Gott segne uns alle, vor allem mich!

Nein, das ist nicht MEIN neuer Schlachtruf, sondern eines dieser unvergesslichen Morrissey-Zitate,ins Publikum gerufen am 09.06.09 im Capitol in Offenbach, wo Morrissey zu Beginn seiner aktuellen Deutschlandtour gastierte.

Komisch, kaum einer aus meinem aktuellen persönlichen Umfeld konnte spontan etwas mit diesem Namen anfangen. Wer? Nun, wie Farin Urlaub unlängst so schön formulierte: „Und immer, wenn wir traurig waren / Und traurig waren wir ziemlich oft / Nahm ich dich in meine Arme / Und dann hörten wir die Smiths / Manchmal auch The Cure oder New Order / Aber größtenteils die Smiths“ .

Und Steven Patrick Morrissey war dereinst eben der Sänger dieser Schmidts, der wohl einflussreichsten Indie-Band der 80er, Vegetarierer, Fan der „New York Dolls“, von James Dean und Oscar Wilde, der früher gerne mal mit Gladiolen auf der Bühne wedelte. Nun ja, lustige Mischung, die dazu anregen mag, über die sexuell-emotionale Ausrichtung des Künstlers zu spekulieren. Ähnlich wie Morrissey empfinde ich derartige Spekulationen allerdings als ermüdend und irrelevant. Mich beeindruckt mehr, das Morrissey konsequent eigene Meinungen vertritt, auch wenn diese nicht immer von der Öffentlichkeit abgeklatscht werden, dass er sich z.B. für Tierrechte engagiert – und eine dieser charismatischen Stimmen geschenkt bekommen hat, die nur wenige ihr eigen nennen können, und diese immer wieder kreativ und innovativ einsetzt – anders als z.B. leider Bono, bei dem ich oft den Eindruck habe, dass er seine Gabe einer Jahrhundertstimme etwas zu leichtfertig betrachtet.

Am 22. Mai dieses Jahres wurde dieser Musikheld meiner Indie-Jugend nun 50. 50! 50!!! Und, wie ist das so, mit 50 auf der Bühne eines Rockkonzertes zu stehen und in die Gesichter von 40-jährigen zu blicken?

Offenkundig klasse, denn Morrissey ist in Würde gealtert. Wie wir alle ist er etwas „kompakter“ gebaut als mit 25, trägt keine albernen Outfits, sondern Designerjeans, Hemden mit V-Ausschnitt (das tun wir nicht alle 😉 ) und eine Kurzhaarfrisur (das tun wir auch nicht alle, aber bis 50 kann es ja noch werden).
Wie wir alle rutscht ihm die Jeans immer a bisserl runter, und man muss sie etwas hochruckeln, zur Not auch auf der Showbühne. Man ist etwas gebeugter und schwitzt natürlich bei körperlicher Anstrengung reichlich. Da muss man in der Not schon mal „blank ziehen“ und sein Oberhemd der Gemeinde entgegenwerfen (die es wie ein Kaninchen behandelt, das es mitten in ein Wolfsrudel verschlagen hat):

mozzer

Und abseits dieser goldigen Äußerlichkeiten ist der Meister der großen Gesten ein wahrhaft charmanter Entertainer geworden, der nicht umsonst das Set mit „This charmin man“, dem alten Schmidts-Gassenhauer in Powerplay, beginnt.

Seine Stimme ist über alle Zweifel erhaben, auch wenn ein böser Virus gerade noch seine Heimattour in Great Britain torpediert hat, und er fischt Perlen aus seinem nun sehr reichhaltigen Repertoire, wie dies in der Indie-Szene nur noch der andere berühme Schmidt, Herr Robert „Vogelnestfrisur“ Smith, kann.

Nur das Morrissey sie alle hat: Powersongs wie „Irish Blood…“, herzzerreissende Balladen, die aber von seinen ungewöhnlichen Lyrics leben und leben lassen, Poplieder, Rocker, Schwulstwerke voller Pathos. Ach, wie schön, und das ist gar nicht gestrig, sondern sehr heutig, denn Meister Moz hat gerade drei Superalben in Folge veröffentlicht.

Und er wird langsam so richtig nett, macht Shake hands am Bühnenrand, ist locker und lustig und gar nicht so eitel. Ja, Gott segne uns, und vor allem dich, Steven Patrick Morrissey. Das meine ich ganz ernst und wünsche dir von Herzen das Einzige, von dem ich nicht weiß, ob du es schon mal erfahren hast: Gottes Frieden. Das ist nicht ganz uneigennützig, denn ich wünsche mir im Himmel erstklassige Musik, bitte!

Wer übrigens eine fantastische Kritik vom Offenbach-Konzert lesen will, schaue mal hier:

http://meinzuhausemeinblog.blogspot.com/2009/06/morrissey-offenbach-090609.html

Und bevor ich es vergesse: Habe die Freude gehabt, als Support die erstaunlich gute Band „Doll and The Kicks“ kennen zu lernen und habe mir am Schluss gleich deren Debut-CD gekauft und persönlich signieren lassen (die Band betreute den Merchandising-Stand höchstselbst, da konnte ich gleich etwas Lob loswerden). Wenn mich nicht alles täuscht, haben die bald zumindest einen Hit, z.B. den hier:

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Musik

2 Antworten zu “Gott segne uns alle, vor allem mich!

  1. dasaweb

    Ich, mich, meiner, mir, ach Herr Jesus, segne uns vier.

  2. Und bist du schon dabei, segne me, myself and i!

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