Es perlt im gelandeten Ufo – Clemens Bittlinger mit David Plüss und Helmut Kandert in Höchberg

Der Helmut hat uns eingeladen (nochmals besten Dank), und wir kamen: Clemens Bittlinger begab sich in die Niederungen der fränkischen Provinz, um ein paar gemachte Lieder und Wortbeiträge zum Besten zu geben.

Austragungsort war die kath. Pfarrkirche St. Norbert in Höchberg – Hexenbruch, die Clemens eingangs mit einem „gelandeten Ufo“ verglich – etwas zu Unrecht, ein Einheimischer korrigierte aufklärend, dass da mehr ein Zelt nachempfunden werden sollte.

Clemens Bittlinger, seines Zeichens „Liedermacher“ (wie es früher mal so schön hieß) und Pfarrer, rührte eine gute Mischung aus alten Gassenhauern, schlageresken Besinnungssongs und Kirchentagshits zusammen, und raus kam ein kurzweiliger Konzertabend mit einigen berührenden Momenten, wobei Bittlinger auf eine kongeniale Band bauen konnte: Tastenvirtuose David Plüss am Keyboard und eben Helmut Kandert am Drumset, der alte Checker, der einfach immer wieder mit interessanten Percussionskombinationen zu überraschen und begeistern versteht.

Ein paar Minuten Jamsession der beiden machten deutlich, welch musikalische Schwergewichte da für den Teppich sorgen, auf dem Clemens seine Gedanken zu Gott und der Welt getrost ablegen und zum Strahlen bringen kann.

Schön fand ich vor allem die lateinamerikanisch und afrikanisch angehauchten Sachen und die Lieder aus dem brandaktuellen Programm „Perlen des Glaubens“. Weniger den Song „Mensch Benedikt“ (der übrigens, wenn ich Clemens richtig verstanden habe, von Pinks „Dear Mr. President“ inspiriert wurde und eine Reaktion auf unglückliche Äußerungen Ratzingers zur Ökumene darstellen soll),

aber nicht wegen der „Kritik“, sondern weil das nicht die Fragen wären, die ICH Benedikt stellen würde, wenn er mal nen Walk mit mir taken würde, diesen Ausnahmeintellektuellen und Vordenker würde ich gerne mal etwas tiefergehender interviewen als ihn mit drei kritischen Pfadfinderfragen zur Wandergitarre rezitiert unangemessen zu nerven. Das heißt jetzt nicht, dass ich nicht auch kritische Fragen an die katholische Kirche und Benedikt hätte, aber kurz vorher trug Clemens doch die vertonte Ringparabel von Lessing vor, und wir sollen doch in der Liebe eifern…

Schön war dagegen besonders der Song „Du bist ewig“, einfach, aber eindringlich.

Zum Konzert trug der Barde aus dem Frankfurter Raum höchstselbst ein Armbändchen aus Glasperlen, dass mitnichten als Schmuckstück für homosexuell empfindende Männer dienen, sondern vielmehr nicht weniger als ein Sinnbild des Lebens darstellen soll, ein Katechismus für die Hände, so eine Art Rosenkranz für Evangelikale.

Ist doch eine gute Idee, darum nach dem Konzert zum Merchandise und eine Kombi aus CD und Kettchen erworben. Steht mir doch auch, oder?

Und was lese ich da im dazugehörigen Booklet? Die Zwischentexte stammen von einer Frau Kirstin Faupel-Drevs, Spiritualin am Ansverus-Haus, Aumühle. Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor…

Alles in allem ein sehr angenehmer, kurzweiliger und inspirierender Abend mit drei sympathischen Musikern, denen ich etwas mehr Publikum gegönnt hätte als vor Ort, das Event wurde wohl etwas zu dürftig beworben.

Und der Clemens hat manchmal so was Bono-artiges…

Und jetzt lese ich mir mal das Booklet zu meinem neuen schwulen Perlenkettchen durch. Yotin, ich besorge mir glaube ich auch nen Rosenkranz, das kommt irgendwie maskuliner rüber.

Noch ein paar Impressionen:

Helmut, gut druff:

Der David auch:

Und zum Schluss: Kauft euch mal ne CD von Helmut und Christine Kandert, das lohnt sich sehr!

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Kontemplation, Musik, Styling, Tonträger, Unsere frängische Heimat

3 Antworten zu “Es perlt im gelandeten Ufo – Clemens Bittlinger mit David Plüss und Helmut Kandert in Höchberg

  1. spüre ich da etwa spott über die perlen des glaubens, die durch die lutherischen kirchen des nordens auf uns gekommen sind? witzig natürlich auch, dass die perlen des glaubens nach deiner optischen einschätzung weniger was für echte kerle des glaubens sind 🙂 aber ob so nen omi-rosenkranz männlicher ist? solln wa mal nen rosenkranz-vergleich machen? du wirst verstehen, dass – wo im haus doch relativ viel was mit diesen perlenband ist – ich das bisher noch nie im kellion erwähnt habe …

  2. wessnet

    Na, immerhin habe ich ja ein Kettchen erworben, musste aber danach den Spott erdulden, den meine Gattin und zwei Freundinnen beim „Biergarten danach“ über mich ergossen.

    Aber eigentlich müsste die Perlenkette als „Rosenkranz light“ doch genau dein Ding sein, oder?

    Optisch kann man das vielleicht noch aufrüschen, indem man das Perlenkettchen mit martialischen Armreifen für den Herrn kombiniert, so mit Totenköpfen oder Stacheln…

  3. beisasse

    gute idee. werd ich dem amt für öffentlichkeitsdienst der nordelbischen kirche weitersagen.

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