Warum ich hier bin

Vor ein paar Tagen habe ich gelesen (bezeichnenderweise weiß ich nicht mehr, wo…), dass die User von Blogs, Twitter, Facebook und Konsorten in erster Linie Selbstdarstellung betreiben, dass sie darüber hinwegtäuschen, dass ihr reales Leben fad und langweilig ist und vorgaukeln, was für interessante Wesen sie doch sind.

Zudem beobachte ich gerade, dass zahlreiche Weblogs „sterben“ und die Betreiber nach Twitter und Facebook abwandern. Kurzum: Alles wird immer schneller und fahriger, könnte man meinen.

Grund genug, sich mit diesen Vorwürfen auseinander zu setzen. Bin ich ein Poser? Ist meine Web 2.0-Identität eine Maske? Will ich nur mich produzieren oder kommunizieren?

Ganz ehrlich: Natürlich bin ich ein Poser und verliebt in Umsetzung von Sprache. Natürlich bin ich faul wie alle und hüpfe mal lieber bei Twitter rum, als mir ne Stunde einen Post auszudenken.

Aber ich blogge (und twittere etc.) noch und werde dies auch in Zukunft tun, da ich neugierig bin und gerne mit anderen kommuniziere. Weil ich Spaß daran habe, Menschen mit all ihren entzückenden Eigenheiten kennen zu lernen. Ich bin dankbar für zig Leute, die ich über das Bloggen kennen und schätzen gelernt hab, an die ich oft denken muss und für die ich zuweilen bete, auch wenn ich nur ihren Blog, Account und ihre Kommentare kenne. Die entsprechenden Leute werden sich jetzt schon angesprochen fühlen, und das dürft ihr auch.

Man sollte nicht den „guten alten Zeiten“ hinterherheulen, sondern die Entwicklung, das Kommunikation schneller wird, als große Chance begreifen. Nie waren Informationen so schnell und demokratisch wie heute. Und Schwachsinn entlarvt sich auch im Netz schnell als Schwachsinn, das Gute aber bleibt.

Darum: Poser aller Länder, vereinigt euch zur weiterhin bunten Kommunikation! Ich bleibe dabei…

13 Kommentare

Eingeordnet unter Privat, WWW

13 Antworten zu “Warum ich hier bin

  1. Janet

    das kann ich ja nur zustimmen!

  2. Mailin

    Ja, ich denke auch- Selbstdarstellung ist natürlich immer dabei, ABER AUCH(!!!) IM REALEN LEBEN!!! Vielleicht bin ich ja doch nicht so toll, wie ich mich immer gebe und spiele anderen nur was vor, nicht nur im Internet. Ich für mich finde, dass es einfach eine andere Art der Kommunikation ist.
    Und so nebenbei: Das hinterm Internet auch nur „graue Mäuse“ stecken, hab ich auch immer gedacht😉 . Ist aber nicht so. Und wenn schon: Whats the point?
    Das klingt für mich nach Schubladendenken, so wie alle Katholiken eigentlich dumm sind- angeblich…

  3. Ich persönlich bin schon grau, aber eher ein etwas größeres Tier als Maus.

    Und Katholiken – kenne ich nur schlaue Exemplare😉

  4. Ich habe so das Gefühl, dass wir die letzte Generation sind, die sich über so etwas noch Gedanken macht. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, da bin ich mir gar nicht so sicher. (Dafür bin ich mir sicher, ein Pessimist zu sein, der trotzdem darüber nachdenkt.) Aber wahrscheinlich ist es eben unvermeidlich, und wir sollten uns einfach drauf einlassen und wirklich die Chance ergreifen, die dabei geboten wird.

  5. Angefangen habe ich mit meinem Blog zunächst deswegen, weil meine Kinder auch einen hatten/haben, um mit ihnen auch auf diese „neue“ Weise zu kommunizieren. Später habe ich mich gefreut, darüber andere Leute kennen zu lernen (u.a. dich ;-)) und aus dem Leben anderer zu hören . Horizonterweiterung war mit immer schon wichtig.
    Im Moment bin ich in einer Phase, wo ich deutlich seltener schreibe. Das liegt daran, dass ich gerne mehr Substantielles schreiben möchte und weniger „Familiengeschichten“ veröffentlichen. Ich versuche, das gerade auseinander zu dividieren, denn mein Herz ist natürlich sehr stark mit meiner Familie verwoben, und was in mir abgeht, hat viel mit ihr zu tun. Doch hat das etwas auf einem Blog zu suchen? Wen interessiert das/hat das zu interessieren (Stichwort „Selbstdarstellung“)? Da sortiere ich gerade und bin in einer Neufindungssituation. Das bloggen möchte ich auf keinen Fall missen. Es hat mein Leben bisher ausgesprochen bereichert.

  6. k.

    letzte generation? jedenfalls generation. ich finde kommunikation im web 2.0 sehr spannend, aber nicht durchweg positiv. ja, man lernt auf bestimmte weise ’ne ganze menge leute kennen, liest und versteht manchmal, was jene meinen. das „miteinander“ fehlt mir aber oft, quasi persönlicher kontakt. man redet gewissermaßen parallel. das hat was, ist für mich aber oft auch grotesk.

  7. Hatte gestern hier einen Kommentar hinterlassen, der dann wohl irgendwo im www verloren gegangen ist!?

  8. ..sorry, war ein paar Tage im Urlaub, jetzt ist auch der andere Kommentar freigeschaltet.

  9. Mailin

    Wenn man etwas tut, dann hat das seinen Sinn, sonst würde man es nicht tun. Natürlich sind mir persönliche Kontakte auch immer lieber. Und die sollte man nicht missen. Aber letztlich is es doch Unsinn, darüber zu philosophieren. Das muss jeder selbst sehen.
    Ist doch wieder nur so die Frage: Vielleicht stimmt mit dir was nicht…
    Bringt keinen wirklich weiter. (außer Psychologen, die an Hausarbeiten schreiben😉 )
    lg Mailin

  10. Mailin

    PS@Susi:
    Ich glaube, schreiben, was andere hören wollen, ist seeeehr schwer😀 ….

  11. @Mailin: Ja, da hast du Recht … Nur: Ich will überhaupt nicht schreiben, was andere hören wollen, sondern nur das, was mich persönlich bewegt. Andererseits macht es ja keinen Sinn, etwas zu veröffentlichen, was keinen Menschen interessiert.
    Warum schreibt man also überhaupt? Weil Kommunikation so wichtig ist, weil man sein Herz öffnen möchte und sehen, ob man verstanden wird, weil man Bestätigung/Korrektur braucht, weil man andere Meinungen und Lebensgeschichten kennen lernen möchte und hofft, auch andere möchten etwas von mir kennen lernen, weil man etwas von Bedeutung hinterlassen möchte …
    Selbstdarstellung geschieht ja letztlich aus dem tiefen Wunsch, gesehen und wahr- und angenommen zu werden. Der beste Weg ist da immer noch die Freundschaft mit Face-to-face-Treffen. Aber der ist auch mühsam und zeitaufwendig, nicht immer sehr befriedigend und erbaulich, hängt ja auch an Stimmungen, dem Willen zur Beziehungshygiene etc. (Ich pflege einige jahrzehntelange enge Freundschaften und weiß, wovon ich rede).
    Da sind blogs, facebook und Co. leichter, schneller, unkomplizierter, sind abgekürzte Wege, aber eben auch nur kleine Ausschnitte der Persönlichkeit des Schreibers. Wenn man sich dessen bewusst ist und dadurch „reale“ Freundschaften nicht einfach ersetzt, kann das dennoch sehr bereichernd sein. Ich schließe mich Thorsten an und bleib dabei! Nur dass ich gerade versuche, ein bisschen zu sortieren …

  12. Pingback: Große Literatur, trotzdem gut. « Read.Think.Pray.Live.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s