Monatsarchiv: Juli 2009

Der illustrierte Twitter-Ploetz

Historiker und Twitter-Fans werden gleichsam begeistert sein:

Sie sind gefunden worden, im Dickicht der Geschichte verschollene Tweets berühmter Personen des öffentlichen Interesses aus „ancient times“. Die Geschichte muss neu geschrieben werden.

Hier das Quellenmaterial:

historical tweets

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Zeug des Lebens

Dank Christoph bin ich soeben auf diesen Clip aufmerksam geworden, ein Poetry-Slam-Auftritt der besonderen Güte. Ich denke, alle zusätzlichen Worte wären vertane Zeit, Vorhang auf und Zeit zum Zuhören nehmen, es lohnt sich:

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Do you remember the time?

Wir schreiben das Jahr 1983. Verfasser dieser Zeilen macht mal eben sein Abi, der Sommer ist warm und nach dem Verlassen des Gymnasiums herrlich orientierungslos, alle warten auf Bundeswehr oder Zivildienst und träumen vom wilden Studentenleben fernab der norddeutsch-heimischen Idylle.

Nato-Doppelbeschluss, Reagan und Thatcher boten genug Angriffsflächen für die von 68ern-Lehrern liebevoll pseudorevolutionär gehätschelte Bildungsjugend, und in Deutschland erhob sich jüngst der Monolith Helmut Kohl, als Witzfigur betrachtet und nicht als Kanzler ernst genommen, der 16 Jahre lang die Regierungsbank stabil besetzen wird.

Punk war ein paar Jährchen her und hat in Deutschlands Provinz nicht wirklich eingeschlagen. Die harten Jungs mixten Punk und Wave unter ihre Metal-Scheiben. Eddie van Halen war ein bewunderter Virtuose. Und dann gab es da diese seltsame Parallelwelt Disco und Pop, gerne konsumiert von schick angezogenen Malochern, die nach ölverschmierter Woche am Wochenende im vom Papa gesponsorten Golf mal richtig aufdrehen wollten. Saubere Trennlinie soweit.

Und plötzlich gibt es da dieses androgyne Wesen, dass sich mit weißem Tigerchen in Glitzerklamotten auf einem Plattencover räkelt. Aber drinnen? Jagt Eddie van Halen ein Tappingsolo erster Güte einem vom Beat getriebenen Tanzhammer voran (Beat it). Rappt Vincent Price auf einem Horrorhüpfer (Thriller), und ein dazugehöriger Video ist ein John-Landis-Minischocker mit unvergesslichen Tanzeinlagen. Auch Paul McCartney lässt sich nicht lumpen und führt ein Verbalbaggerduell mit diesem unvergleichlichen Lufthüpfer. Und M.J. schafft es auf wundersame Weise, Barrieren zu überwinden, alle Gruppen, Headbanger und Popper, Tänzer und Steher hinter sich zu vereinen. Oder aus Stehern Tänzer zu machen…

Ein normaler Mensch? Nein, da singt zwar jemand von Liebe, man kann sich auch gut vorstellen, dass sich da viele Girls gerne angesprochen fühlen, aber eine seltsam kindlich-verspielte Unschuld umspielt diesen jungen Mann,der irgendwie anders erscheint, von dem viele Deutsche nicht wissen, dass er kürzlich noch eine normal-knuffige afroamerikanische Nase und einen Krauskopf hatte, und vielleicht auch etwas dunklere Haut.

Und dass Papa ihn recht früh mit seinen Brüdern auf die Showbühne gejagt hat, um die Malocherfamilie auf den Brettern der Musikbühnen zu einer wohlhabenden Künstlerfamilie zu machen. Auf Kosten der Kindheit des kleinen Michael, der singt wie ein verliebter Lover, aber nicht mal in Ruhe in seinem Zimmer spielen konnte, sondern auf Star gedrillt wurde. Und den Papa gerne mal „Dicknase“ genannt hat…

Und der vom Papa im Himmel mit einer dieser olympischen Stimmen gesegnet wurde, die sich im Hörkanal setzen wie Honig im Rachen, eine Stimme, die auf seltsame Weise selbst dann tief anrührt, wenn sie einfachste Popsongs intoniert und sogar zum Weinen bringen kann, wenn man merkt, dass der Inhalt aus dem Herzen kommt. Dem viele tolle Melodien einfallen, und der viele große Popkünstler seiner Zeit kontaktiert und in kongenialer Weise mit ihnen kollaboriert (Quincy Jones, McCartney, van Halen, Slash usw.).

Nie wieder war er so gut und vereinend wie auf Thriller, denn was folgt auf eines der inspiriertesten Alben der Popgeschichte? Viel Kohle, mit der man sich alles leisten kann, was meine Platten aufpimpt, aber auch den Kern verschütten kann. Der verzweifelte Versuch, sich mit Geld die eigene Jugend und Anerkennung zu kaufen (plastische Chirurgie, Neverland, Äffchen, Kirmesinventar).

Jackson ein Kinderschänder? Das glaube ich nicht, habe ich nie geglaubt. Da wollten ein paar geldgeile Nutznießer Profit daraus schlagen, dass Jackson sich daran gefreut hat, Kindern nahe zu sein. Bestimmt hat er mal mit Kindern „gekuschelt“, und darauf hätte ich als Elternteil eines Kuschelkindes keinen Bock, aber sexuell interessert an Kindern war Jackson m.E. nicht. Das hätte selbst M.J. nicht verheimlichen können, da hätte es stichfeste Beweise geben müssen (mein alter AG-Leiter im Ref. würde jetzt „Sperma-Spuren“ sagen).

Nein, M.J. war ein talentierter, hübscher Mann, der nie Kind sein durfte und sich dann von falschen Quellen die Kindheit und Jugend erobern wollte. Ein Mann mit unfassbarem Talent und einem großen, naiven Herzen.

Und egal, was er aus sich gemacht hat, das wahre Kind Jackson leuchtete immer wieder aus seiner kreativen Arbeit hervor und machte ihn zu einem modernen Rattenfänger für die ganze Welt. Ach, Michael, ich würde gerne die Uhren zurückdrehen ca. ins Jahr 1979. Ich würde dir sagen, wie begabt du bist und wie lieb Gott dich hat. Und dass du nie, nie einer anderen Lügnerstimme glauben sollst.

Du hast mir viel Freude in meinem Leben gemacht. Ich weiß nicht so genau, was du die letzten 8 Jahre gedacht hast. Vielleicht hast du in ruhigen Stunden, während dieser bescheuerten Prozesse oder mit deinen Kindern, diese Stimme gehört, die zu dir spricht: Michael, du bist mein geliebtes Kind. Ich habe dich geschaffen, kenne dich, schon als ich dich im Mutterleib formte. Ich finde deine Musik geil. Du bist schön, ich wollte dich so. Und egal, was war, wo du fehlgetreten bist, hier bin ich und warte auf dich. Komm zu mir, ich geb dir Ruhe und Frieden, für immer.

Ich hoffe, dass du diese Stimme gehört hast und ihr gefolgt bist. Und jetzt bei ihr bist, im goldenen Sarg oder in einem Sack aus Leinen. Aber mit einem neuen, geschenkten Herz.

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