Böhmische Wörter

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(aus der Ausstellung über den Theosophen Jacob Böhme (1575 – 1624),Nikolaikirche Görlitz)

Unser Weg in die Lausitz führte uns insbesondere nach Görlitz, tatsächlich eine der schönsten Städte Deutschlands.
Die ganze Innenstadt wurde liebevollst restauriert, es finden sich Gebäude aus den verschiedensten Stilepochen (Renaissance, Gotik, Gründerzeit, Jugendstil) in einer solchen Fülle und gutem Zustand, wie es wohl einmalig in Deutschland ist.

Und hinter der Nikolaikirche öffnet sich ein Friedhof, wie man ihn wohl eher in England vermuten würde, zahlreiche Grabdenkmäler aus vergangener Zeit, teils sehr gut erhalten, teils „gothisch“ verwittert, ein romantischer Gottesacker mit Blick in die jahrhundertealte Görlitzer Geschichte.

Mittendrin das Grab von Jacob (oder Jakob?) Böhme, ein mir bislang unbekannter mittelalterlicher Theosoph. Kenner der „Ketzeria“ schlucken bei letzterem Wort, denn Theosoph nennt sich oft jemand, der von der christlich-biblischen Lehre abgerückt ist und sein Heil in der „Erkenntnis“ Gottes Sucht.

In diese Richtung deutet bei Böhme, dass er offenkundig einschlägige „Fans“ hatte: Goethe, Hesse, Rosenkreuzer. Der amerikanische Schauspieler Nicolas Cage ist wohl unlängst extra nach Görlitz „gepilgert“, um die Wirkungsstätte seines Vorbilds Böhme zu besuchen. Vielleicht ein Kabbala-Anhänger wie gerade in Hollywood modern?

War Böhme nun Neognostiker mit verqueren mystischen Gedanken? Die wenigen Zitate und Berichte über Böhme, die ich bislang in der Ausstellung und einer frisch erworbenen Biographie lesen konnte, klingen nicht danach, sondern nach einem aufrichtig mit dem Herzen suchenden Christen. Sie haben mich angesprochen. Nun, Hesse spricht mich auch an, obwohl ich sein Weltbild skeptisch betrachte. Die private Böhme-Forschung wird also erst einmal weitergehen.

Hat sich ein Leser schon mal mit Böhme beschäftigt?

Ein Kommentar

Eingeordnet unter God`s Army, Kontemplation, PHILosophie, Vaterland

Eine Antwort zu “Böhmische Wörter

  1. Mailin

    Ah, jetzt weiß ich, wo du warst😉 …
    Naja, um Böhme zu kennen, da musst du dich mal mehr mit so Zen-Zeitschriften umgeben🙂 , Mystik und so. Weiß nicht, ich habe einige Texte von ihm gelesen, mag ich auch sehr gerne. Kurz gefasst, er hat einen sehr tiefen Zugang zur Bibel, weil er Erfahrungen gemacht hat, die er in ihr deutet. Ich persönlich finde das nicht abdriftend oder so, aber ich mag Hesse auch. Keine Ahnung, was ist an seinem Weltbild so schlimm? Er ist sicher unreligiöser, kritisch, was Religion betrifft.
    Böhme kommt mir da noch sehr christlich vor, aber eben nicht dogmatisch. Aber sooo viel weiß ich jetzt nicht.
    Theosophie bringe ich ja immer gleich mit Anthroposophie in Verbindung, auch Rosenkreuzer🙂
    LG Mailin

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