Was empfinde ich in der Stille?

Dieser Post schließt sich an die vorangegangene Diskussion über eine Passage des neuen Buches von Werner Küstenmacher an.

Was empfinde ICH in der Stille? Spontan, ungeordnet und so ehrlich wie möglich:

– Ich höre meinen Tinnitus.
– Ich werde von Gedanken überhäuft.
– Ich denke darüber nach, wie lange ich es mir angesichts meines Tagesplans noch leisten kann, still zu sein.
– Ich werde müde.
– Mir fallen Leute an, die ich dringend mal wieder anrufen muss.
– Ich höre unsere Uhren ticken.
– Ich werde ruhig, mein Puls senkt sich.
– Ich spüre Entspannung.
– Ich bemerke meinen Herzschlag und die Atmung.
– Mir drängen sich Bilder auf.
– Oft werden bestimmte Gedanken vorherrschend, geradezu eindringlich. Diese Gedanken erlebe ich, je selbstverständlicher sie „im Raum schweben“, als persönliche Ansprache bzw. Zuspruch.
– Mir fallen bestimmte Bibelverse ein.
– Mein Geist geht auf Wanderung.
– Ich empfinde das dringende Bedürfnis, etwas ganz Bestimmtes später zu tun.
– Mir fällt eine „Lösung“ ein bzw. zu.
– Ich empfinde ein Gefühl der Wärme und Harmonie, dass bei längerer „Pflege“ immer beherrschender wird.
– Ich muss an ganz bestimmte Personen denken.
– Ich bete „denkend“.

Das ist sogar die ungefähre Standardreihenfolge der Empfindungen. Und, spricht Gott in der Stille? Ja, ich fühle das so. Manchmal sogar sehr direkt und sehr eindringlich. Je länger die Stille währt, desto klarer vernehmbar, desto ermutigender und beruhigender.

Nun bin ich kein Kontemplativer, Stille ist für mich Luxusgut, dem ich sogar viel zu oft andere Luxusgüter wie Lesen, Gespräche, Kultur und Spiel (obwohl: Es gibt ja auch Yoga auf der Wii 😉 ) vorziehe.

Ihr wahren Kontemplativen: Wie steht es bei Euch? Begegnet Ihr Gott in der Stille? Oder was geschieht mit euch? Seid ihr stillesüchtig oder aktionsverprellt? Oder schimpft ihr mit mir und sagt: Du bist auf dem Holzweg, man geht nicht in die Stille, um…. – man ist einfach still?

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Kontemplation, Privat, Vaterland

2 Antworten zu “Was empfinde ich in der Stille?

  1. Susi

    Nur ein paar unsortierte Stichpunkte: Leider bin ich auch keine typische „Kontemplative“. Und keine ausgeprägte Beterin. In die Stille zu gehen fällt mir schwer – ganz besonders bei mir zu Hause. Viel leicher ist es erstaunlicherweise für mich, wenn ich aus meinen üblichen Zusammenhängen herausgenommen bin: z.B. auf einem Spaziergang, in einer fremden Kirche, während einer Autofahrt …
    Es kann einfach daran liegen, dass mein Geist in den Momenten empfänglicher ist, weil er sich dann nicht damit beschäftigt, was so als nächstes anliegt … Jedenfalls hat sich Gott in solchen Momenten mir viel öfter zu erkennen gegeben und durch Bilder oder Eindrücke zu mir „gesprochen“.
    Sich befreien von bestimmten Erwartungen ist sicher auch wichtig. Sobald wir Gott auf irgendwas festlegen wollen, scheint er sich uns zu entziehen.
    Mit am intensivsten begegnet mir Gott, wenn ich völlig alle bin, innerlich leer, wenn ich meine Gebete gar nicht mehr in Worte fassen kann . Oder auch dann, wenn ich es gar nicht erwartet habe.
    Erstaunlich viele Erlebnisse dieser Art habe ich auf meiner Wanderung (deutscher Jakobsweg) gemacht. Auf mich allein gestellt, im Kampf mit allerlei Hindernissen, oft an der Grenze meiner körperlichen Kraft, hat sich Gott mir in den Weg gestellt. Und fast immer hatten diese Erlebnisse etwas mit der Passionsgeschichte zu tun, die mich dort sehr tief berührt hat).
    Lange Rede, kurzer Sinn: Es kann einfach sein, dass jeder Mensch sehr unterschiedliche Zugänge zu Gott hat (bzw. entsprechend umgekehrt, Gott hat individuelle Zugänge zu den einzelnen Menschen). Finde ich eigentlich schön, und es lohnt sich, sich auf die Suche nach der Art von Stille zu begeben, die mir am meisten entspricht.

  2. inge

    da du die „wahren kontemplativen“ fraegst, gebe ich verschaemt nur ein kleines kommentaerchen ab, da ich ja eine moechtegern-kontemplative bin.
    regelmaessig in einem raum meiner wohnung still zu sein (20 min) faellt mir in erster linie schwer.
    mein gefuehl, ist dass ich viel eher in der natur, z.b. bei einem langen spaziergang im wald, zu mir komme, und dass gott (?) dort einen eindruck bei mir hinterlaesst.

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