DDR – Hoy!

(man bediene sich zum Absingen des Titels der bezaubernden Melodie des Schlagers „TNT“ der australischen Volksmusikgruppe „AC/DC“)

Hoy? Hoyerswerda natürlich. Da lebte mal Brigitte Reimann. Die war Schriftstellerin in einem Land vor unserer Zeit, im real existierenden Sozialismus, der Tätärä, äh, DDR.

Brigitte rauchte gerne, war viermal verheiratet, ihr Bruder Lutz beging Republikflucht. Sie mischte sich unter die „Werktätigen“ und wollte ein Auto. Am besten ein Westauto. Mit den Männern hatte sie nicht so Glück, die waren Konkurrenten, betrogen sie, waren „hässliche Vögel“ oder dicke Ärzte, so ihre eigenen Worte.

Woher nehme ich diese Erkenntnisse? Martina Gedeck, eine DER großen Schauspielerinnen unserer Tage, hat aus den Briefen Brigitte Reimanns an ihre Eltern vorgelesen, aus dem Zeitraum ca. 1960 – 1972. Am 19.11.08 im Luisengarten in Würzburg.

Frau Gedeck hat Reimann schon in dem Film „Hunger nach Leben“ verkörpert. Den habe ich noch nicht gesehen, werde das aber schleunigst nachholen.

Bemerkenswert: Frau Gedeck hat außer der Lesung an sich kein Wort an das Publikum gerichtet. Knipserei war ausdrücklich verboten. Die Lesung dauerte ca. 1 1/2 Stunden, keine Sektsaufpause. Gut so, das tat der Dramatik gut. Brigitte Reimann ist nämlich leider jung an Krebs verstorben, mit 39. Und hat ihren Eltern berichtet, wie sich die Krankheit entwickelt. Und von ihrem Hunger nach Leben. Sie war ein wacher, kritischer Geist, eine bemerkenswerte Frau.

Und Martina Gedeck hat sich im Dienst an der Sache zurückgenommen, ganz der Person Reimann die Bühne überlassen, sie in ihren Worten aufleben lassen. Das ist gute Literatur UND gutes Theater, das zum Vortrag bringt, ohne zu trennen, das Publikum mitnimmt, einbezieht und mit dem Leben konfrontiert. Knipsen ist Distanz. Bühne und Schauspieler können Distanz herstellen – oder sie zerfließen lassen. Martina Gedeck hat die Distanz außen vorgelassen. Und das war hart!

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Eingeordnet unter Drucksachen, Kunst, Wörzburch

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