Monatsarchiv: Dezember 2008

Wie Weihnachten doch noch schön wurde…

Am Heiligen Abend war ich, wie der geneigte Leser dieses Blogs bemerkt haben wird, noch gar nicht so weihnachtlich gestimmt.

Gar nicht schlecht gelaunt oder so, es erschien mir nur so absurd, dass gerade an diesem Tag Weihnachten beginnen soll.

Abends waren wir dann im trauten Familienkreis zusammen. Es war sehr schön, gutes Essen, alle gesund, das erste Mal das kleine Nichtchen dabei, schöne, liebevoll ausgesuchte Geschenke. Aber in meinem Inneren immer noch nicht Weihnachten.

Nachts gingen wir dann gemeinsam in die Christmette von St. Josef in Marktheidenfeld. Viel Weihrauch (man würde sich nicht wundern, wenn die Messdiener später alle drogenabhängig würden), Kerzen, Weihnachtslieder. In mir immer noch freundliche Neutralität.

Dann predigte Pfarrer Hermann Becker und erwischte mich: In einfachen, aber treffenden Worten wies er darauf hin, dass Gott nicht durch das „Hauptportal“ zu uns gekommen ist, sondern im Stall. Dort war es ärmlich und unaufgeräumt, wie in unserem Innern. Genau dort will er hineinkommen, in die Welt und in uns, so wie wir sind.

Esoteriker wollen sich das Leben schön machen, Fundamentalisten kämpfen gegen die Welt. Gott kommt in die Welt, wie sie ist.

Wir können Gott in unser unaufgeräumtes Leben hineinlassen, brauchen keine Angst zu haben.

Seitdem ist für mich Weihnachten. Und ich habe etwas Einfaches ganz neu verstanden.

Gestern dann noch mal „Quo Vadis“ gesehen: Ich erwarte ein Wunder, dass bei mir beginnen muss und nichts mit dem zu tun hat, wie wir uns Weihnachten eingerichtet haben. Weihnachten beginnt, wenn Gott in die Realität kommt – und wir die Tür öffnen.

Noch mal Hermann Becker:

Der Türgriff des Herzens sitzt Innen.

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Merry Christmas

Mir ist gerade, ehrlich gesagt, gar nicht nach Weihnachten. Zu viel Streß? Falsches Wetter? Zu unbesinnliches Jahr?

Egal. Auf meinen Gemütszustand kommt es gottlob nicht so an. Ich hoffe, ihr alle habt dieses Jahr mehr Spaß an Weihnachten als Fest. Und die Weihnachtsbotschaft ist ja gerade: Gott kommt in eine friedlose Welt, um uns nahe zu sein.

Und für alle Leser, die ähnlich wie ich gestimmt sind: Ein Video mit Allem, was zu einem zünftigen Weihnachten auch gehört: Christbaum, Gitarren, lange Haare, die Ramones.

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Vicky Cristina Barcelona – Eine Sommernachtssexkomödie und viel Gaudi…

Wer nach diesem Film nicht die spontane Lust verspürt, nach Barcelona (und vor allem Oviedo) zu fliegen und dort im spanischen Sommer auf Gaudi-Entdeckungsreise zu gehen, Wein zu trinken, Fahrrad zu fahren und katalanisch zu essen, dessen Sehnsuchtsmotor läuft nicht mehr rund:

Woody Allen ist es nach geschätzen 15 Jahren noch einmal gelungen, einen wahrhaft großen Film zu drehen. Angefangen von der Ästhetik über die Schauplätze, die Musik, die Stimmung, die Besetzung, die Story und den Tiefgang stimmt hier alles. Allen scheint es sichtlich gut zu tun, in Europa zu drehen. Match Point war schon interessant, aber eher ein nettes Konstrukt. Vicky Cristina Barcelona ist ein Kunstwerk, ein bewegtes (Sitten-)Gemälde, eine Leinwandverführung.

Nun ja, wenn man nur die Story hört, könnte man denken, Allen und der Schreiber dieser Zeilen seien in unterschiedlichen Graden Altherrenphantasien verfallen: Es geht um zwei amerikanische Studentinnen, einen katalanischen Maler, seine paranoide Ex, einige weitere Randfiguren und deren amourös-sexuellen Beziehungen – übrigens so gut wie aller Protagonisten miteinander.

Eigentlich geht es aber, wie so oft bei Allen und auch in der realen Welt, nur oberflächlich um Sex, verdrängte Sexualität und Erotik, sondern um: Unerfüllte Sehnsüchte, Lebensentscheidungen, Verantwortung, Misanthropie, Beziehungen – und die Suche nach Liebe.

Genüsslich lässt Allen der angeblich ach so gefestigten Vicky ihr scheinbares Gleichgewicht entgleiten und entlarvt ihre selbstdiktierte Lebenslüge ebenso wie die egoistische Desorientiertheit der selbsternannt sinngesteuerten Cristina (verkörpert von Allens neuer Langzeitmuse Scarlett Johansson ). Die scheinbaren Leichtfüße Juan Antonio und Maria Elena entpuppen sich dagegen als hedonistische, aber ehrliche und liebevolle Menschen.

Juans Papa, ein misanthropischer poetischer Lustgreis, ist eine nur dezent kaschierte Alibifigur für den Stadtneurotiker mit Liebe für das altkulturelle Europa: Liebe, Gaudi, sattes Leben, Ehrlichkeit und Kunst im Kerzenschein und katalanischen Sommersonnenlicht. Amerika dagegen ist Wall Street, hässliches Tageslicht, Profit und Lacostehemden zu Chinos, Berechnung, Gefühlskastration und Kultur als Anlagegut.

Betroffen fliegen wir mit Vicky und Cristina heim und wissen: Wenn in unseren Herzen Barcelona wäre, bräuchte man dieses falsche Leben nicht. Nicht einmal sexuelle Freizügigkeit, sondern Liebe, Warmherzigkeit, Lebensfreude, Kultur – und natürlich Barcelona.

PS: Der Ausgewogenheit halber hier noch ein – kritischer – Post zum Film vom geschätzten Bloggerkollegen Thomas Matterne:

http://thomas-matterne.de/index.php?/archives/2272-Woody-Allens-Altherrenfantasien.html

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Der Wegbegleiter verlost zwei Kochbücher

Ich werde langsam zum Marketing-Man: Nach Empfehlungen für ne DVD und CDs nun auch noch Hilfeleistung für einen vielversprechenden Nachwuchsautor.

Der hat ein Kochbuch zum Thema „Glauben genießen“ geschrieben und haut in vorweihnachtlicher Samariterstimmung zwei Pieces kostenlos unter das arme Volk. Umsonst? Fast, a bisserl mitmachen und a weng Glück ist notwendig.

Also ab dafür:

Kochbuchaktion des Wegbegleiters

PS: Ach ja, pssst: Das ist eigentlich gar kein Kochbuch, sondern so ein Bändlein über christlichen Glauben und so. Aber nicht verraten!

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Denn erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt…

Ein Blog kann man auch als öffentlichen Beichtstuhl verwenden.

Oh ja, ich habe gesündigt, in Worten, Taten und Gedanken, gestern, heute und mit hoher Wahrscheinlichkeit werde ich es auch morgen tun. Aber keine Angst, diese Art von Seelenstriptease erwartet euch nicht.

Ich beichte meinen peinlichen Lieblingsalben 2008 und beschränke mich auf die Zahl „2“. Klar, ich bin ansonsten ein ganz doller Musikgourmet und liebe auch E.S.T., Get Well Soon, Bach und Webern, Coltrane und Baker.

Aber ich höre auch gerne Rockmusik, von Allerweltsrock bis Metal ist da viel drin.

Wenn mir aber jemand gesagt hätte, dass ausgerechnet diese beiden Alben zu meinen Lieblingen 2008 gehören werden, hätte ich wohl beleidigt abgewunken.

Es geht um Coldplay – und Guns N`Roses.

Coldplay mochte ich früher schon mal, fand dann aber die letzten Sachen so grottig, kitschig und nervtötend, dass Coldplay ein Synonym für fiese Allerweltspopmusik. Formatradiofutter, irrelevantes Gedudele für mich wurde.

Und dann werfen sie „Viva La Vida“ raus: Ein Schatzkästchen voller süffiger Melodien, großer Popsongs, ergreifender Stimmungen, angenehmer Ohrwürmer, Musik voller Leben und Tiefe. Ein Album, von dem man sich wünschte, dass auch U2 so etwas mal wieder hinbekommen, beseelt, feingliedrig, episch, schön. Ich höre mich gerade wund daran und krieg es nicht satt, ein seltener Effekt, noch dazu über komplette Albumlänge. Woran liegt es? An Brian Eno, der wie immer meisterlich produziert hat? An einer Rückbesinnung auf die Kernkompetenzen? War die Muse läufig? Egal, ich gebrauche mal einen Superlativ: Das Ding ist ein Klassiker. Und das sage ich…

Seit gestern liegt die andere CD im Player: Ja, seit 10 Jahren „sehnlich erwartet“, der Dauerwitz in allen Musikmagazinen, immer wieder angekündigt, geheimnisumwittert. Das Album, mit dem Axl Rose beweisen wollte, dass Guns N`Roses bzw. er selbst und diverse „Gastmusiker“ einen auf die alten Streiche draufsetzen können. Die Rede ist von „Chinese Democracy“. 15 Jahre Produktionszeit brauchte der letzte Mann an Bord der Band, die die Stadionband der 90er und 00er hätte werden können, um dieses Album fertig zu stellen.

Und? Überraschung: Gut gemacht! Wirklich, am Anfang klingt es zuweilen mal gewollt modern, aber spätestens ab Stück 3, „Better“, wird deutlich, dass Rose große Rocksongs schreiben kann und man dem Album die Vorbereitungszeit anmerkt: Es gibt viel zu entdecken, Sounds, ausgefeilte Arrangements, multipler Instrumenteneinsatz, aber das ist kein Blendwerk, sondern die Songs sind gut. Es ist wohl uncool, das zuzugeben, aber Herr Rose hat es geschafft, ein qualitativ hochwertiges Album abzuliefern. Ob Klassiker stelle ich mal zurück, aber bitte das Ding nicht wegen Vorurteilen ignorieren!

PS: Was braucht man noch unbedingt aus 2008? Fleet Foxes, E.S.T., Lucinda Williams, Get Well Soon, Jane Birkin, Asteria, Alpha Blondy, Söhne Mannheims, Allee der Kosmonauten, CSS, The Cure, Dave Brubeck, Herbie Hancock, Malia, Paul Giger, Portugal The Man, Radiohead, Robert Forster.

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