Monatsarchiv: Juni 2008

Hurra, Deutschland ist Europameister!

Wer hätte das gedacht? Deutschland schlägt die doch vorher so fortune spanische Elf 3:0 im Endspiel in Wien und unterbricht damit die Serie ungeschlagener Matches der Spanier.

Die an Brasilien in den besten Tagen erinnernden Ballathleten aus dem Heimatland des Fußballs ließen von der ersten Sekunde nach dem Anpfiff keinen Zweifel daran, wer hier der Meister auf dem Platz ist. Spiel auf ein Tor nennt man das dann wohl.

Durch Vorbereitung von Podolski verwandelt Schweinsteiger mit einem Fallrückzieher gleich in der ersten Spielminute. Darauf setzt ein Bombardement auf das Tor der ziel- und hilflos wirkenden Spanier ein, und nur ein letztes Aufbäumen der derart in die Enge getriebenen Südeuropäer verhindert ein Desaster mit zweistelligem Ergebnis noch in der ersten Halbzeit. Die siegessichere Elf Jogi Löws balanciert den Ball auf den Schuhspitzen, spielt traumhafte Kombinationen und erteilt Lehrstunden in der Kunst des Doppelpasses.

Der vierte Offizielle muss den vollkommen derangierten spanischen Trainer wieder und wieder ermahnen, bis dieser kollabiert und nur von Medicus Müller-Wohlfahrt wieder ins Leben zurückgerufen werden kann.

Derweil verwandelt Ballack kurz vor der Halbzeit aus 50 Metern einen Freistoß, der spanische Keeper fliegt dem Leder vergeblich hinterher, das sich in die obere linke Torecke quasi hineinbohrt.

Angela Merkel ballt die Fäuste und triumphiert mit lautstarkem Siegergröhlen, das man bis nach Irland hören kann. Wenn Deutschland hier gewinnt, wo will man es noch aufhalten? Ha ha…

In der zweiten Halbzeit zerstört ein Kopfball von Klose nach Vorarbeit Lahm endgültig jegliche Titelträume der Iberer.

Das Stadion tobt, die Österreicher verfallen in Siegeschöre und proklamieren den Wunsch, das neueste Bundesland des Europameisters zu werden.

Da können Netzer und Delling nur festhalten, dass hier eine deutsche Elf verdient gewonnen hat, die ihre Gegner paralysierte und das Wort Fußball neu buchstabieren lehrte. Respekt der Elf und ihren Spielerfrauen und Frau Merkel, Herrn Netzer, Herrn Delling und den ganzen vierten Offiziellen. Es war ein Rausch, ein Sommermärchen, das Wunder von Wien, der Ball ist rund und ein Spiel dauert 2 x 45 Minuten, plus Verlängerung, Nachspielzeit, Elfmeterschießen und Waldis EM-Studio natürlich, Deutschland, Deutschland über alles, ole. ole, ole…

Wer sind sie? Warum tragen sie so weiße Jacken? Ja, ja, ich schreibe hier einen Post. Nein, ich will das Jäckchen nicht anziehen. Wie, ich soll jetzt brav sein? Mir geht es gut, lassen sie das! Was sind das für Spritzen, die sie da aufziehn? Also echt, das geht jetzt aber wirklich zu weit, ich werde nicht
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Es perlt im gelandeten Ufo – Clemens Bittlinger mit David Plüss und Helmut Kandert in Höchberg

Der Helmut hat uns eingeladen (nochmals besten Dank), und wir kamen: Clemens Bittlinger begab sich in die Niederungen der fränkischen Provinz, um ein paar gemachte Lieder und Wortbeiträge zum Besten zu geben.

Austragungsort war die kath. Pfarrkirche St. Norbert in Höchberg – Hexenbruch, die Clemens eingangs mit einem „gelandeten Ufo“ verglich – etwas zu Unrecht, ein Einheimischer korrigierte aufklärend, dass da mehr ein Zelt nachempfunden werden sollte.

Clemens Bittlinger, seines Zeichens „Liedermacher“ (wie es früher mal so schön hieß) und Pfarrer, rührte eine gute Mischung aus alten Gassenhauern, schlageresken Besinnungssongs und Kirchentagshits zusammen, und raus kam ein kurzweiliger Konzertabend mit einigen berührenden Momenten, wobei Bittlinger auf eine kongeniale Band bauen konnte: Tastenvirtuose David Plüss am Keyboard und eben Helmut Kandert am Drumset, der alte Checker, der einfach immer wieder mit interessanten Percussionskombinationen zu überraschen und begeistern versteht.

Ein paar Minuten Jamsession der beiden machten deutlich, welch musikalische Schwergewichte da für den Teppich sorgen, auf dem Clemens seine Gedanken zu Gott und der Welt getrost ablegen und zum Strahlen bringen kann.

Schön fand ich vor allem die lateinamerikanisch und afrikanisch angehauchten Sachen und die Lieder aus dem brandaktuellen Programm „Perlen des Glaubens“. Weniger den Song „Mensch Benedikt“ (der übrigens, wenn ich Clemens richtig verstanden habe, von Pinks „Dear Mr. President“ inspiriert wurde und eine Reaktion auf unglückliche Äußerungen Ratzingers zur Ökumene darstellen soll),

aber nicht wegen der „Kritik“, sondern weil das nicht die Fragen wären, die ICH Benedikt stellen würde, wenn er mal nen Walk mit mir taken würde, diesen Ausnahmeintellektuellen und Vordenker würde ich gerne mal etwas tiefergehender interviewen als ihn mit drei kritischen Pfadfinderfragen zur Wandergitarre rezitiert unangemessen zu nerven. Das heißt jetzt nicht, dass ich nicht auch kritische Fragen an die katholische Kirche und Benedikt hätte, aber kurz vorher trug Clemens doch die vertonte Ringparabel von Lessing vor, und wir sollen doch in der Liebe eifern…

Schön war dagegen besonders der Song „Du bist ewig“, einfach, aber eindringlich.

Zum Konzert trug der Barde aus dem Frankfurter Raum höchstselbst ein Armbändchen aus Glasperlen, dass mitnichten als Schmuckstück für homosexuell empfindende Männer dienen, sondern vielmehr nicht weniger als ein Sinnbild des Lebens darstellen soll, ein Katechismus für die Hände, so eine Art Rosenkranz für Evangelikale.

Ist doch eine gute Idee, darum nach dem Konzert zum Merchandise und eine Kombi aus CD und Kettchen erworben. Steht mir doch auch, oder?

Und was lese ich da im dazugehörigen Booklet? Die Zwischentexte stammen von einer Frau Kirstin Faupel-Drevs, Spiritualin am Ansverus-Haus, Aumühle. Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor…

Alles in allem ein sehr angenehmer, kurzweiliger und inspirierender Abend mit drei sympathischen Musikern, denen ich etwas mehr Publikum gegönnt hätte als vor Ort, das Event wurde wohl etwas zu dürftig beworben.

Und der Clemens hat manchmal so was Bono-artiges…

Und jetzt lese ich mir mal das Booklet zu meinem neuen schwulen Perlenkettchen durch. Yotin, ich besorge mir glaube ich auch nen Rosenkranz, das kommt irgendwie maskuliner rüber.

Noch ein paar Impressionen:

Helmut, gut druff:

Der David auch:

Und zum Schluss: Kauft euch mal ne CD von Helmut und Christine Kandert, das lohnt sich sehr!

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Pornobalken für den Weltfrieden

Jahrelang ein Unding, da Lieblingsbarttracht der ewigen 70er, Hausmeister mit Schiebermütze, Fahrschullehrer mit Minipli, Sportreporter und türkischer Gastarbeiter: Der Pornobalken, traditionell auch „Schnäuzer“ gerufen.

Nachdem sich zahllose prominente Schnauzbartträger, den Zeitläuften folgend, wie z.B. Waldemar Hartmann in letzter Sekunde vor dem modischen Time Out vom Oberlippenbart trennten, ähnlich den letzten Tennissockenträgern, die dann auch zu Schwarzsocken konvertierten, ist ein neuer Trend zu erkennen: Man trägt wieder Pornobalken, so z.B. Nick Cave, Nicolas Cage, Luca Toni, und sogar Tino startete einen, wenn auch schnell abgebrochenen, Selbstversuch.

Ausgerechnet das türkische Nationalteam tritt dagegen geschlossen ohne Rotzbremse auf (war das der Grund für das türkische Ausscheiden im Halbfinale, der Samsoneffekt?).

Bevor nun die ganzen Trendsetter und Lackaffen dieser Welt auf den neuesten Stylingtrend aufspringen, hier mein Aufruf an die emergente Bloggerszene: Wie wäre es, wenn wir mutig voranpreschen und diesen frisch erwachenden Trend für uns okkupieren? Natürlich für einen guten Zweck, den wir uns noch gemeinsam überlegen müssen? In rund 14 Tagen könnten wir dann unsere „Auswüchse“ gemeinsam publizieren.
Wer macht mit?

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Türkiye ./. Deutschland – Dür Büssürü mügü güwünnün!

Günaydin, türküschü ünd düütschü Füßbüllfüns!

Müt Spünnüng ürwürtüt ÜÜrüpü düs Hülbfünülspül zwüschün dün Hüldün vüm Büspürüs ünd dür düütschün Ülf.

Düs Hülbfünülü üst büü nühürüm Hünsühün üün ünnürdüütschür Wüttkümpf: Vüülü türküschü Büllüthlüten spüülün ün düütschün Vürüünen, ünd sü münchür türküschür Mütbürgür hüt süünü düütschü Lüüblüngsmünnschüft, süü düüs Büyürn Münchün üdür Schülkü 04.

Düü Düütschün hübün ümgükührt üün gütüs Vürhültnüs zü ührün türküschün Nüchbürn, büsündürs ührü Üssgüwühnhüütün hübün büü üns üngüschlügün. Dür Döner hüt düü Brütwürscht vürdrüngt.

Nün dünn, lüsst üns düüsüs Mütch (Ünglüzüsmüs) früüdlüch ünd füür mütüünündür ünschüüün ünd günüüssün.

Mügü dür Büssürü güwünnün! Ünd dünüch üün Döner ünd üün Raki üüf dün Süügür!

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Jogis Geheimwaffe für das Halbfinale

Wie ebenfalls gut unterrichtete Kreise raunen, hält Löw auch einen Ideengeber aus dem Mittelfeld in der Hinterhand, der mit treffsicheren Steilpässen dafür sorgen soll, dass den Türken der Döner heiß gemacht wird:

Auch die Abwehr steht wie die deutschen Poolliegestuhlhandtuchreservierer im türkischen All-Inclusive-Club:

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Und, hat noch jemand Kenntnisse über die Phantommannschaft der Jogi-Ritter?

Falls nicht, verzehre doch erst einmal ein Hanuta!

PS: Der obskure Stürmer oben soll allerdings gleichzeitig konspirative Sympathien für die türkische Mannschaft hegen! Kann Jogi es sich leisten, solche Vaterlandsverräter im Top-Secret-Aufgebot zu haben? Oder hat Löw im Glaskasten nicht nur geraucht, sondern auch einen lecker Döner verzehrt?

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Kontinuität und Umkehr

Lese gerade „Amerikanische Religion: Evangelikalismus, Pfingstlertum und Fundamentalismus“ von Michael Hochgeschwender:

Sehr interessante Lektüre, der Autor, Jahrgang 1961 und Professor für Nordamerikanische Kulturgeschichte, Empirische Kulturforschung und Kulturanthropologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, beschäftigt sich in seinem Buch mit den Ursprüngen und Ursachen der spezifisch amerikanischen Religiösität, insbesondere mit der evangelikalen Szene.

Es gibt auch ein Kapitel über die „neofundamentalistische Welle“. Zum suburbanen Evangelikalismus schreibt Hochgeschwender, Zitat:

„Sie (Anm.: Gemeint sind die suburbanen evangelikalen Gemeinden Nordamerikas) repräsentierten nicht mehr ein gewachsenes, festgefügtes Gemeinschaftsleben mit überkommenen Werten und Formen der Vergemeinschaftung, sondern sie zelebrierten soziale Kontinuität so, wie sie weiterhin religiöse Umkehr inszenierten. Daraus resultierte eine unreflektierte Spannung von inszeniertem Bruch und inszenierter Kontinuität, die für den Neofundamentalismus seit den sechziger Jahren charakteristisch wurde.“

Das ist scharf beobachtet und leider, so muss ich selbstkritisch einräumen, schleppen wir das heute noch mit uns rum. Bei näherer Betrachtung übrigens ein Baustein für eine nachhaltige Verfälschung des Evangeliums, eine unzulässige Verquickung von Lebensstilelementen sozialen Aufsteigertums und der explosiven, verändernden Kraft des Evangeliums.

Der Autor schreibt übrigens keinesfalls gehässig, sondern nüchtern beobachtend. Diese Nüchternheit sollte auch uns bei der Betrachtung und Bekämpfung eigener Unsitten begleiten…

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L G K R

LIEBE = GLAUBE

KONTROLLE = RELIGION

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