Denn erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt…

Ein Blog kann man auch als öffentlichen Beichtstuhl verwenden.

Oh ja, ich habe gesündigt, in Worten, Taten und Gedanken, gestern, heute und mit hoher Wahrscheinlichkeit werde ich es auch morgen tun. Aber keine Angst, diese Art von Seelenstriptease erwartet euch nicht.

Ich beichte meinen peinlichen Lieblingsalben 2008 und beschränke mich auf die Zahl „2“. Klar, ich bin ansonsten ein ganz doller Musikgourmet und liebe auch E.S.T., Get Well Soon, Bach und Webern, Coltrane und Baker.

Aber ich höre auch gerne Rockmusik, von Allerweltsrock bis Metal ist da viel drin.

Wenn mir aber jemand gesagt hätte, dass ausgerechnet diese beiden Alben zu meinen Lieblingen 2008 gehören werden, hätte ich wohl beleidigt abgewunken.

Es geht um Coldplay – und Guns N`Roses.

Coldplay mochte ich früher schon mal, fand dann aber die letzten Sachen so grottig, kitschig und nervtötend, dass Coldplay ein Synonym für fiese Allerweltspopmusik. Formatradiofutter, irrelevantes Gedudele für mich wurde.

Und dann werfen sie „Viva La Vida“ raus: Ein Schatzkästchen voller süffiger Melodien, großer Popsongs, ergreifender Stimmungen, angenehmer Ohrwürmer, Musik voller Leben und Tiefe. Ein Album, von dem man sich wünschte, dass auch U2 so etwas mal wieder hinbekommen, beseelt, feingliedrig, episch, schön. Ich höre mich gerade wund daran und krieg es nicht satt, ein seltener Effekt, noch dazu über komplette Albumlänge. Woran liegt es? An Brian Eno, der wie immer meisterlich produziert hat? An einer Rückbesinnung auf die Kernkompetenzen? War die Muse läufig? Egal, ich gebrauche mal einen Superlativ: Das Ding ist ein Klassiker. Und das sage ich…

Seit gestern liegt die andere CD im Player: Ja, seit 10 Jahren „sehnlich erwartet“, der Dauerwitz in allen Musikmagazinen, immer wieder angekündigt, geheimnisumwittert. Das Album, mit dem Axl Rose beweisen wollte, dass Guns N`Roses bzw. er selbst und diverse „Gastmusiker“ einen auf die alten Streiche draufsetzen können. Die Rede ist von „Chinese Democracy“. 15 Jahre Produktionszeit brauchte der letzte Mann an Bord der Band, die die Stadionband der 90er und 00er hätte werden können, um dieses Album fertig zu stellen.

Und? Überraschung: Gut gemacht! Wirklich, am Anfang klingt es zuweilen mal gewollt modern, aber spätestens ab Stück 3, „Better“, wird deutlich, dass Rose große Rocksongs schreiben kann und man dem Album die Vorbereitungszeit anmerkt: Es gibt viel zu entdecken, Sounds, ausgefeilte Arrangements, multipler Instrumenteneinsatz, aber das ist kein Blendwerk, sondern die Songs sind gut. Es ist wohl uncool, das zuzugeben, aber Herr Rose hat es geschafft, ein qualitativ hochwertiges Album abzuliefern. Ob Klassiker stelle ich mal zurück, aber bitte das Ding nicht wegen Vorurteilen ignorieren!

PS: Was braucht man noch unbedingt aus 2008? Fleet Foxes, E.S.T., Lucinda Williams, Get Well Soon, Jane Birkin, Asteria, Alpha Blondy, Söhne Mannheims, Allee der Kosmonauten, CSS, The Cure, Dave Brubeck, Herbie Hancock, Malia, Paul Giger, Portugal The Man, Radiohead, Robert Forster.

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