Mark Rothko – Retrospektive in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München, 08.02.- 27.04.08

Martina und ich haben die letzte Chance genutzt und uns am Samstag in München die Mark-Rothko-Ausstellung angesehen.

Ich bin schon lange ein Freund von Rothkos Bildern und war sehr gespannt auf die Ausstellung.

Fazit: Sehr nett, alle Schaffensperioden, großzügige Räume, Zeit zum Anschauen.

Nachfolgend ein paar Impressionen, bitte mit Vorsicht genießen, ich bin weder Kunstexperte noch Rothko-Biografie-Kenner und spreche nur das aus, was ICH mir gedacht habe. Das kann vollkommen falsch und unangemessen sein, aber die Gedanken des Bloggers sind frei!

– Rothko trank gerne zu viel.

– Er war Jude, Brillenträger und hat sich 1970 in seiner Galerie umgebracht. Kurz zuvor hat er der Tate Gallery in London einige (8?) Werke geschenkt, die in einem separaten Raum gemäß seinem Plan ausgestellt wurden.

– Die Frühwerke sind bereits ähnlich farbschichtig angelegt wie das reife Spätwerk. Hier gibt es Personengruppen, U-Bahnhöfe, Plätze, surreale Perspektiven.

– Rothko liebt Meditation, Verinnerlichung und sakralen Umgang mit Farbe und Räumen.
Das hat alles etwas Pseudoligiöses mit italienischem Touch, abstrakte Fresken. Arvo Pärt würde als musikalische Unterstützung passen, oder Paul Giger. Komisch, die mag ich auch beide.

– Rothko hat es gereizt, geschlossene Räume zu gestalten, die unverändert erhalten bleiben sollten (Da fällt mir BLUMFELD ein: Jeder geschlossene Raum ist ein Sarg – da sucht jemand das Unvergängliche in einer meditativen Ästhetik. Viele Bilder Rothkos wirken auf mich wie Fenster, durch die man ins Unvergängliche schauen will, wie durch einen Nebel, dessen hohe Reduzierung den Blick auf das Wesentliche durch Wegräumen jeglicher Ablenkung ermöglichen soll. Der Weg dahin sind aber tiefe Farben mit sakralem Wert, Sinneseindrücke wie durch lichtdurchflutete Fenster. Die späten Schwarzgraubilder wirken wie die ultimative Reduktion vor nächtlichem Fenster, oder ein Blick vom einsamen Strand auf die tiefe, unbekannte See.).

– Manche Bilder aus den 40ern sehen aus wie Prophezeiungen des Holocaust.

– Mich sprechen am meisten die „wolkigen“ Bilder mir Weiß- und Grauschichten an, die mit Schwarz, Grau- und tiefen Blautönen transparent angelegt sind.

– Das Spätwerk ist schwer und reduziert, aber immer noch erstaunlich vielschichtig.

Ein Zitat:

„It would be good if little places could be set all over the country, like a little chapel where the traveler, or wanderer could come for an hour to meditate on a single painting hung in a small room, and by itself.“

(„Es wäre gut, wenn überall im Lande Orte eingerichtet werden könnten, ähnlich wie kleine Kapellen, in denen ein Reisender oder Wanderer eine Zeitlang über ein einziges in einem kleinen Raum hängendes Bild meditieren könnte.“)

Mark Rothko, 1954

Und für Alle, die die Ausstellung in München verpasst haben: Sie wandert nun nach Hamburg. Bedenkt: Das wird in unserem Jahrhundert wahrscheinlich die letzte Ausstellung in Deutschland sein, in der es über 100 Werke des amerikanischen Künstlers zu sehen geben wird.

Einen guten Ausstellungskatalog gibt es für 25,- Euro.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Kontemplation, Kunst

2 Antworten zu “Mark Rothko – Retrospektive in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München, 08.02.- 27.04.08

  1. daniel

    und wer gar nicht so weit reisen möchte: eine dieser kapellen befindet sich im haupttreppenhaus der hiesigen neurologischen klinik. dort auf und ab laufend bewunderte ich während meiner nachtdienste gern die werke des herrn rothko.

    also hinan, auf den olymp der mainfränkischen heilkunst, und zwischen schlaganfall und cafeteria kunst genossen!

    (wer auf ebene 2 links der aufzüge das treppenhaus verlässt, kann sich an einem öffentlichen wasserspender erfrischen)

  2. Pingback: Mark Rothko in Hamburg « wessnet

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