Monatsarchiv: November 2008

Wohin gehst du?

Wenn es einen Film gibt, der für mich DER Film schlechthin ist, dann ist es „Quo Vadis“.

Ja, ja, das ist natürlich die Mutter aller Sandalenfilme und das Werk, das neben Asterix die meisten unvergänglichen Bilder vom „alten Rom“ in Kinderseelen gebrannt hat. Auch mögen viele Menschen Probleme damit haben, sich Petrus anders vorzustellen als den Schauspieler in diesem Film.

Und dann natürlich der 30jährige Peter Ustinov in der genialen Rolle des durchgeknallten Cäsars und Pseudokünstlers Nero.

Aber der Film rührt in mir noch mehr an: Unzählige Male habe ich ihn mit meinem Vater daheim auf dem Sofa auf ARD und ZDF angesehen, begeistert die Atmosphäre Roms aufgesogen, war berührt von der Darstellung der Christen, von Petrus, aber auch von der moralischen Fraktion des alten Rom, verkörpert in Neros Berater, habe in der Arena mit Marcus mitgefiebert, noch heute kullern mir Tränen aus den Augen, wenn Petrus umkehrt. Wer weiß, was dieser Film schon alles in mir angelegt hat, bevor ich 15 Jahre später Christ geworden bin.

Bislang gab es dieses Meisterwerk, das zugegebenermaßen kein Fellini, Pasolini, kein Bergmann oder Godard, aber großes Popcornkino in seiner gewaltigsten Form ist, noch nicht auf DVD. Aber jetzt! Kinder, wenn ihr den Film noch nicht kennt: Kaufen, reinlegen, Werte entdecken, grandios unterhalten werden, nie wieder vergessen. Wer sich das Ding eh kaufen will, für das ich hier mit bestem Gewissen Frontalwerbung mache, kann auch meinen Amazon-Partnernet-Link verwenden:

quo-vadis3

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Film

Follow Mii

Christliche Scherzchen mit der Wii? Tja, da sind schon Andere früher drauf gekommen, musste ich gerade feststellen, nämlich die Mission Bay Community Church mit folgender Osterbotschaft, die manch einem Hasen aus arbeitsplatztechnischen Gründen nicht gefallen mag:

follow-mii

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Wii

Sehet, die Jungfrau, befreit von allen Gedanken

Mein Notebook ist wieder da.

Na ja, aber nach einem ZEN-Erlebnis: Es ist befreit von allen Gedanken, unbeschwert von den Informationen dieser Welt, Bildern (ca. 50 GB, davon 5 GB ungesichert 😦 ), Tönen, Erklärungsmustern wie iTunes, Last.fm, XnView, sogar Word und Powerpoint: Die 120 GB-Festplatte ist so jungfräulich wie Mutter Teresa in der Antarktis mit Keuschheitsgürtel.

Und wir lernen: Alles Irdische ist vergänglich. Man braucht kein Notebook zum Leben. So schlimm ist das alles nicht. Leere tut manchmal gut und macht Platz für Neues.

Und jetzt bitte aus Fehlern lernen, Herr wessnet!

4 Kommentare

Eingeordnet unter Kontemplation, Leben lernen, Privat, Problem, This is a test, Werkzeug

Wii Church

Die Wii – was wären wir ohne sie?

Seit wir die Spielekonsole von Nintendo unser eigen nennen, sind wir begeistert von den ganzen tollen interaktiven Möglichkeiten, die Wii Sports, Wii Fit und Mario Kart Wii dem Gamer bieten. Die beste Ehefrau von allen und ich hatten zuvor noch nie eine Spielekonsole (sind also gar keine Natural Born Gamer), aber der Gedanke daran, mit der Wii-Fernbedienung Tennis wie im richtigen Leben zu spielen oder mit dem Balance Board ein Fitnessstudio nach Hause zu holen, hat uns dann doch den Mund wässrig gemacht wie einem unterernährten Hühnerhabicht auf dem Wiesenhof-Betriebsgelände.

Zwischenzeitlich ist Mario Kart Wii unser Lieblingsspiel geworden: Mit den putzigen Nintendo-Figuren oder sogar mit dem eigenen Mii kann man die durchgeknalltesten Strecken abfahren, die aussehen, als hätte Pixar Syd Barrett selig und die Flaming Lips als Gamedesigner eingestellt. Soeben entdeckter Supergag: Mit der Wii online gehen und mit Fahrern aus ganz Europa oder sogar der Welt im Kart wetteifern. Sucht, Sucht, Sucht!

Und Nintendo denkt weiter und schmeißt immer wieder interaktive Formate wie Guitar Hero und Wii Music auf den Markt. Instrumentenbeherrschung ohne Reue mit der Remote.

Die große Revolution steht aber noch aus: Das epochale „Wii Church“. Kirche interaktiv auf der weißen Lieblingskonsole.

Wie sagte schon Paulus in 1. Kor. 9, 24: “ Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis?“

Glaube und Spiele, zwei Dinge, die immer schon eng beisammen waren, woran sich mancher Löwe des Circus Maximus, so er heute noch unter uns weilen würde, mit wohligen Gedanken zurückerinnern würde!

Was erwartet uns bei „Wii Church“?

Schicke deinen Mii in einen virtuellen Gottesdienst, an dem User aus der ganzen Welt teilnehmen können. Wähle ein Spielelevel deiner Wahl, von Heiliger Messe bis zu voll krassem charismatischen Heilungsgottesdienst kannst du frei wählen! Setze deinen Mii in den Dom/die Kapelle/ein schmuckloses evangelisches Bethaus/den 80er-Superzweckbau im Industriegebiet/ein Kino/die Fabrikhalle/eine Räumlichkeit in einer Eisenbahnunterführung, und lass ihn den GoDi hautnah miterleben. Verschiedene Items, die man aufnehmen kann, sorgen hier für kurzweilige Abwechslung: Beschieße den Prediger mit Wurfgeschossen in Gemüseform, lass die Predigt in 5 Minuten im Schnelldurchlauf an dir vorbeizischen, schlafe mit anderen Usern um die Wette oder laufe im Sprint mit anderen virtuellen Gottesdienstbesuchern nach vorne, um als Erster das Abendmahl zu erwischen (mit neuen versteckten Items) oder dich als Erster zu bekehren.

Hast du Letzteres hinter dich gebracht, gelangst du auf einem neuen Level zu neuen Möglichkeiten: Die Mitarbeit in der Gemeinde! Stelle stundenlang Stühle auf, teile Blättchen aus, oder spiele ein Instrument im GoDi (aber Vorsicht, die Mitspieler auf dem Besucherlevel und ihre Items! Weiche dem Gemüse geschickt aus oder benutze die Querflöte als Baseballschläger, um die Items zurückzukatapultieren!).

Werde Prediger und probiere aus, was sich das Publikum alles gefallen lässt. Lass dir für gelungene Predigten Props vom Plebs geben (hier lernt Nintendo von Blip.fm).

Oder streite dich mit anderen Mitspielern um begehrte Pöstchen, wie Lobpreisleiter, Ältester oder Betreuer der weiblichen Teens zwischen 16- 25. Auch hier leisten die Items wichtige Hilfe!

Praktisch ist, dass du im Onlinemodus auf immer neue Gemeindemitglieder stösst, man erspart sich so lästige Dauerbeziehungen und zu viel soziale Integration.

Völlig ungefährlich kann ich auch mal Dinge mit meinem Mii ausprobieren, die man sich sonst niiie trauen würde: Eintritt in eine Kommunität, Missionseinsatz in Afghanistan, 40 Tage Schweigewochen in der Wüste Negev, Beziehungen zu Jugendlichen in MeckPomm begründen, meine ganze Kohle weggeben, vom Eiffelturm springen und auf nen Engel als Fallschirm hoffen etc. pp.

Auf dem höchsten Level wirst du dann zum geistlichen Superchecker, der die letzten Level für Eingeweihte mitspielen darf. Uuuh, geheim, geheim!

Und das Geilste an allem: Du musst ja gar nicht SELBST in einen GoDi/ eine Gemeinde: Dein Mii erledigt das sauber stellvertretend für dich. Wenn du des Spieles überdrüssig bist: Macht nichts, dein Mii ist weiter dabei, und alle sehen es auch noch. Du kannst dich dann gepflegt zurückziehen.

Das einzige Problem: Gott kann leider nicht mitgeliefert werden…

65 Kommentare

Eingeordnet unter Wii

DDR – Hoy!

(man bediene sich zum Absingen des Titels der bezaubernden Melodie des Schlagers „TNT“ der australischen Volksmusikgruppe „AC/DC“)

Hoy? Hoyerswerda natürlich. Da lebte mal Brigitte Reimann. Die war Schriftstellerin in einem Land vor unserer Zeit, im real existierenden Sozialismus, der Tätärä, äh, DDR.

Brigitte rauchte gerne, war viermal verheiratet, ihr Bruder Lutz beging Republikflucht. Sie mischte sich unter die „Werktätigen“ und wollte ein Auto. Am besten ein Westauto. Mit den Männern hatte sie nicht so Glück, die waren Konkurrenten, betrogen sie, waren „hässliche Vögel“ oder dicke Ärzte, so ihre eigenen Worte.

Woher nehme ich diese Erkenntnisse? Martina Gedeck, eine DER großen Schauspielerinnen unserer Tage, hat aus den Briefen Brigitte Reimanns an ihre Eltern vorgelesen, aus dem Zeitraum ca. 1960 – 1972. Am 19.11.08 im Luisengarten in Würzburg.

Frau Gedeck hat Reimann schon in dem Film „Hunger nach Leben“ verkörpert. Den habe ich noch nicht gesehen, werde das aber schleunigst nachholen.

Bemerkenswert: Frau Gedeck hat außer der Lesung an sich kein Wort an das Publikum gerichtet. Knipserei war ausdrücklich verboten. Die Lesung dauerte ca. 1 1/2 Stunden, keine Sektsaufpause. Gut so, das tat der Dramatik gut. Brigitte Reimann ist nämlich leider jung an Krebs verstorben, mit 39. Und hat ihren Eltern berichtet, wie sich die Krankheit entwickelt. Und von ihrem Hunger nach Leben. Sie war ein wacher, kritischer Geist, eine bemerkenswerte Frau.

Und Martina Gedeck hat sich im Dienst an der Sache zurückgenommen, ganz der Person Reimann die Bühne überlassen, sie in ihren Worten aufleben lassen. Das ist gute Literatur UND gutes Theater, das zum Vortrag bringt, ohne zu trennen, das Publikum mitnimmt, einbezieht und mit dem Leben konfrontiert. Knipsen ist Distanz. Bühne und Schauspieler können Distanz herstellen – oder sie zerfließen lassen. Martina Gedeck hat die Distanz außen vorgelassen. Und das war hart!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Drucksachen, Kunst, Wörzburch

Was empfindet Meister Eckhart in der Stille?

“ Und auch dies müßt ihr wissen, daß sie [die Seele] innen ledig und frei ist von allem Vermittelnden und von allen Bildern.“

„Gott wirkt in der Seele ohne alle Vermittlung, ohne Bilder oder Gleichnisse, ja, in dem Grunde, wo nie ein Bild hineingelangte, außer er selbst mit seinem eigenen Sein.“

„Seht, Gott der Vater hat ein vollkommenes Hineinschauen in sich selbst und ein abgründiges Hindurcherkennen seiner selbst, [und zwar] durch sich selbst, nicht durch irgendein Bild.“

„Seht, in derselben Weise und in keiner anderen gebiert der Vater seinen Sohn im Grunde der Seele und in ihrem Sein und einigt sich so mit ihr.“

(aus: Meister Eckhart/Deutsche Predigten, Predigt 101, Manesse Verlag, 1999)

Worum geht es Meister Eckhart, dem deutschen Theologen (und Mystiker?), hier? Um Geburt. Um die ewige Geburt.

Ein interessanter Ansatz, der manche Bibelstelle in einem anderen Licht erscheinen lässt, als man es sich vielleicht vorgestellt (oder gar nicht genau darüber nachgedacht) hat.

Doch wir sehen betroffen: Der Vorhang zu und alle Fragen offen.

– Was bedeutet „Christus in mir“, wie Major Thomas es immer gelehrt hat, ganz praktisch?

– WARUM gehe ich in die Stille?

– Wie stellt sich vor dieser Erfahrung die Trinität dar?

– Geht es um Kommunikation mit Gott – oder um Vereinigung „in dem Grunde“?

– Was bewirkt es, sich dem auszusetzen?

25 Kommentare

Eingeordnet unter Kontemplation

Was empfinde ich in der Stille?

Dieser Post schließt sich an die vorangegangene Diskussion über eine Passage des neuen Buches von Werner Küstenmacher an.

Was empfinde ICH in der Stille? Spontan, ungeordnet und so ehrlich wie möglich:

– Ich höre meinen Tinnitus.
– Ich werde von Gedanken überhäuft.
– Ich denke darüber nach, wie lange ich es mir angesichts meines Tagesplans noch leisten kann, still zu sein.
– Ich werde müde.
– Mir fallen Leute an, die ich dringend mal wieder anrufen muss.
– Ich höre unsere Uhren ticken.
– Ich werde ruhig, mein Puls senkt sich.
– Ich spüre Entspannung.
– Ich bemerke meinen Herzschlag und die Atmung.
– Mir drängen sich Bilder auf.
– Oft werden bestimmte Gedanken vorherrschend, geradezu eindringlich. Diese Gedanken erlebe ich, je selbstverständlicher sie „im Raum schweben“, als persönliche Ansprache bzw. Zuspruch.
– Mir fallen bestimmte Bibelverse ein.
– Mein Geist geht auf Wanderung.
– Ich empfinde das dringende Bedürfnis, etwas ganz Bestimmtes später zu tun.
– Mir fällt eine „Lösung“ ein bzw. zu.
– Ich empfinde ein Gefühl der Wärme und Harmonie, dass bei längerer „Pflege“ immer beherrschender wird.
– Ich muss an ganz bestimmte Personen denken.
– Ich bete „denkend“.

Das ist sogar die ungefähre Standardreihenfolge der Empfindungen. Und, spricht Gott in der Stille? Ja, ich fühle das so. Manchmal sogar sehr direkt und sehr eindringlich. Je länger die Stille währt, desto klarer vernehmbar, desto ermutigender und beruhigender.

Nun bin ich kein Kontemplativer, Stille ist für mich Luxusgut, dem ich sogar viel zu oft andere Luxusgüter wie Lesen, Gespräche, Kultur und Spiel (obwohl: Es gibt ja auch Yoga auf der Wii 😉 ) vorziehe.

Ihr wahren Kontemplativen: Wie steht es bei Euch? Begegnet Ihr Gott in der Stille? Oder was geschieht mit euch? Seid ihr stillesüchtig oder aktionsverprellt? Oder schimpft ihr mit mir und sagt: Du bist auf dem Holzweg, man geht nicht in die Stille, um…. – man ist einfach still?

2 Kommentare

Eingeordnet unter Kontemplation, Privat, Vaterland