miteinander unwahrscheinliches Glück gehabt hätten. Ich habe dann meist versucht, die Ursache dieses Glücks zu erwähnen…

Die folgenden Stunden gestalteten sich schwierig: Bis wir alle registriert waren, nach Fulda zurückgebracht und in einen neuen ICE verfrachtet worden waren (der Lokführer musste mit einem Taxi von Frankfurt herbeigeholt werden), verging eine lange Zeit. In Würzburg kamen wir schließlich um 3.30 Uhr mit einer Verspätung von exakt sechs Stunden an.

In diesen Stunden des Nachdenkens wurde ich immer wieder an die Schafherde erinnert. Wer war ihr Besitzer? Warum hatte er sich nicht um die Tiere gekümmert? Hatte er sie in Sicherheit gewähnt? Warum waren sie in die Irre gegangen?

Für mich wurde dieses Bild zu einer göttlichen Anfrage an mich persönlich:

Worin liegt meine Hauptaufgabe als Leiter? Wo setze ich Prioritäten? Kümmere ich mich als „Hirte“ zu sehr um mich? Um (notwendige) strukturelle Angelegenheiten? Ist mir das Wohl der ganzen Herde wirklich am wichtigsten?

Und was ist mit den „anderen Schafen“? „Jammert“ es mich, packt es noch unser Herz, wenn wir sie in die Irre laufen sehen? Haben wir als Gemeinden noch unseren eigentlichen Auftrag im Blick, sie zu Jesus zu führen, weil sie sonst unweigerlich rettungslos verloren sind? Wie setze ich selbst dieses Ziel konkret um?

Das sind Fragen, die mich bewegen. Gleichzeitig bin ich in dieser Nacht von einer großen Dankbarkeit ergriffen worden. Ich kenne einen guten „Hirten und Bischof unserer Seelen“, Jesus Christus. Er hat mich und viele andere am Leben erhalten. Zu ihm gehöre ich; bei ihm habe ich es gut. Und ihm will ich aus ganzem Herzen folgen.

Aber das Bild von der Schafherde, das hat sich mir unauslöschlich eingebrannt.“

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Bäume brauchen auch Wind!

Ein guter Gedanke aus Matzes Predigt vom Sonntag in der Citychurch München, den ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Matze hat über „mentale Stärke in Krisensituationen“ gesprochen und als Grundlage Lk 6,47 hergenommen. Dort geht es um ein Haus und die Frage, auf welchem Fundament es gebaut ist und was dies für Folgen für seinen Bestand in „stürmischen Zeiten“ hat.

Eine ähnliche Stelle findet sich in Jer 17,8 (und auch Ps 1, 3): Dort wird das Bild eines Baumes gebraucht, der am Wasser gepflanzt ist und auch bei Hitze grün bleibt, denn er ist „gut verwurzelt“. Mit dem Baum ist natürlich der Mensch gemeint, das Wasser ist das „lebendige Wasser“, also Jesus. Der Mensch ist also gut beraten, „in Jesus verwurzelt“ zu sein, d.h. in einer konstanten, lebendigen Beziehung zu Jesus Christus zu stehen.

Matze hat dem noch eine botanische Weisheit hinzugefügt: Bäume brauchen allerdings auch Wind, um richtig gut zu wachsen, also größer und gesünder zu werden. Tröstlich, nicht wahr? Da kann man den „Wind“, also all den Zoff in unserem Leben, mal ganz anders betrachten, als „botanische Notwendigkeit“.

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Citychurch München – GoDi im Garten statt im Kino

…und wenn man schon mal in München ist, besucht man natürlich auch gerne die jüngere Schwester, nämlich die Citychurch München.

Pastor Olli und Team sind hoch motiviert und hatten das große Glück, bei strahlendem Wetter in Gronsdorf bei München einen kleinen, aber feinen „internen“ GoDi feiern zu dürfen. Für alle Kinoasseln der älteren Schwester, der Citychurch Würzburg, ein paar Impressionen (und der „Trost“: Die „richtigen“ GoDis finden jeden dritten Sonntag um 17:30 Uhr in einem Theater in Schwabing statt!) und liebe Grüße nach München: Es war schön bei Euch, wir denken an und beten für Euch!

Olli und Matze im Garten

Die weibliche Fraktion in heiligem Geplauder begriffen

Herr Weber predigt – frei, denn er musste abends vorher mit den Wessens in den Augustinerkeller 😉

…und Alles lauscht gebannt…

Da steht`s drin, Leute!

Olli und Braut

Martina und Martin

Fußball-Pastor Olli Ribéry

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Mark Rothko – Retrospektive in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München, 08.02.- 27.04.08

Martina und ich haben die letzte Chance genutzt und uns am Samstag in München die Mark-Rothko-Ausstellung angesehen.

Ich bin schon lange ein Freund von Rothkos Bildern und war sehr gespannt auf die Ausstellung.

Fazit: Sehr nett, alle Schaffensperioden, großzügige Räume, Zeit zum Anschauen.

Nachfolgend ein paar Impressionen, bitte mit Vorsicht genießen, ich bin weder Kunstexperte noch Rothko-Biografie-Kenner und spreche nur das aus, was ICH mir gedacht habe. Das kann vollkommen falsch und unangemessen sein, aber die Gedanken des Bloggers sind frei!

– Rothko trank gerne zu viel.

– Er war Jude, Brillenträger und hat sich 1970 in seiner Galerie umgebracht. Kurz zuvor hat er der Tate Gallery in London einige (8?) Werke geschenkt, die in einem separaten Raum gemäß seinem Plan ausgestellt wurden.

– Die Frühwerke sind bereits ähnlich farbschichtig angelegt wie das reife Spätwerk. Hier gibt es Personengruppen, U-Bahnhöfe, Plätze, surreale Perspektiven.

– Rothko liebt Meditation, Verinnerlichung und sakralen Umgang mit Farbe und Räumen.
Das hat alles etwas Pseudoligiöses mit italienischem Touch, abstrakte Fresken. Arvo Pärt würde als musikalische Unterstützung passen, oder Paul Giger. Komisch, die mag ich auch beide.

– Rothko hat es gereizt, geschlossene Räume zu gestalten, die unverändert erhalten bleiben sollten (Da fällt mir BLUMFELD ein: Jeder geschlossene Raum ist ein Sarg – da sucht jemand das Unvergängliche in einer meditativen Ästhetik. Viele Bilder Rothkos wirken auf mich wie Fenster, durch die man ins Unvergängliche schauen will, wie durch einen Nebel, dessen hohe Reduzierung den Blick auf das Wesentliche durch Wegräumen jeglicher Ablenkung ermöglichen soll. Der Weg dahin sind aber tiefe Farben mit sakralem Wert, Sinneseindrücke wie durch lichtdurchflutete Fenster. Die späten Schwarzgraubilder wirken wie die ultimative Reduktion vor nächtlichem Fenster, oder ein Blick vom einsamen Strand auf die tiefe, unbekannte See.).

– Manche Bilder aus den 40ern sehen aus wie Prophezeiungen des Holocaust.

– Mich sprechen am meisten die „wolkigen“ Bilder mir Weiß- und Grauschichten an, die mit Schwarz, Grau- und tiefen Blautönen transparent angelegt sind.

– Das Spätwerk ist schwer und reduziert, aber immer noch erstaunlich vielschichtig.

Ein Zitat:

„It would be good if little places could be set all over the country, like a little chapel where the traveler, or wanderer could come for an hour to meditate on a single painting hung in a small room, and by itself.“

(„Es wäre gut, wenn überall im Lande Orte eingerichtet werden könnten, ähnlich wie kleine Kapellen, in denen ein Reisender oder Wanderer eine Zeitlang über ein einziges in einem kleinen Raum hängendes Bild meditieren könnte.“)

Mark Rothko, 1954

Und für Alle, die die Ausstellung in München verpasst haben: Sie wandert nun nach Hamburg. Bedenkt: Das wird in unserem Jahrhundert wahrscheinlich die letzte Ausstellung in Deutschland sein, in der es über 100 Werke des amerikanischen Künstlers zu sehen geben wird.

Einen guten Ausstellungskatalog gibt es für 25,- Euro.

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Von zittrigen Qualmwracks und Bergrüben… (Max Goldt im Saalbau Luisengarten, Würzburg, 24.04.08)

…las uns Onkel Max heute im Luisengarten vor.

Rauchverbot, Wohnungsmietpreise in London, Dönerpreise in Zürich, ARD-Mystery-Thriller mit walisischen Lesben und preußische Chansonsängerinnen – eben der ganze normale Tageskram wurde von unserem liebsten Kolumnisten und Genußsprachler seziert. Das Glück wurde von allen Seiten beleuchtet, und gesungen hat er auch. Darauf eine lecker Bergrübe mit frommem Gemurmel! Ich leg jetzt erst mal meine CD mit Mönchschören und extrem verhallten Wummern-Sounds auf.

Und für alle, die dabei waren: Wie heisst noch mal der Blog von Andrew Hammel? German Joys!

Lesen ist Arbeit

Im Luisengarten ist es warm

Pausengemurmel

Geschafft!

In so einem Aufzug kamen wir daher:

Schönere Fotos von Herrn Goldt gefällig? Die gibt es (wie immer) bei KitziBlog.

http://www.kitziblog.de/5738/max-und-das-schone-leben/

Der Herr biffo hatte aber auch den schöneren Platz, direkt vorne rechts vor dem Wortkünstler, fast schon direkt neben dem Wasserglas des Vorlesers, welches übrigens sehr, sehr häufig mit stillem Wasser gefüllt und stets umgehend mit großen Schlucken geleert wurde, und bewaffnet mit einer Bazooka von Digitalspiegelreflexkamera. Gruß auf diesem Wege an KitziBlog, wollte mich eigentlich mal kurz vorstellen,
wir waren aber im Rudel da, und dann hat es nicht geklappt.

Der Verfasser selbst hat übrigens von einer mittleren Reihe aus ohne Blitz mit seiner Lumix fotografiert. Das reicht dann nur für so kleine Ferkelfotos wie oben…

Die Main-Post war auch da.

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Bibliophil III

Nobody is perfect, auch der Apostel Paulus nicht:

Er behauptet, ein (entsprechend begabter) Mittelmeerinselbewohner habe eine bestimmte Aussage über seine Mitinsulaner getroffen, die sich auf deren Wahrheitsliebe bezieht, und bietet damit ein Musterbeispiel für ein logisches Problem.

Fragen:

– Wo genau in der Bibel findet sich besagte Stelle?
– Von welcher Insel ist die Rede?
– Und was ist das für ein logisches Problem, und wie nennt man das korrekt?

Ist das jetzt erbaulich? Wessnet, aber interessant ist es…

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