Seemannsgarn, ausnahmsweise nicht vom Blaubären

Die unglaublichste Geschichte der Welt, welche ist das wohl?

Deutschland wird wiedervereinigt? Lange nicht geglaubt, längst gelaufen.

Deutschland wird Weltmeister im Fußball? Wunder gibt es immer wieder!

Ich kaufe ein modernes Produkt und es hält 30 Jahre? Mmmh, schwer…

Microsoft entwickelt ein absturzsicheres Betriebssystem? Ho, ho, mal sehen!

Ein Mann wäscht regelmäßig ab, putzt das Klo und trägt den Müll runter – schon sehr schwierig 😉

Wellenzwerge sorgen für die Wellenbildung auf dem Meer? – Käpt’n Blaubär, übernehmen sie!

Nein, die unglaublichste Geschichte der Welt ist – die Auferstehung! Steht in der aktuellen ZEIT , heute druckfrisch am Kiosk, im Feuilleton aufwartend mit einer hinreissenden Titelgeschichte von Autorin Sabine Rückert, deren Lektüre ich gerade hinter mir habe und wärmstens empfehlen kann.

Ja, es stimmt: Die biblische Geschichte der Auferstehung Christi ist kein rührseliges antikes Unterhaltungsstück, sondern eine unfassbare Zumutung, wenn man sie recht liest, nämlich als Erlebnisbericht von Gläubigen, die sie genau so verstehen, wie sie dasteht: Christus ist auferstanden. Vom Tod! Nix dunkler Sensenmann, ewige Ruhe, sondern back to life, back to reality.

Ist das nicht alles ein großer Schwindel? Lustige PR-Strategie einer vorderasiatischen Kleinstsekte? Jesus war in Wirklichkeit nur so ein bisserl tot, scheintot? Gut, das Grab war leer, da wurde halt der Leichnam beiseite geschafft? Da wollten sich ein paar Freaks wichtig machen?

Nun, warum aber dann der lebensverändernde Glaube der ersten Gemeinde? Warum werden aus feigen Fischern mutige Märtyrer? Wegen einer Quatschidee?

Nein, so zeigt die Autorin auf, und so ist es auch meine Meinung und Erfahrung:

Wegen der Begegnung mit dem Auferstandenen und der ungeheuren Botschaft, die sie in sich trägt: Eine Existenz frei von Angst, mit Blick auf das Ewige, Transzendente, verknüpft schon mit dem Hier und Jetzt: In der Welt, da habt ihr Angst, ABER…

Statt „fürchtet euch sehr“ nun: „Fürchtet euch nicht“. Da hat EINER die Welt überwunden und Hoffnung gebracht, die schon und erst recht hier, heute wirksam wird und Veränderung bringt. Sie macht auch aus mir einen Auferstandenen.

Nein, für ein leeres Grab würde niemand sterben, nicht einmal schlecht dafür leben. Wegen einer verändernden Begegnung mit dem Auferstandenen würde man aber notfalls auch in den Tod gehen – und bekommt damit das Leben geschenkt.

Das wünsche ich euch allen für Ostern: Eine Begegnung mit dem Auferstandenen! Nur du und er.

Der Herr ist auferstanden. Er ist…

24 Kommentare

Eingeordnet unter God`s Army, Leben lernen, Ostern, Vaterland

24 Antworten zu “Seemannsgarn, ausnahmsweise nicht vom Blaubären

  1. Mailin

    Jetzt schreibe ich schnell was, bevor Markus mir all meine Illusionen zerstört. 😉
    Nur du und er? – Ich kenne dich ja garnicht so romantisch, aber danke, ich hoffe ich komme nur nicht durcheinander, wenn wir übermorgen Karfreitag „feiern“. Weißt ja, unser höchster Feiertag…
    Glauben, das kann man nicht, nur erleben. (Klingt doch so nach Markus?)

  2. Hihi, jetzt kommt der Illusionenzerstörer.

    Ach ja, die ZEIT… Das eingebildeste Blatt auf dem Planeten, das sich für das intelligenteste und intellektuellste hält, erklärt den Verunsicherten den Glauben. Hab ich selbst jahrelang gelesen, diese prätentiöse Scheiße.

    Die unglaublichste Geschichte der Welt? Nö. Der WELT? Mein lieber wessnet, auf der Welt, da gibt es viele solcher unglaublicher Geschichten. Das christliche Abendland ist nur blind denen gegenüber. Weil es sich halt immer noch als Nabel der sog. zivilisierten Welt wähnt. Und die Zeit wähnt sich als Nabel des intellektuellen Deutschlands. Hu!

    Menschen haben schon den größten Blödsinn geglaubt, aus den hirnrissigsten Gründen, wenn sie ihnen nur in den Kram passen, sie sind dafür in den Tod gegangen und haben andere missioniert oder umgebracht. Das Menschenmassenargument ist schrecklich und gefährlich. Es verleiht auch dem Faschismus innere Legitimation. Du willst halt nicht gern allein sein, wessnet, verständlich, wer will das schon. Aber dass andere irgendwann irgendwarum irgendwas geglaubt haben, ist für dich vollkommen irrelevant. In deiner Todesstunde wirst du es hoffentlich und fürchterlich merken.

    Ferner: Christus ist wahrhaft auferstanden, keine Frage, und bitte nicht mit dem leeren oder vollen oder halbvollen Grab beweisen wollen. Doch wozu ist er auferstanden? Damit du ohne Furcht lebst. Tust du das auch? Solange du nicht selber wahrhaft auferstanden bist, kannst du den Christus in die Tonne treten.

  3. … wahrhaftig auferstanden!
    Dazu ein Zitat von D.L. Sayers (mal wieder): „Gott beseitigete die Tatsache des Bösen nicht; er verwandelte sie. Er hielt die Kreuzigung nicht auf, er auferstand von den Toten. … (was seine Jünger befähigte), etwas zu tun in Sachen der Sünde und des Leides. Sie hatten gesehen, wie die starken Hände Gottes aus der Dornenkrone die Ehrenkrone flochten, und in diesen starken Händen wussten sie sich selber in Sicherheit.. Sie hatten praktisch jedes Wort missverstanden, das Christus je zu ihnen gesagt hatte. Aber darauf kam es jetzt nicht an. Die Sache war endlich und zuletzt sinnvoll, und ihr Sieg war höher als alles, was sie je geträumtr hatten. Sie hatten einen kleinen, leichten Sieg erwartet, und sie sahen Gottes Sieg. Sie hatten einen irdischen Messias erwartet und sahen den Bringer des ewigen Lebens …“

  4. @Susi: Danke für die gute Ergänzung. Habe meiner lieben Frau übrigens drei Krimis von Frau Sayers zum Geburtstag geschenkt, nachdem ich deine Empfehlung bekommen hatte, und die ist ganz begeistert davon, danke auch dafür. Euch ein schönes Osterfest!

    @Markus: Auch dir danke für die Anregungen, vor allem den letzten Absatz. Du hast recht damit, dass es darauf ankommt, dass die Angst auch wirklich weicht. Produzieren kann ich selbst das aber gerade nicht, ich kann nur an Gott dran bleiben, eben „Begegnung mit dem Auferstandenen“. Immer, wenn ich das verinnerlicht habe, weicht auch die Angst. Sonst saufe ich ab wie Petrus auf dem Wasser.

    Eine Korrektur: Ich sprach nicht von blindem Massenglauben, sondern der „Begeisterung“ der ersten Gemeinde, die noch Augenzeugen waren. Das ist ein gar nicht kleiner Unterschied.

    Die ZEIT? Finde ich alles andere als pseudointellektuell oder prätentiös. Und der Artikel hat noch mehr zu bieten als meine Zusammenfassung. Lies ihn bitte mal in Ruhe, kann ihn dir gerne mal nächste Woche geben, ich verspreche mal, dass auch du darin Aspekte finden wirst, die dein Pauschalurteil abzuschwächen geeignet sind.
    Dir auch ein schönes Osterfest!

  5. Das freut mich wirklich, dass ich eine meiner Lieblingsautorinnen ab und zu zu neuen Ehren verhelfen darf 😉
    Auch dir und deiner Frau schöne Ostertage!

  6. Schöne Ostertage, schöne Ostertage, ach, wie fühlen wir uns alle so wohl, ist es nicht herrlich, Christ zu sein, alles so klar und überschaubar und sinnträchtig. Und diese Frau Sayers, hach, ist das nicht wundersam?

    Nein, ist es nicht, es ist romantisch. Nichts gegen Romantik, ich liebe sie. Aber in der Todesstunde, ts ts, ich weiß nicht, wie weit sie euch helfen wird. Nun, man wird sehen.

    Allseits Wohlbehagen und keine Krähe hackt der anderen ein Auge aus. Ostern wirft seine Schatten voraus, Wolf und Lamm weiden Seit an Seite. Tun sie aber gerade nicht, schon mal beobachtet? Typisch, wie hier der Karfreitag mal wieder unterschlagen wird. Karfreitag, das ist nicht nur das schuldlose Leid, sondern auch die brutale Gewalt. Beides unterschlagen, halleluja, ich gratuliere. Ostern ist noch nicht! Und wird auch nie, so nicht. Ihr träumt.

  7. Träumt man, wenn man zu netten Menschen nett ist? Was wäre denn der richtige Ostergruß: Ein Arschtritt, um Karfreitag mal richtig spürbar zu machen?

    Und was hilft denn in der Todusstunde wirklich? Hast du da schon den alternativen Masterplan?

    Ich nicht. Ich hoffe auch da – auf eine Begegnung mit dem Einzigen, der den Tod überwunden hat. Oder habe ich da was übersehen?

  8. Mailin

    Ohne Karfreitag gibt´s keine Auferstehung.
    Trösten, das hilft vielleicht.
    Ich glaube, es gibt schlimmeres als den Tod. Ich glaube nicht, dass ich bei meinem Tod plötzlich merke, dass alles falsch war, was ich jemals gedacht habe. Aber ich weiß auch nicht wann.

  9. Ein Arschtritt – hihi 🙂

    Nein, im Ernst, Ostergrüße am Gründonnerstag, da sträubt sich mein katholisches Erbe. Und nicht nur das. Nett sein ist völlig in Ordnung. Bin ich ja auch stets.

    Ja, du hast was übersehen. Osiris zum Beispiel.

  10. Hallo, wo hier gerade alle so nett zueinander sind 😀 will ich auch noch kurz meinen Ostersenf äh Ostergruß nein Senf zu Wessnets Ostergruß (den ich sehr schön finde) geben 😉

    Ich bin nämlich dagegen, dass wir uns nicht fürchten.
    Ich finde, wir sollten uns fürchten! Nämlich vor den Konsequenzen unserer Sünden, sowohl im Diesseits als auch im Jenseits.
    Sonst macht doch Vergebung und Gnade überhaupt keinen Sinn!

    Ich habe bei mir selbst festgestellt, dass Gott für mich immer so etwas wie ein guter Kumpel, der immer ein Auge zudrückt war, oder oft auch ein Wunschautomat, bei dem man nur nicht recht weiß, ob auf den Knopfdruck was raus kommt oder nicht. Gott versteht alles (so wie ich das verstehe), Gott verzeiht alles (weil er mich so nett findet und sowieso liebt), Gott macht alles wieder gut. Gott ist so eine Art Feel-Good-Onkel.

    Damit nimmt man aber im Grunde das Leben und den moralischen Anspruch, den die Bibel stellt, gar nicht ernst.

    Also, man soll jetzt nicht in eine neurotisch-zwanghafte Überängstlichkeit verfallen, aber Furcht, Selbstzweifel, ggf. Reue sind schon angesagt.

    Ich glaube, früher (in der Geschichte des Christentums) wurde dieser Aspekt überbetont, heute wird er zu wenig betont. Es gibt nicht nur die Auferstehung, es gibt auch die Hölle. Und das Fegefeuer, an das zu glauben leicht ist, denn es ist geradezu eine logische Konsequenz aus dem ganzen Konzept Sünde-Reue-Vergebung, Reinheit usw…

    Wenn man mal erfahren hat, wie schmerzhaft Reue ist, fängt man glaube ich an, zu verstehen, was mit Fegefeuer/Hölle gemeint sein könnte und sich davor zu fürchten. Reue darüber, einem geliebten Menschen Unrecht getan zu haben und ihm dadurch unwiderruflich geschadet zu haben, brennt wie Feuer auf der Seele.

    Erst dann macht die Hoffnung auf Vergebung und ein Wiederherstellen/Heilen/Auferstehung richtig Sinn.

    Finde ich 😉

  11. @ex-blond: Wir sind nicht nur zwei unverbesserliche Konservative, sondern scheinen auch ähnliche Vorstellungen davon zu haben, mal eben „kurz“ was auszuführen 😉

    Der Vollständigkeit halber auch dir und Mailin ein frohes Osterfest, wo doch heute noch der letzte nette Tag vor Karfreitag ist.

    Wer es sich wünscht, dem wünsche ich gerne morgen etwas Heulen, Zähneklappern und tiefe Reue. Ich bleibe aber dabei: Ich wünsche euch am meisten eine Begegnung mit dem Auferstandenen. Der ist nämlich im höchsthimmlischen Auftrag gekommen, zu retten und nicht zu richten, auch wenn wir Arschpfeifen es an sich richtig verdient hätten, nicht nur am Karfreitag in den Allerwertesten getreten zu werden. Ich zumindest, und ex-blond sieht das wohl ähnlich. Stimmt, fürchten sollte man sich vor sich selbst, aber nicht vor der Welt.

    Da fällt mir so ein „In Extremo“-Song ein, den mir kürzlich ein Freund überspielt hat: Ich kenne alles, auch Punkt und Strich, ich kenn nur einen nicht und der bin – ich…“ (na, Markus, das war jetzt ne Steilvorlage für dich…). Frohe Ostern!

  12. Mailin

    @wessnet und ex-blond
    Wisst ihr, was ist denn jetzt konservativ?
    Ich meinte das ernst. Niemand wird den Auferstandenen sehen, der nicht vorher Reue, Zähneklappern etc. durchgemacht hat. Und ich muss Markus recht geben: Jetzt schon frohe Ostern zu wünschen ist echt pervers. So wie das alle tun, für unsere Gesellschaft gibt es keine Fastenzeit, nur Feiern. Als Christen sollten wir Gott aber auch in seinem Leiden beistehen. Vielleicht ein bischen so, wenn mir jetzt schon jemand zum Abitur gratuliert. Alles hat seine Zeit.

    ex-blond: 100%ige Zustimmung, super.
    Das ist woran ich auch gerade nage. Sich mein Glaube irgendwie flau anfühlt.

    Dieser „Kuschelgott“ wie ich ihn gerne nenne, der ist überflüssig. Kein Witz. Ich fände ein Teddybär täte es auch. Ich weiß nicht, das ist Quatsch. Gott ist die Liebe. Aber gerade deshalb: Wir sind ihm nicht egal. Jemand der liebt, der tut das mit allen Sinnen, Gedanken etc.
    Es gibt Menschen die sagen, wo viel Liebe ist, ist auch viel Hass. Beziehung kann man nur leben mit starken Gefühlen, die an sich heran zu lassen, die schönen und die unangenehmen. Darum geht es für mich. Ich laufe aber im Grunde auch (fast) immer weg, das ist so Menschenart. Und eine schreckliche Zerreißung, die führt ins Paradies, davon bin ich überzeugt, wenn sie wahr ist. Propheten nennen das auch Bekehrung.

  13. Ellen

    ……und dann gibt’s das Lied „I know, my Redeemer lives“ („ich bin gewiß, dass meiner Erlöser lebt“). Ist es nicht einzigartig, über etwas gewiß sein zu können?
    Ich habe in vielen Teilen der Welt gelebt, in Asien, Afrika, usw, Berührung mit vielen Menschen und ihren Religionen und Glauben gehabt (bin öffentsichtlich selbst keine Deutsche) aber es fehlte unter ihnen—was das Glauben, Religion, was man das nennen will–immer eines….diese Gewissheit.
    Stimmt…ich bin um vieles nicht gewiß, um vieles kann man nicht sicher sein, oft nicht mal über mich selbst (love that song from Extremo–wozu ich fähig war/bin, das lerne ich noch ;-)…aber das Jesus war, wer er gesagt hat, das er war, und dass er auferstanden ist, und heute lebt….darüber bin ich, nach eigenen gewundenen Weg herum (selbst auf der Flucht), ganz gewiß.
    Ich will nicht warten, bis den Todestag und dann „schauen wir mal“…..aber wer eine persönliche Beziehung mit Jesus erlebt hat, wer die Bibel von hinten nach vorn ernst nimmt und damit auseinandersetzt, sein unerlässlicher Stolz ablegt und lässt Gott durch sein Wort mit einem reden….der kann gewiß sein.
    ..DAS ist Ostern 😉

  14. @Mailin: „Jetzt schon frohe Ostern zu wünschen ist echt pervers.“ – Hey Leute, Ostern ist doch jeden Tag. Und auch Karfreitag. Schön, dass man einmal im Jahr daran erinnert wird, aber ich bin ja auch nicht nur am Hochzeitstag verheiratet…

  15. @Markus: Sag mal, woher kommt diese ganze Wut? Lass mir doch meine Grüße an einen netten Menschen, lass mir doch Begeisterung für die Autorin Sayers (die übrigens alles andere als romatisch war oder schrieb). Es ist leicht, gegen alles zu sein. Warum versuchst du, ganz harmlose Dinge kaputt zu machen, sogar ohne zu wissen, was genau dahinter steckt? Wo bleibt deine vielgepriesene Toleranz?
    Zum Thema Tod (da du uns Christen ja gerne Oberflächlichkeit und Friede, Freude, Eierkuchen vorwirfst): Ich weiß nicht, was Du dazu erlebt hast; ich selbst habe ihm noch im letzen Jahr in einer Nacht bei einer lebensgefährlichen Herzattacke ins Auge gesehen. Mitten in den Minuten der panischen Todesangst (ja, die hatte ich, trotzdem ich weiß, dass nach dem Tod das Beste kommt) konnte ich nur „Jesus!“ wimmern. Und er, der lebt, hat mich da raus geholt. Das weiß ich. Punkt.

  16. Einen tiefen Karfreitag wünsche ich euch allen, tief wie die Unterwelt.

    @ Susi

    Weder bin ich vielgepriesen tolerant (ich weiß nicht, woher der Eindruck rührt) noch versuche ich anderen Leuten etwas kaputt zu machen. Ich rede dir deine Begeisterung für Sayer nicht aus, ich lass dir alles, ich gebe nur kein verstärkendes Feedback. Und was Sayers da schreibt, das ist für mich romantisch – auch wenn sie als Person und sonst das vielleicht nicht war.

    Woher die Wut? Es geht weniger um den eigenen Tod, deine eigene Todesangst, sondern vielmehr um die Phänomene der menschlichen Gewalt, die sind mir wichtig. Das ist Karfreitag auch. Nicht nur das Sterben Jesu, sondern unser (ja unser, weil wir Menschen sind) Bestreben, zu morden. Wenn ich fühle, dass das übersehen wird, werde ich rüde. Und das wird von den Christen in aller Regel übersehen. Wichtiger als das Gefühl, selbst erlöst zu sein, ist das Wissen um die Bestie in dir, die andere töten kann und will und das oft genug auch tut. Das ist Karfreitag. Deswegen auch nicht überspringbar. Meine Wut ist die Wut dessen, der Gewalt erleidet, und nur Sprüche hört wie: „Jesus hilft dir.“ Diese Verweigerung, der Wahrheit des Menschen ins Auge zu sehen, der Wahrheit, dass das Universum übervoll ist von gottgewollter Grausamkeit.

    @ ex-blond

    Wie, wir sollten uns fürchten? Und was ist mit Jesus, der sagt: „Fürchtet euch nicht“? Und wieso bitte machen Vergebung und Gnade keinen Sinn ohne Furcht? Nur psychologisch betrachtet vielleicht, aber leider krude psychologisch. Nach dem Schema: Ich fühle die Atemluft erst so recht, wenn ich vorher meinen Kopf minutenlang unter Wasser gesteckt habe. Aber niemand zwingt dich, deinen Kopf ins Wasser zu stecken. Nur du selber, absichtsvoll.

    Die Hölle und das Fegefeuer existieren nur in dir, nirgends sonst. Und in der Hölle sitzt du gerade, denn die Hölle ist der Kopf unter Wasser und die Sündenfurcht. Komm heraus, jederzeit. Das Fegefeuer ist die schmerzvolle Erfahrung der eigenen Mangelhaftigkeit, und zwar in Reinform, aber ohne Schuldgefühl. Wenn das Schuldgefühl sich einschleicht, ist es bereits wieder die Hölle. Die glasklare Erfahrung (nur die glasklare, die man nur in besonderen Zuständen machen kann) der eigenen Mangelhaftigkeit aber ist bereits deine Befreiung. Wenn du es mal erfahren hast, wirst du merken, dass das Ganze mit Glauben überhaupt nichts zu tun hat, ans Fegefeuer glauben, ist sinnlos. Erleben musst du es.

    Und: Welchen moralischen Anspruch stellt bitte DIE BIBEL?

    @ wessnet

    Ja, nur weiter, du kommst schon noch dahinter… 😉

  17. Mailin

    @wessnet

    Frohe Weihnachten!!!

  18. Mailin

    Ich frage mich nur, warum mir niemand Wut vorwirft, stimme ich doch Markus diesbezüglich vollkommen zu.
    Und erst recht das: Wir müssen selbst sterben und auferstehen und jetzt kommt mir bitte keiner mit Markus´scher, Mailin´scher oder sonst was für Theologie, das ist zutiefst christlich, meiner Meinung nach der innere Kern des Christentums: Wir müssen auferstehen, wir, nicht Jesus oder sonst wer. Das ist auch der grundlegende Gedanke der Taufe. Wir sind Glieder Christi, wir hängen da am Kreuz und wir werden verdammt noch mal auferstehen.
    Mit pervers meinte ich das weniger negativ, eher sowas wie verdreht, gegenteilig etc. Wer das Kirchenjahr nicht anerkennen will, bitte. Ich akzeptiere das. Aber ich weiß ncht,was ich mit „Frohe Ostern“ anfangen soll, wenn ich morgen den Tod Christi beklage, das empfinde ich persönlich als pervers. Und in diesem Tod Christi sehe ich ja mich selbst, da am Kreuz, oder Maria, die bei ihm steht, Jesus, der ihn verleugnet, Judas, der ihn verrät, oder einer der Soldaten, die sein Gewand unter sich aufteilen und darum losen. Der Mann, der ihn ans Kreuz schlägt(wer war das eigentlich? Muss doch jemand gemacht haben).
    Natürlich kann es nicht darum gehen, das auf diesen einen Tag zu fixieren, aber es ist der Tag, an dem ich mich dem aussetze, denn freiwillig tut man das nicht. Ich persönlich finde es sehr gut, dass es verschiedene Tage im Jahr gibt, an denen man verschiedenen Begebenheiten bedenkt und dass es nicht nur Feiertage sondern auch „Trauertage“ gibt. Fühl dich jetzt bitte nicht brüskiert. Das ist ja nur genau das, was ich meinte: Dass ich mich mehr an liturgischen Formen orientiere und du dich eben mehr an der Person Jesu. Hat mich irgendwie verletzt.
    Mir macht es dafür nichts aus, Christus zu sein, das finde ich nach wie vor ein sehr fruchtbarer Gedanke von Markus. Bedeutet er doch auch, den bitteren Kelch zu trinken. Dann kann er quälend sein, kaum zu ertragen, an Osten erlösend, heilend, die ganze Palette eben.
    Und jedes Jahr an Karfreitag merke ich, wie ich es hasse Christ zu sein. Nein, man entscheidet sich nicht freiwillig für Gott, nicht mal für den christlichen Gott. Das ist purer Schwachsinn. Oder besser so: Die Freiheit des Christenmenschen liegt darin, dass man sich dazu entscheiden kann, der zu sein, der man ist oder sich dazu entscheiden kann immer vor sich selbst davonzulaufen aber selbst das ist nur Illusion. Ehrlich, ich glaube, ich hatte die innigste Gemeinschaft mit Gott, als ich ihn gehasst habe, als ich das Christentum verflucht habe, als ich Jesus den Schädel eingeschlagen habe.
    Amen.

  19. @ Markus: „Kein verstärkendes Feedback“ – nun, das wäre für mich ohne Worte gewesen. Tatsächlich aber waren deine Sätze voller Häme. Und darauf bezog sich auch meine Bemerkung über deine Wut, auf nichts anderes.
    Warum ich von meiner Erfahrung mit dem Tod berichtet habe: Weil du schriebst: „In deiner Todesstunde wirst du es hoffentlich fürchterlich merken …“ und „Aber in der Todesstunde, ts, ts, ich weiß nicht, wie weit sie euch helfen wird.“ Ich versuche, beim Thema zu bleiben, aber immer wieder wird was Neues rausgeholt oder falsche Bezüge hergestellt. Da ist eine echte Diskussion extrem schwierig.
    Ich kann für meinen Teil nur sagen, dass Jesus, sein Tod und seine Auferstehung für mich real/personal ist, keine Worthülse, keine Idee, nicht gleichzusetzen mit mir (bewahre! was nützt es dann?). Glauben macht deswegen Sinn für mich, weil es Veränderung meines Herzens ermöglicht und damit auch Veränderung für die, mit denen ich in Berührung komme. Vergebung z.B. bei Menschen, die mich verletzt haben, und damit inneren Frieden erhalten. Glauben an den lebendigen Jesus, der mein Freund ist, ist ausgesprochen praxisnah, sehr alltagsrelevant und -tauglich, wenn man ihn denn anwendet und nicht einfach als Idee im Kopf behält.
    Du denkst halt anders darüber, an dem Punkt werden wir uns wohl nicht näher kommen.

  20. Das Kirchenjahr möchte ich niemandem nehmen. Es ist gewiss auch richtig, dass es mir helfen kann, Karfreitag am Karfreitag auszuleben, Ostern an Ostern etc.

    Ich bin nur selbst so jemand, dem es schwer fällt, an einem Tag einen Tunnelblick zu bekommen. So kommt es zuweilen mal vor, dass ich das Kreuz am schönsten Sommertag vor mir sehe oder mich im April freue, dass Gott Mensch geworden ist. Vielleicht sollte ich mich mal disziplinieren. Vielleicht aber auch nicht 😉

    „Das Universum ist übervoll von gottgewollter Grausamkeit.“ Harter Satz, Markus. Und aus menschlicher Sicht gleichzeitig eine gefährliche Aussage. Ist es nicht zu einfach, Grausamkeit als „gottgewollt“ hinzunehmen? Über die Konsequenzen einer solchen Haltung muss ich das Philosophieren nicht beginnen, oder?

  21. Mailin

    @wessnet

    Ich glaube das hat sich auch ein wenig hochgeschaukelt alles. ich bin eben Protestant- Karfreitag ist immer hart, nicht weil es nur an diesem Tag ist, sondern weil die Andacht mich immer so umhaut, da kann ich nicht gleich an Ostern denken, hab zu viel Angst vorm Karfreitagsgottesdienst. 😉
    Naja, was solls, frohe Ostern, ja, das ist immer noch, bei den Katholiken bis Pfingsten!

    Wieder Friede, Freude, Eierkuchen jetzt?? :-))

  22. @Mailin: Du bist Protestant, aber mit so einem kleinen Hang zum Katholizismus, gelle?

    Ich bin freievangelischer Papstfan und Ex-Katholik ohne Wurzeln, Markus postkatholischer Zenschamane, der Beisasse ist Neokatholik – ich frage mich zuweilen, ob wir nicht so eine Art katholische Selbsthilfegruppe sind und mehr Probleme gemeinsam haben, als wir es hier und anderswo leugnen.

    Eierkuchen kommt nach Eiersuchen, also genau recht 😉

  23. @ Susi

    Nein, zu Sayers hab ich nur geschrieben: „wundersam“ und „es ist romantisch“. Alles andere, auch das Hämische, hab ich nicht darauf bezogen, sondern auf die allseits verbreitete Heile-Welt-Stimmung am Gründonnerstag.

    Deine Erfahrungen mit dem Tod haben nichts mit dem zu tun, was ich mit Todesstunde meinte, denn du bist ja nicht gestorben. Das Sterben, ich bin ganz sicher, wird vollkommen andere Qualität haben als die Todesangst.

    @ wessnet

    Von wem sollte die Grausamkeit denn wohl sonst gewollt sein? Ist ein Hinweis auf das Alte Testament nötig? Hatten wir das nicht schon mal?

    Das Universum ist voll von gottgewollter Grausamkeit, allein schon deswegen, weil er sie nicht unterbindet. Und jetzt braucht mir keiner mit der Freiheit des Menschen zu kommen und Gott damit zu exkulpieren, denn den Menschen hat er auch gewollt und gerade so: frei zur Grausamkeit. Davon, dass man etwas hinnehmen müsse, weil es gottgewollt sei, hab ich kein Wort gesagt.

  24. Mailin

    @wessnet

    katholische Selbsthilfegruppe, weiß nicht. Ich habe ja kaum Probleme mit dem Katholizismus, ich finde ihn toll, deshalb pflege ich ja die Ökumene so gerne. Schon allein wegen dem: „Christ ist erstanden…“ Lieb ich irgendwie.
    Probleme hab ich derzeit eher mit dem Protestantismus, aber nicht weitersagen 😉
    Ja, ich glaube, wir haben riesige Probleme miteinander, aber sonst macht das doch alles keinen Spaß, oder?? Sich so richtig in die Haare kriegen, wunderbar.
    Ich bin ja eigentlich nicht gegen den Katholizismus, man müsste nur gewisse Dinge ändern… 😉
    Aber Selbsthilfegruppe, das passt, muss ich mir irgendwie eingestehen. Oder warum sonst führen wir hier so sinnlose Gespräche??
    .

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