AusLese

Der Mensch lebt nicht vom Notebook allein, sondern von einem jedem Wort, das sich in einem guten Buch findet.

Diese zeitgemäße Erweiterung von Mt. 4,4 ist nicht erst jetzt meinem computerverseuchten Hirn entsprungen, sondern neben meiner noch relativ jungen Liebe zu allem WWW-Zeugs habe ich immer schon gerne und viel gelesen.

Was ist das aktuell?

Ich habe die zweifelhafte Angewohnheit, immer mehrere Bücher gleichzeitig zu lesen. Nachdem ich gerade den neuen Kracht (die Sowjetunion in die Schweiz verlagert) gerne gelesen habe, beschäftigen mich nun drei Bücher:

1. JesusLuxus: Die Kunst wahrhaft verschwenderischen Lebens (von Werner Tiki Küstenmacher )

Herr „Tiki“ ist ja allseits bekannt für seine Spiegeleieraugenmännchencomics, mit denen die Christenheit humorvoll gespiegel(eieraugen)t wird, und seine Lebensvereinfachungsvorschläge mit Abo auf der SPIEGEL(ohne Eieraugen)-Bestsellerliste.

In seinem neuen Werk geht der evangelische Theologe zurück zu den Basics: Jesus und Luxus? Da schüttelt sich der Purist, und der traditionelle Christ wundert sich über den Titel. Ja, warum denn? Küstenmacher zeigt auf, was Jesus über das Leben gelehrt hat, und geiziger Umgang mit unseren Ressourcen war das nicht. Lesen und sich überraschen lassen!

2. Zen in der Kunst des Bogenschießens/ Der Zen Weg (von Eugen Herrigel)

Warum das? Nun, wie unten schon mal gesagt hatte ich das vor 20 Jahren schon mal praktisch mit Gewinn gelesen. Ich werde wohl kein Zen-Meister und will das auch nicht, mir begegnet Zen aber gerade auf mehreren Ebenen als Anregung, und mich interessiert das Spannungsfeld zwischen kontemplativer christlicher Praxis und den (ähnlichen?) Erfahrungen Zen-Praktizierender. Ist Zen, ähnlich wie es Jochen Distelmeyer einmal über die Liebe gesungen hat, nur eine Technik, ein System, oder ein der christlichen Lehre entgegenstehender geistlicher Ansatz? Ist es „legitim“, Zen mit christlicher Theologie in Berührung zu bringen, wie dies, so glaube ich, Willigis Jäger tut? Was passiert, wenn ich Stille und Einsamkeit in mein Leben integriere? (Ach ja, Herr Küstenmacher schreibt dazu im Buch Nr. 1 sinngemäß: Wer Stille und Einsamkeit sucht, wird nur Stille und Einsamkeit finden. Kontemplative aller Länder, was sagt ihr dazu?)

3. Dein persönlicher Ermutiger (von Selwyn Hughes)

Bei Hofmanns im Bücherschrank entdeckt: Ein kleines Bändchen mit einer griffigen Zusammenstellung von Bibelstellen für diverse Krisensituationen im Leben. Kurz, knackig, ultimativ. Wenn einem irgendein Unbill zustößt und man rumgrübelt, anstelle sich daran zu erinnern, welche Wahrheiten sich in der Bibel finden lassen. Habe gerade eine Predigt von Storch bei den JF Remscheid als Podcast gehört, in der Storch daran erinnert, dass Christen „Apostel“, also Gesandte, aus einer anderen Welt sind, nämlich dem Reich Gottes, die hier und jetzt leben, aber an sich als Fremde in einem fremden Land, deren Aufgabe es ist, Vertreter der Weltanschauung ihres Heimatlandes zu sein, allerdings, so füge ich hinzu, dabei den Griechen ein Grieche werden sollen: Ich werde „Grieche“, lebe und lehre aber die „römische Weltanschauung“. Ein Buch, das dabei hilft.

6 Kommentare

Eingeordnet unter Bibliophil, Drucksachen, God`s Army, Kontemplation, Leben lernen, Privat, Vaterland

6 Antworten zu “AusLese

  1. Susi

    Was für eine interessante Mischung! Und ich musste lächeln: „Zen und die Kunst des Bogenschießens“ habe ich vor 30 Jahren mehrfach verkauft. In einem früheren (Berufs)leben war ich nämlich Buchhändlerin. Und bin dadurch als braves christlich aufgezogenes Mädchen erstmals mit ganz anderen Welten in Berührung gekommen. Für mich war das der Beginn einer Suche nach Horizonterweiterung, die bis heute anhält.

  2. „Ist Zen… nur eine Technik, ein System…?“

    Das ist weitgehend richtig. Zen ist sehr theoriefrei, rein methodisch ausgerichtet.

    „… oder ein der christlichen Lehre entgegenstehender geistlicher Ansatz?“

    Nein. Deshalb „ist es ‚legitim‘, Zen mit christlicher Theologie in Berührung zu bringen, wie dies, so glaube ich, Willigis Jäger tut“.

    Wobei – legitim… Es ist jedenfalls möglich. Zen ist wie christliche Kontemplation und hundert andere spirituelle Traditionen ein Weg zum Erkennen des Einen Urgrundes.

    Jetzt aber: Was meint Herr Küstenmacher denn damit: „Wer Stille und Einsamkeit sucht, wird nur Stille und Einsamkeit finden“?

    So einfach, wie es sich für mich liest, kann es ja wohl nicht gemeint sein. So einfach stimmt es nämlich nicht.

  3. Susi

    „Wer Stille und Einsamkeit sucht …“ – das klingt nur im ersten Moment logisch. Doch wer Stille und Einsamkeit sucht, sucht sie ja nicht um ihrer selbst willen (wenn das so wäre, könnte der Satz vielleicht stimmen, obwohl ich mir nicht einmal da sicher bin), sondern verfolgt damit in der Regel ein anderes Ziel: z.B. sich selbst zu finden, innerlich zur Ruhe zu kommen, Gott zu begegnen, Orientierung zu finden, neue Entdeckungen zu machen etc.
    Meine persönliche Erfahrung ist, dass Stille und Einsamkeit Voraussetzungen dafür sind, dass sich diese Ziele auch erfüllen können. Klar kann Gott auch mitten in unserem Alltag zu uns sprechen – sehr oft tut er es aber vor allem in unserer Abgeschiedenheit und Konzentration auf’s Wesentliche.

  4. wessnet

    Liebe Susi, lieber Markus,

    man sollte nicht „sinngemäß“ zitieren, schon gar nicht mit löchrigem Gedächtnis. Wenn ich das beachtet hätte, hätte ich Herrn Küstenmacher nicht falsch zitiert. Tatsächlich sagt er nämlich auf Seite 81:

    „Viele Menschen meinen, in der Versenkung, der Meditation würden sie Gott begegnen. Nein, das geschieht nicht. Alles, was man in der Einsamkeit und Stille erlebt, ist Einsamkeit und Stille.“

    Und er fügt hinzu:

    „Und das ist wunderbar.“

    Das Ganze steht unter der Überschrift: „JesusLuxus-Anregung: Absolut nichts tun in einer leeren Kirche“.

    Die Anregung will den Leser einladen, Einsamkeit und Stille zu Sakramenten werden zu lassen. Durch sie „scheint“ Gott, alles kommt zur Ruhe, ich muss nichts mehr „tun“, nicht einmal gedanklich beten, mich sorgen oder was immer, es fließen nur noch Atem und Herzschlag, sie allein beten und handeln.

    Das sind attraktive Gedanken: Als Mitglied einer „Eventkirche“ sehne ich mich oft nach absoluter Ruhe, Stille, Abwesenheit von Gedanken oder Reizen. Einfach mal nur sein, nicht tun. Von nichts bedüdelt werden, den Weg frei machen.

    Was Herr K. damit ganz genau meint, ist mir jedoch nicht klar: Sicher geht es an der Stelle in erster Linie darum, in einen Zustand der Passivität zu kommen, das Gedankliche und Leistungsorientierte auszuschalten. Man könnte ihn so verstehen, dass Gott in der Einsamkeit und Stille nicht von mir verlangt, etwas zu denken oder zu tun, sondern mich in der Ruhe mit ihm zu verbinden. Und das ist gut, da es den Leistungsdruck von mir nimmt. mal wieder was Supergeistliches zu veranstalten.

    Die andere Interpretation wäre, dass Herr K. glaubt, man würde Gott in der Stille gar nicht begegnen bzw. etwas von ihm hören können (oder dies nur fälschlicherweise annehmen). Dazu würde passen, dass er an anderer Stelle im Buch ausführt: „Noch später begriff ich, dass vieles von diesem Jesus, den ich um Rat fragte und mit dem ich stille Zwiesprache hielt, gar nicht wirklich Jesus ist. Sondern das, was ich mir über ihn zusammenfantasiere. Psychologen nennen das Projektion.“

    Er ergänzt dann, dass es aber sehr wohl ein „Abbild Jesu in meiner Seele“ gibt. Und dass dieser „Jesus der Seele“ der Schlüssel zu einem intuitiven Verständnis des Glaubens ist (ich hoffe, ich verstehe Herrn K. richtig, das alles ist etwas knapp ausgeführt und regt zu evtl. Missverständnissen an).

    Das klingt nett, ist aber, ehrlich gesagt, harter Tobak für mich. Ich glaube daran, dass Jesus Christus „antwortet“, auch und gerade in der Stille. Als Person, als Gegenüber, als aktiver, persönlicher Gott, nicht „nur“ als eine Art Gewissen oder Spiritualitätssoftware.

    Diese Gedanken hatte ich wohl schon in meinem Kopf verbunden, als ich Herrn K. erstmals falsch zitierte. Meine Meinung ist: Wenn ich Gott in der Stille nicht SUCHE, werde ich ihn vielleicht dort auch nicht finden. Denn wie heißt es so schön? Wer suchet, wird finden. Oder umgekehrt: Wer nicht sucht, wird auch nicht finden.

    Die Anregung, ohne „Programm“ und Erwartungshaltung in die Stille zu gehen, finde ich dagegen uneingeschränkt gut.

    Was ich in der Stille empfinde? Das fasse ich gleich mal in einem neuen Post zusammen, als Diskussionsgrundlage.

  5. Du schreibst: „Wenn ich Gott in der Stille nicht SUCHE, werde ich ihn vielleicht dort auch nicht finden.“

    Ich halte dagegen: Doch, genau dann und nur dann. Alles, was du findest, wenn du SUCHST, bist du selber, bewusst, halbbewusst, unbewusst.

  6. wessnet

    Markus, du bringst mich – ganz ehrlich! – zum Nachdenken. Mir geistern gerade einige Fragen im Kopf herum, die ich mir noch nie gestellt habe. Und so sollte es ja sein, wenn man nachdenkt – nicht immer nur Bestätigung suchen, sondern bereit sein, sich und seine Ansichten hinterfragen zu lassen.

    Gestern Abend habe ich, auf der Suche nach Antworten, zu Meister Eckhart gegriffen, siehe den neuen Post.

    Mir schwant langsam was. Sehr interessant. Nein, hochinteressant!

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