Lesen heilt

Ja, das tut es! So richtiges Lesen meine ich, nicht auf Blogs rumchecken oder Magazine durchblättern. Sondern Glenn Gould leise im CD-Player (oder noch besser auf Vinyl), Sofa, Vanilla Chai und ein BUCH in der Hand. Das sind diese Papierdinger ohne Bilder, die man nicht scrollt, sondern umblättern muss, die nicht bliepen und blinken und die immer so lecker nach Papier und Druck riechen.

Warum? Weil es mich zur Ruhe bringt. Weil es mir ein Einlassen auf den Autor abverlangt. Weil außer Lesen dann nichts anderes geht (außer Glenn Gould aus der Ferne vernehmen und Tee trinken, jeweils gerade noch so). Ein Buch wird mein Freund und bleibt in meinem Kopf. Wenn es besser ist, rutscht es sogar in mein Herz.

Drei Heilmittel aus meiner Hausapotheke seien euch hiermit wämstens empfohlen:

1. Susanne Tobies: Der meine Schritte zählt

Jacob-Cover

O-Ton der Autorin, die gerade mal wieder pilgert:

„Was treibt eine fast 50jährige berufstätige Ehefrau und Mutter dazu, sich aus heiterem Himmel Wanderschuhe anzuziehen und einen 10-kg-Rucksack aufzusetzen, um den deutschen Jakobsweg allein zu pilgern?
Bei Regen und Schnee, über aufgeweichte und schlecht passierbare Wege stoße ich an meine körperlichen Grenzen und begegne unverhofft auch meinen inneren Hindernissen und unheilen Prägungen. Gott hält mir durch den Weg einen Spiegel vor, erklärt behutsam Zusammenhänge und berührt mich durch überraschende Begegnungen.
Ein spannendes Abenteuer auf der Suche nach Gott und mir selbst. “

Susanne fiel mir schon länger als einfühlsame und sprachgewandte Schreiberin auf ihrem Blog auf. Dann gab es zwei Artikel im „Aufatmen“, in denen Susanne von ihren Erlebnissen auf dem deutschen Jakobsweg berichtete, die mich sehr ansprachen. Ich bin langsam auch reif für eine Pilgerreise und liebäugle schon länger damit. Wer mich darauf wohl gebracht hat? Da gibt es doch so einen deutschen Comedystar, der ein Buch über seinen Jakobsweg in Spanien veröffentlichte, das seitdem als Geheimtipp gilt 😉

Und Susanne hat es, wohl durch ähnliche Quellen inspiriert, durchgezogen. Das ist aber nicht „Hape“ für Arme oder gar für arme Christen, sondern ein erfrischend persönlicher Reisebericht, poetisch und brutal ehrlich zugleich. Der Trip brachte der Autorin eine neue Freundin namens „Cordula“ und neue, tiefe Erfahrungen mit Gott ein. Aber lest selbst.

By the way: Vielen lieben Dank an Dich, Susanne, für Deine Karte und das Buchpräsent, habe mich sehr gefreut und es gerne gelesen! Dir und Hartmut wünsche ich Gottes Segen auf euren brandaktuellen Pilgerwegen, ich freue mich schon auf das nächste Werk aus deiner Feder!

Hier kann man das Buch bestellen: http://www.c2cux.de/

2. Christoph Schlingensief: So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein: Tagebuch einer Krebserkrankung

1682-so-schoen-wie-hier-kanns-im-himmel-gar-nicht-sein

Christoph Schlingensief, bekannter Film-, Theater- und Opernregisseur, Aktions- und Installationskünstler, hat das am Hals, vor dem sich Woody Allen 70 Jahre lang folgenlos gefürchtet hat: Krebs. Lungenkrebs. Er ist 48 Jahre alt, kein Alter, in dem man Spaß an derartigen Diagnosen hat. Man hat natürlich nie Lust, dem Tod ins Auge zu blicken. Was aber, wenn Gevatter Hein um die Ecke schaut und sich plötzlich in meine blühende Lebensplanung hineinschleicht? Oder besser: In meinen bunten, undurchdachten Alltag, von dem der Gesunde annimmt, er wäre ewig, und das Leben sei so furchtbar langweilig?

Wie ein Freund von mir immer sagt: Life is hard, and then you die.

Was mich für Gedanken befallen, wenn ich jegliche ironische Distanz zur Vergänglichkeit meines irdischen Daseins verliere, da die Uhr des Schnitters tickt, breitet Schlingensief in einer ehrlichen Bestandsaufnahme auf und schont und verschönert dabei nichts. Für Christen: C.S. stellt in dem Buch all die Fragen, die man ehrlich an das Leben, an sich selbst und Gott stellen muss, wenn es an das Eingemachte geht. Ich bin erschrocken und berührt, und nach der Lektüre dieses Buches steht ein Mann mehr auf meiner Gebetsliste, dem ich von Herzen wünsche, dass Gott ihm noch viele gute Jahre hier schenkt, und danach ein ewiges Leben ohne Leid und ohne Schmerz.

3. Jack Deere: Überrascht von der Kraft des Heiligen Geistes

deere

Am Wochenende habe ich mal wieder in der Citychurch gepredigt, und zwar über Apg 3, die Heilung des Gelähmten, Thema: Unser Umgang mit Wundern.
Das Buch von Jack Deere hatte ich bereits vor ca. 10 Jahren gelesen, meines Erachtens eines der Standardwerke zum Thema, wie der Heilige Geist heute noch wirken kann. Auch im Bereich der Heilung von körperlichen Krankheiten.
Meine Predigt hatte zum Tenor, dass wir nicht so sehr auf die Wunder schauen sollten, die in unserem Erlebnishorizont zudem kaum vorkommen, sondern auf Gott, darauf, dass Übernatürliches uns einen Weg zur persönlichen Beziehung zu Jesus Christus bahnen kann. Aber das es nicht immer eines Wunders bedarf, dass ich in eine Beziehung zum lebendigen Gott komme.

Wegen eines rhetorischen Spielchens am Anfang der Predigt habe ich dann von zwei Gottesdienstbesucherin erstmals etwas heftigere Kritik einstecken müssen, die selbiges unpassend fanden.

Darüber nachdenkend und selbiges bedauernd wurde mir aber ein ganz anderer Spiegel vorgehalten, denn irgendwie enthielt die formale Kritik auch eine inhaltliche Anfrage an mich, was ich nämlich im Bereich „Wunder“, hier besonders Heilung, nicht nur theoretisch für wahr und möglich halte, sondern wirklich „glaube“, d.h., was ich rückhaltlos in die Praxis umsetzen würde. Ehrlich gesagt treibt mich diese Frage gerade fundamental um, und deswegen habe ich mir gerade den alten Deere mal wieder vorgeknöpft und mir dank eines Tipps von Markus Herbert auch das Buch von Peter Schneider „Lahme tanzen unter der Kanzel“ bestellt. Demnächst mehr davon…

Merkt ihr was? Meine Lektüre hat gerade ein gemeinsames Grundthema, ungewollt. Wirklich ungewollt?

20 Kommentare

Eingeordnet unter Buchhaltung, CityChurch, Drucksachen, Gesundheit und Hypochondrie, Vaterland

20 Antworten zu “Lesen heilt

  1. Huh, das war ja ’ne echte Überraschung, als ich zu Hause die blogs checkte. Vielen Dank, Thorsten, für deine guten Worte über mein Buch – es fällt mir immer noch schwer, positive Kritik anzunehmen (schwerer als negative!).
    Jack Deere (der übrigens auch schon mal auf dem Dünenhof war) habe ich auch mit Gewinn gelesen – muss wohl ebenfalls so an die 10 Jahre her sein.
    Und danke für den 3. Buchtipp, klingt sehr gut! Wenn die Intitialen C.S. mal kein Qualitätsmerkmal sind ;-)!

  2. Lass dich ruhig mal loben, dein Buch ist wirklich sehr lesenswert! Allein schon wegen der ehrlichen Schilderung, eine ehrliche Bestandsaufnahme ist immer ein guter Anfang…

    Jack Deere auf dem Dünenhof habe ich persönlich erlebt – und sogar ca. eine halbe Stunde mit ihm gesprochen. Das muss 1999 gewesen sein, ich war jedenfalls als ein Leiter mit einer Jugendgruppe der FeG Würzburg beim Dünenhof-Festival. Bereits zuvor habe ich die beiden bekannten Bücher Deeres gelesen, und genau zu der Zeit hatte ich gerade Erfahrungen mit prophetischen Eindrücken gehabt. Ich hatte dann die Gelegenheit genutzt und mit Jack vor dem Zelt in einer „Fragestunde“ gesprochen, habe ihm meine Erfahrungen geschildert und um Auslegung gebeten. Er hatte sehr gute Anregungen, die mir nachhaltig geholfen haben. Ich fand überhaupt, dass er ein sehr glaubwürdiger und sympathischer Referent war.

    Wir waren schon öfter auf dem Dünenhof, nur auf Zelten stand mir zuletzt nicht mehr der Sinn, wir haben uns dann öfter mal in der Umgebung eingemietet, Fahrräder geliehen und sind dann auch mal nach Cux geradelt. Jetzt waren wir aber schon ein paar Jahre nicht mehr beim Festival, immer war was anderes: Hochzeit, Gemeindeaktivitäten etc. Aber bestimmt mal wieder!

  3. Ja, das würde mich freuen! Jetzt gibt’s ja auch das Ferienhotel …
    Bewusst hatte ich dich wohl damals nicht wahr genommen, kann mich jedenfalls nicht erinnern. Ist aber vielleicht auch kein Wunder bei den vielen Menschen.
    Vielleicht klappt’s ja beim Jubiläums-Festival (25.) nächstes Jahr? Du bist einer der ersten, der erfährt, das Ron und Arbutus Sider zusammen mit Ehepaar MacDonald kommen werden, so Gott will (die vier wollen jedenfalls) …

  4. curioustraveller

    Seehr schönes Buch von Jack Deere. Hat auch meinen Blick auf den Heiligen Geist enorm geweitet…

  5. Mailin

    Zu Wunder: Ich glaube, Jesus und seine Jünger hatten einfach einen unvorstellbar tiefen Zugang zum Inneren der Menschen und haben sozusagen ihre Selbstheilungskräfte aktiviert, den Zugang dazu eröffnet. Wie, woher oder warum, weiß ich nicht. Das fehlt uns jedenfalls größtenteils, gibt es aber noch in Resten. Gerne wüsste ich, was das ist. An dessen Stelle ist wohl die Heilung von außen getreten (Operation etc.). Eigentlich etwas menschenunwürdiges, weil man so andere an sich „rumdoktern“ lässt und selbst ohnmächtig ist. Heute werden Menschen von vielen Leiden geheilt, die damals nur durch ein Wunder geschehen konnten.
    Nur so meine derzeitigen Überlegungen, weißt ja, ich hab keine Ahnung, stehe manchmal auch fasziniert und gleichzeitig fragend vor den biblischen Texten. Vielleicht hast du ja ne Antwort. Finde schwer was zu „glauben“, was ich nicht verstehe, wie fast alles, wie Gott(was immer das ist).

  6. Mailin

    P:S: Deine Einleitung der Predigt fand ich sehr gelungen!! (-;

  7. @curioustraveller: Danke für den Besuch. Hast du noch andere Buchempfehlungen zu dem Thema? Sammle gerade…

    @Mailin: Die Einleitung hat dir ECHT gefallen? Das war gerade der Teil, der Anstoß erregt hat, und im nachhinein kann ich gut verstehen, warum…

  8. Mailin

    @wessnet

    Ich kann auch gut verstehen, warum.
    Wie du aber weißt bin ich dann doch eher dafür, Menschen zu bewegen, auch, oder ganz besonders, wenn es schmerzhaft ist. Es geht nicht darum, sich über Menschen, die an Wunder glauben, lustig zu machen und ich denke, das wolltest du auch nicht, aber vielleicht mal um eine ehrliche Auseinandersetzung; das war in meinen Augen so eine Art Tabu-Bruch. Man muss das einfach mal realisieren: Wir sind nicht Petrus, irgendwas hat sich verändert. Die Gefahr dabei ist allerdings, dass man all das grundsätzlich anzweifelt und die Bibel irgendwann nur noch bildlich nimmt; die Angst davor ist, meine ich, verständlich. Ich kenne da einige.
    Deinen „Tenor“ finde ich übrigens auch sehr gut, aber ich habe keine Lust, dir nachzuplappern, deshalb belasse ich es dabei.

  9. Tabubruch? Da fällt mir der Herr Grimm ein. Lebt der eigentlich noch? Huhu?

  10. Mailin

    Der Herr Grimm, ja, der lebt noch, aber ich glaube, der hat keinen Bock mehr aufs Internet. Recht so.
    Ich habe jetzt mein Abi in der Tasche und nun geht´s auf nach Neuendettelsau!!
    Vorher lass ich´s mir aber noch 2.5 Monate gut gehen…. 😀
    Bis denne….

  11. ..Neuendettelsau – du willst doch nicht, ach! leider auch
    Theologie an der Augustana studieren?

    Oder was geht da sonst so ab?

    Na, wenn der Herr Grimm nicht mehr bloggen will, schade, aber es sei ihm gegönnt, da muss ich mich mal mit ihm auf ein Bierchen treffen, habe ihn irgendwie a weng vermisst..

  12. Ach ja, und herzlichen Glückwunsch zum Abi!

  13. Mailin

    Wieso leider??
    Eigentlich will ich da erst mal die Sprachen lernen.
    Sonst geht da nichts ab.

  14. Das war nur ein, und zwar das abgeschmackteste, „Faust“-Zitat. Abi 83 😉

  15. curioustraveller

    Eine Buchempfehlung explizit zum Thema „Heiliger Geist“ habei ich z.Zt. nicht, lese aber gerade „the Shack“, ein Buch, das gerade durch die frommen Bestsellerlisten geistert. Hat mich bis jetzt nicht wo wahnsinnig vom Hocker gehauen wie einige andere, aber es eröffnet trotzdem viele neue und interessante Blicke auf den dreieinigen Gott…

  16. Keinen Bock mehr… Hm. Ein paar andere Dinge zu erledigen hab ich halt bisweilen. Und dann gibt es auch so Phasen im Leben. Wie im Prediger Kapitel 3: „Es hat alles seine Zeit, eine Zeit des Schreibens und eine Zeit des Zerreißens…“

  17. Ich habe das Geschäft gesehen, das Gott den Menschenkindern gegeben hat, sich darin abzumühen.

    Daher: Zeit, mal was zu trinken…

  18. Mailin

    @Markus
    Sorry. Hätt ich nicht schreiben dürfen.

  19. das finde ich so richtig was sie da machen

  20. @Martina Schmitt: Danke für den Besuch hier und herzlich willkommen.

    Was meinen sie denn mit „machen“? Nur interessehalber nachgefragt…

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s