Pantoffelkino Deluxe (I): Das Streben nach Glück (USA, 2006)

Nicht nur die Musik, die Hans Castorp von Herzen liebte, da sie ganz ähnlich auf ihn wirkte wie sein Frühstücksporter, nämlich tief beruhigend, zum Dösen überredend (na ihr Literaturchecker, wo habe ich das denn aufgeschnappt?), kann unser Herz erwärmen, sondern auch der cineastisch anspruchsvolle Film, auch gerne Film-Film genannt, oder Film-Film-Film, wenn er denn besonders trefflich gelungen ist. So soll mein zweites Laster neben dem Musiksammeln, nämlich das DVD-Horten, doch endlich mal positive Früchte für das Gemeinwesen tragen, indem ich warmherzige Filmtipps für verregnete Wochenenden oder kaputte Abende gebe, an denen man es gerade noch schafft, eine silberne Scheibe auf den Traumschlitten des Pantoffelkinoplayers zu legen.

Nach einem gleichzeitig besuchsintensiven und verregneten Wochenende und einer fiesen Intervention des Media Markts, Topstreifen für EUR 6,50 unter die Videojunkies zu werfen, haben wir uns soeben den Streifen „Das Streben nach Glück“ (im Original „The Pursuit Of Happyness“, USA 2006) mit Will Smith einverleibt.

Beruhigend und zum Dösen einladend ist dieser Film aber mitnichten, ganz im Gegenteil ist mir vorhin der Maulwurfkuchen im Hals stecken geblieben.

Der Streifen handelt auf der Basis einer wahren Geschichte vom Leben des Chris Gardner, ein schwarzer Vertreter im San Francisco des Jahres 1981. Chris hat Frau und Sohn (5 Jahre alt, im Film von Will Smiths Sohn verkörpert) und einen Drecksjob: Er verkauft ein seltsames, teures medizinisches Gerät, genauer gesagt VERSUCHT er, das Ding zu verkaufen, denn kein Mensch kauft ihm das Teil ab. Dabei hat er, überzeugt vom potentiellen Verkaufserfolg, eine ganze Batterie dieser Teile eingekauft und in seinem bescheidenen Heim zum Abverkauf deponiert.

Tja, und kein Geschäft bedeutet recht bald: Kein Geld für Miete, Steuern, Auto und bescheidene Ansprüche der Familie. So hat seine Frau schnell die Schnauze voll davon, rund um die Uhr selbst zu arbeiten und trotzdem auf Messers Schneide zu leben. Sie verdrückt sich zum Suchen des eigenen Glücks nach New York und lässt Mann und Kind zurück.

In dieser Krisensituation erhält Chris eine Chance, nämlich ein 6-monatiges Praktikum als Börsenmakler zu absolvieren, denn er hat eine mathematische Begabung in die Wiege gelegt bekommen, die ihn u.a. befähigt, Rubik`s Cube in ein paar Minuten zusammenzufummeln (das konnte ich früher auch mal…). Problem nur: Das Praktikum ist ein Fulltimejob, aber UNBEZAHLT.

In einem Ritt durch die Pechhölle fliegt Chris, von Smith oskarnominiert in Szene gesetzt, erst aus der eigenen (Drecks-)Wohnung, dann aus dem billigen Hotel, um dann sein Leben mit Sohnemann im Schlepptau in Obdachlosenasylen, auf U-Bahnhof-Klos und der Straße zu fristen.

Der Film hat ein glückliches Ende, ist aber erst einmal fast 2 Stunden bedrückende (amerikanische) Realität, ein Musterstück über die dunklen Seiten des Kapitalismus und die Macht des Geldes.

Der Streifen ist aber gleichzeitig auch ein bewegendes Playdoyer dafür, trotz bedrückender Probleme nicht aufzugeben, sondern sein Leben nach vorne gerichtet zu leben: In einer Schlüsselszene prophezeit Chris Gardner seinem basketballbegeisterten Sohnemann, dessen einziger Luxusgegenstand neben einer Actionfigur ein Basketball ist, dass er es wohl wie sein Vater nur zu einem mittelmäßigen Hobbyspieler bringen wird. Als er sieht, dass beim Junior die Mundwinkel heruntergehen, erkennt er seinen Fehler und spricht: „Lass dir nie wieder von jemandem erzählen, dass du etwas nicht schaffen kannst!“

Damit spricht er einen Leitsatz aus, den er sich dann ganz offenkundig selbst zum Lebensmotto auserkoren hat.

So bleibt nach dem Film nicht nur Bedrückung und Mitleid für den Titelhelden zurück, sondern der Aufruf, selbst sein Leben zu leben, seine Begabungen zu erkennen und diese unbeirrt, trotz aller äußeren Missstände, mit Hoffnung zu verfolgen und dabei die zwischenmenschlichen Beziehungen und besonders seine Kinder nicht zu vergessen.

Das passt fantastisch zu Christophs Predigt von heute morgen, ist aber auch ein Abbild der Hoffnung, die uns die Bibel in den Sprüchen macht:

Spr 6, 4-10

Gönne deinen Augen keinen Schlaf und keinen Schlummer deinen Wimpern! Reiße dich los wie die Gazelle aus der Hand des Jägers und wie ein Vogel aus der Hand des Vogelstellers! Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh ihre Wege an und werde weise! Sie, die keinen Anführer, Aufseher und Gebieter hat, sie bereitet im Sommer ihr Brot, sammelt in der Ernte ihre Nahrung. Bis wann, du Fauler, willst du noch liegen? Wann willst du aufstehen von deinem Schlaf? Noch ein wenig Schlaf, noch ein wenig Schlummer, noch ein wenig Händefalten, um auszuruhen – und schon kommt wie ein Landstreicher deine Armut und dein Mangel wie ein unverschämter Mann.

Aber die Psalmen nicht vergessen:
Ps 104,23

Der Mensch geht aus an sein Werk, an seine Arbeit bis zum Abend.

Ps 127,1

Wenn der HERR das Haus nicht baut, arbeiten seine Erbauer vergebens daran. Wenn der HERR die Stadt nicht bewacht, wacht der Wächter vergebens.
Ps 128,2

Denn essen wirst du die Arbeit deiner Hände. Heil dir! Gut steht es um dich.

Der Film atmet Spiritualität, ohne sie gross hervorzuheben. Nicht umsonst ist aber eine andere Schlüsselszene eine Gospelmesse, in der der Chor singt: „Herr, räume nicht den Berg weg, sondern hilf mir, ihn zu besteigen!“

Euch allen eine gute Arbeitswoche…

5 Kommentare

Eingeordnet unter CityChurch, Film, God`s Army, Kontemplation, Leben lernen, Vaterland

5 Antworten zu “Pantoffelkino Deluxe (I): Das Streben nach Glück (USA, 2006)

  1. Martina liest wohl mal wieder periodisch ihren Lieblingsroman? 🙂

  2. wessnet

    Ne, ich lese gerade Martinas Lieblingsroman, diesmal mit großer Begeisterung 😉

  3. inge

    in ermangelung eines eigenen blogs hier ein ganz klitzekleiner kommentar:

    Spr 6, 4-10
    wie passt das zu franz jalics regel nr. 1: ausreichend schlaf?

  4. wessnet

    ..indem man Ps 127,2 dazu liest und den Sinn beider Verse extrahiert:

    „Vergebens ist es für euch, dass ihr früh aufsteht, euch spät niedersetzt, das Brot der Mühsal esst. So viel gibt er seinem Geliebten im Schlaf.“

    Jalics hat also, wie so oft, vollkommen recht! Und ich harre nach wie vor auf Dein Weblog!

  5. Da ihr den Roman ja bereits alle kennt, kann ich mir den Kommentar „Thomas Mann, Zauberberg“ ja wohl sparen … 🙂

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