Monatsarchiv: Juni 2009

Scheiße, meine Frau hat Alles herausgefunden!

Wenn man bloggt und twittert, bleibt es nicht aus, das man bundesweit bekannt und beliebt wird.

So lernt man immer mal wieder interessante Leute kennen, vor allem, wenn man attraktive Bilder bei Twitter einstellt. Man sollte es aber nicht übertreiben, denn nun hat meine Frau mir dieses kompromittierende Video zugespielt:

„So angelte ich mir Gigolo Thorsten“

Was soll ich sagen? Ich wasche meine Hände in Unschuld! Es muss sich um eine Verwechslung handeln. Solche Rüssel gibt es doch tausendfach!

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Lesen heilt

Ja, das tut es! So richtiges Lesen meine ich, nicht auf Blogs rumchecken oder Magazine durchblättern. Sondern Glenn Gould leise im CD-Player (oder noch besser auf Vinyl), Sofa, Vanilla Chai und ein BUCH in der Hand. Das sind diese Papierdinger ohne Bilder, die man nicht scrollt, sondern umblättern muss, die nicht bliepen und blinken und die immer so lecker nach Papier und Druck riechen.

Warum? Weil es mich zur Ruhe bringt. Weil es mir ein Einlassen auf den Autor abverlangt. Weil außer Lesen dann nichts anderes geht (außer Glenn Gould aus der Ferne vernehmen und Tee trinken, jeweils gerade noch so). Ein Buch wird mein Freund und bleibt in meinem Kopf. Wenn es besser ist, rutscht es sogar in mein Herz.

Drei Heilmittel aus meiner Hausapotheke seien euch hiermit wämstens empfohlen:

1. Susanne Tobies: Der meine Schritte zählt

Jacob-Cover

O-Ton der Autorin, die gerade mal wieder pilgert:

„Was treibt eine fast 50jährige berufstätige Ehefrau und Mutter dazu, sich aus heiterem Himmel Wanderschuhe anzuziehen und einen 10-kg-Rucksack aufzusetzen, um den deutschen Jakobsweg allein zu pilgern?
Bei Regen und Schnee, über aufgeweichte und schlecht passierbare Wege stoße ich an meine körperlichen Grenzen und begegne unverhofft auch meinen inneren Hindernissen und unheilen Prägungen. Gott hält mir durch den Weg einen Spiegel vor, erklärt behutsam Zusammenhänge und berührt mich durch überraschende Begegnungen.
Ein spannendes Abenteuer auf der Suche nach Gott und mir selbst. “

Susanne fiel mir schon länger als einfühlsame und sprachgewandte Schreiberin auf ihrem Blog auf. Dann gab es zwei Artikel im „Aufatmen“, in denen Susanne von ihren Erlebnissen auf dem deutschen Jakobsweg berichtete, die mich sehr ansprachen. Ich bin langsam auch reif für eine Pilgerreise und liebäugle schon länger damit. Wer mich darauf wohl gebracht hat? Da gibt es doch so einen deutschen Comedystar, der ein Buch über seinen Jakobsweg in Spanien veröffentlichte, das seitdem als Geheimtipp gilt 😉

Und Susanne hat es, wohl durch ähnliche Quellen inspiriert, durchgezogen. Das ist aber nicht „Hape“ für Arme oder gar für arme Christen, sondern ein erfrischend persönlicher Reisebericht, poetisch und brutal ehrlich zugleich. Der Trip brachte der Autorin eine neue Freundin namens „Cordula“ und neue, tiefe Erfahrungen mit Gott ein. Aber lest selbst.

By the way: Vielen lieben Dank an Dich, Susanne, für Deine Karte und das Buchpräsent, habe mich sehr gefreut und es gerne gelesen! Dir und Hartmut wünsche ich Gottes Segen auf euren brandaktuellen Pilgerwegen, ich freue mich schon auf das nächste Werk aus deiner Feder!

Hier kann man das Buch bestellen: http://www.c2cux.de/

2. Christoph Schlingensief: So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein: Tagebuch einer Krebserkrankung

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Christoph Schlingensief, bekannter Film-, Theater- und Opernregisseur, Aktions- und Installationskünstler, hat das am Hals, vor dem sich Woody Allen 70 Jahre lang folgenlos gefürchtet hat: Krebs. Lungenkrebs. Er ist 48 Jahre alt, kein Alter, in dem man Spaß an derartigen Diagnosen hat. Man hat natürlich nie Lust, dem Tod ins Auge zu blicken. Was aber, wenn Gevatter Hein um die Ecke schaut und sich plötzlich in meine blühende Lebensplanung hineinschleicht? Oder besser: In meinen bunten, undurchdachten Alltag, von dem der Gesunde annimmt, er wäre ewig, und das Leben sei so furchtbar langweilig?

Wie ein Freund von mir immer sagt: Life is hard, and then you die.

Was mich für Gedanken befallen, wenn ich jegliche ironische Distanz zur Vergänglichkeit meines irdischen Daseins verliere, da die Uhr des Schnitters tickt, breitet Schlingensief in einer ehrlichen Bestandsaufnahme auf und schont und verschönert dabei nichts. Für Christen: C.S. stellt in dem Buch all die Fragen, die man ehrlich an das Leben, an sich selbst und Gott stellen muss, wenn es an das Eingemachte geht. Ich bin erschrocken und berührt, und nach der Lektüre dieses Buches steht ein Mann mehr auf meiner Gebetsliste, dem ich von Herzen wünsche, dass Gott ihm noch viele gute Jahre hier schenkt, und danach ein ewiges Leben ohne Leid und ohne Schmerz.

3. Jack Deere: Überrascht von der Kraft des Heiligen Geistes

deere

Am Wochenende habe ich mal wieder in der Citychurch gepredigt, und zwar über Apg 3, die Heilung des Gelähmten, Thema: Unser Umgang mit Wundern.
Das Buch von Jack Deere hatte ich bereits vor ca. 10 Jahren gelesen, meines Erachtens eines der Standardwerke zum Thema, wie der Heilige Geist heute noch wirken kann. Auch im Bereich der Heilung von körperlichen Krankheiten.
Meine Predigt hatte zum Tenor, dass wir nicht so sehr auf die Wunder schauen sollten, die in unserem Erlebnishorizont zudem kaum vorkommen, sondern auf Gott, darauf, dass Übernatürliches uns einen Weg zur persönlichen Beziehung zu Jesus Christus bahnen kann. Aber das es nicht immer eines Wunders bedarf, dass ich in eine Beziehung zum lebendigen Gott komme.

Wegen eines rhetorischen Spielchens am Anfang der Predigt habe ich dann von zwei Gottesdienstbesucherin erstmals etwas heftigere Kritik einstecken müssen, die selbiges unpassend fanden.

Darüber nachdenkend und selbiges bedauernd wurde mir aber ein ganz anderer Spiegel vorgehalten, denn irgendwie enthielt die formale Kritik auch eine inhaltliche Anfrage an mich, was ich nämlich im Bereich „Wunder“, hier besonders Heilung, nicht nur theoretisch für wahr und möglich halte, sondern wirklich „glaube“, d.h., was ich rückhaltlos in die Praxis umsetzen würde. Ehrlich gesagt treibt mich diese Frage gerade fundamental um, und deswegen habe ich mir gerade den alten Deere mal wieder vorgeknöpft und mir dank eines Tipps von Markus Herbert auch das Buch von Peter Schneider „Lahme tanzen unter der Kanzel“ bestellt. Demnächst mehr davon…

Merkt ihr was? Meine Lektüre hat gerade ein gemeinsames Grundthema, ungewollt. Wirklich ungewollt?

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Gott segne uns alle, vor allem mich!

Nein, das ist nicht MEIN neuer Schlachtruf, sondern eines dieser unvergesslichen Morrissey-Zitate,ins Publikum gerufen am 09.06.09 im Capitol in Offenbach, wo Morrissey zu Beginn seiner aktuellen Deutschlandtour gastierte.

Komisch, kaum einer aus meinem aktuellen persönlichen Umfeld konnte spontan etwas mit diesem Namen anfangen. Wer? Nun, wie Farin Urlaub unlängst so schön formulierte: „Und immer, wenn wir traurig waren / Und traurig waren wir ziemlich oft / Nahm ich dich in meine Arme / Und dann hörten wir die Smiths / Manchmal auch The Cure oder New Order / Aber größtenteils die Smiths“ .

Und Steven Patrick Morrissey war dereinst eben der Sänger dieser Schmidts, der wohl einflussreichsten Indie-Band der 80er, Vegetarierer, Fan der „New York Dolls“, von James Dean und Oscar Wilde, der früher gerne mal mit Gladiolen auf der Bühne wedelte. Nun ja, lustige Mischung, die dazu anregen mag, über die sexuell-emotionale Ausrichtung des Künstlers zu spekulieren. Ähnlich wie Morrissey empfinde ich derartige Spekulationen allerdings als ermüdend und irrelevant. Mich beeindruckt mehr, das Morrissey konsequent eigene Meinungen vertritt, auch wenn diese nicht immer von der Öffentlichkeit abgeklatscht werden, dass er sich z.B. für Tierrechte engagiert – und eine dieser charismatischen Stimmen geschenkt bekommen hat, die nur wenige ihr eigen nennen können, und diese immer wieder kreativ und innovativ einsetzt – anders als z.B. leider Bono, bei dem ich oft den Eindruck habe, dass er seine Gabe einer Jahrhundertstimme etwas zu leichtfertig betrachtet.

Am 22. Mai dieses Jahres wurde dieser Musikheld meiner Indie-Jugend nun 50. 50! 50!!! Und, wie ist das so, mit 50 auf der Bühne eines Rockkonzertes zu stehen und in die Gesichter von 40-jährigen zu blicken?

Offenkundig klasse, denn Morrissey ist in Würde gealtert. Wie wir alle ist er etwas „kompakter“ gebaut als mit 25, trägt keine albernen Outfits, sondern Designerjeans, Hemden mit V-Ausschnitt (das tun wir nicht alle 😉 ) und eine Kurzhaarfrisur (das tun wir auch nicht alle, aber bis 50 kann es ja noch werden).
Wie wir alle rutscht ihm die Jeans immer a bisserl runter, und man muss sie etwas hochruckeln, zur Not auch auf der Showbühne. Man ist etwas gebeugter und schwitzt natürlich bei körperlicher Anstrengung reichlich. Da muss man in der Not schon mal „blank ziehen“ und sein Oberhemd der Gemeinde entgegenwerfen (die es wie ein Kaninchen behandelt, das es mitten in ein Wolfsrudel verschlagen hat):

mozzer

Und abseits dieser goldigen Äußerlichkeiten ist der Meister der großen Gesten ein wahrhaft charmanter Entertainer geworden, der nicht umsonst das Set mit „This charmin man“, dem alten Schmidts-Gassenhauer in Powerplay, beginnt.

Seine Stimme ist über alle Zweifel erhaben, auch wenn ein böser Virus gerade noch seine Heimattour in Great Britain torpediert hat, und er fischt Perlen aus seinem nun sehr reichhaltigen Repertoire, wie dies in der Indie-Szene nur noch der andere berühme Schmidt, Herr Robert „Vogelnestfrisur“ Smith, kann.

Nur das Morrissey sie alle hat: Powersongs wie „Irish Blood…“, herzzerreissende Balladen, die aber von seinen ungewöhnlichen Lyrics leben und leben lassen, Poplieder, Rocker, Schwulstwerke voller Pathos. Ach, wie schön, und das ist gar nicht gestrig, sondern sehr heutig, denn Meister Moz hat gerade drei Superalben in Folge veröffentlicht.

Und er wird langsam so richtig nett, macht Shake hands am Bühnenrand, ist locker und lustig und gar nicht so eitel. Ja, Gott segne uns, und vor allem dich, Steven Patrick Morrissey. Das meine ich ganz ernst und wünsche dir von Herzen das Einzige, von dem ich nicht weiß, ob du es schon mal erfahren hast: Gottes Frieden. Das ist nicht ganz uneigennützig, denn ich wünsche mir im Himmel erstklassige Musik, bitte!

Wer übrigens eine fantastische Kritik vom Offenbach-Konzert lesen will, schaue mal hier:

http://meinzuhausemeinblog.blogspot.com/2009/06/morrissey-offenbach-090609.html

Und bevor ich es vergesse: Habe die Freude gehabt, als Support die erstaunlich gute Band „Doll and The Kicks“ kennen zu lernen und habe mir am Schluss gleich deren Debut-CD gekauft und persönlich signieren lassen (die Band betreute den Merchandising-Stand höchstselbst, da konnte ich gleich etwas Lob loswerden). Wenn mich nicht alles täuscht, haben die bald zumindest einen Hit, z.B. den hier:

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