Wenn du mit Leiden leben lernen willst, lebe mit dem, der mit dir leidet!

Die Überschrift ist erklärungsbedürftig: Ich habe keine Selbsthilfegruppe für Masochisten eröffnet, sondern am vergangenen Sonntag in der Citychurch zum Thema „Mit Tod und Trauer leben?“ gepredigt.

Angesehen hatte ich mir dafür das alttestamentarische Buch „Hiob“ – mit dem ich immer schon ein paar Probleme hatte. So z.B.:

– Was soll diese bescheuerte Wette zwischen Gott und Satan eigentlich?
– Gibt das Buch eine Antwort darauf, WARUM Hiob leiden muss?
– Warum sterben Unschuldige (die Kinder und Knechte Hiobs) und Tiere?
– Warum „darf“ Satan hinlangen?
– Ist es ein toller Ausgleich, wenn ich zehn Kinder verliere und dafür zehn „neue“ Kinder bekomme?

Eine gute Empfehlung bei Problemen dieser Art mit biblischen Büchern ist, sich, mit allen kritischen Fragen im Kopf, mit dem Buch zu beschäftigen.

Das Ergebnis dieser Beschäftigung ist h i e r nachzuhören und herunterzuladen. Oder h i e r als Video.

In Kurzfassung: Das Buch Hiob ist ein gutes Beispiel dafür, dass Leiden nicht bzw. extrem selten Folge persönlichen Fehlverhaltens ist, somit in der Regel keine „Strafe“.

Kleiner Auszug aus dem Predigtmanuskript:

Gott geht es in erster Linie um Beziehung zu uns, nicht um heuchlerische Frömmigkeit, also eine Haltung, mit der Gott scheinbar verteidigt wird, wir versuchen, seine Werke zu erklären – aber dabei vielleicht innere Vorbehalte haben. Daher: Lieber im Gespräch mit Gott ehrlich seine Frustration zum Ausdruck bringen als mit Menschenweisheit etwas in eine Situation hineinzuinterpretieren, was gar nicht von Gott kommt.

Das Gottesbild der Freunde Hiobs ist: Gott ist gerecht … also segnet er die Guten und straft die Bösen. Und Gott sagt: FALSCH! Ihr habt nicht recht von mir geredet!

Ehrliche Beziehung mit Gott hat Hiob im Leid, im tiefsten Leid erlebt. Jetzt waren keine Erklärungen mehr nötig, sondern Hiob war an der Quelle angekommen: Er hat lebendige Gottesbeziehung erlebt.

Das, was Hiob hier erlebt hat, hat seine Fortsetzung in Jesus Christus gefunden: In Jesus hat es Gott auf die Spitze getrieben: Er hat nicht nur zu einem Menschen geredet, sondern er ist selbst
Mensch geworden und hat sich selbst kein Leiden erspart. Im Buch Hiob wird Satan angewiesen, nicht das Leben Hiobs anzutasten. Gott ging einen Schritt weiter und ersparte sich selbst in Jesus das nicht, von dem er Hiob bewahrt hat.

Warum lohnt es sich, Vertrauen auch und gerade im Leid in diesen Gott zu haben, der durch Jesus Christus Mensch wurde? Nicht nur, weil er selbst starb (das wäre ein tolles Argument für eine religiöse Gemeinschaft aus lauter Selbstmordattentätern), sondern weil wir in Jesus sehen, wie sehr Gott mitLEIDET, wie liebevoll er ist:

– Jesus lässt keine Gelegenheit aus, Leid zu bekämpfen, Kranke zu heilen, Menschen zu trösten
– Jesus ist vom Leid entsetzt und traurig über das Elend (Lazarus, „Schafe ohne Hirten“)
– Offenbarung: Kein Leid und kein Geschrei…

Daher die Empfehlung in der Überschrift: Wenn du mit Leid konfrontiert bist und notgedrungen genötigt bist, mit Leid zu leben, wende dich offen und ehrlich an Gott, wie es Hiob auch getan hat, und er wird dir antworten, und nicht nur das:
Es gilt die Zusage:

Noch ist keine Versuchung über euch gekommen, die den Menschen überfordert. Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch in der Versuchung einen Ausweg schaffen, so dass ihr sie bestehen könnt. (1.Korinther 10,13)

Das bedeutet im Klartext:

Alle Probleme sind mit Gott zu schaffen!

Bitte nicht missverstehen: Das Leben läuft nicht immer so, wie wir uns das vorstellen. Gott nimmt, warum auch immer nicht, Leid nicht aus der Welt. Er hat versprochen, dass er das SPÄTER tun wird, am Ende der Zeiten, aber noch nicht jetzt. Aber Gottes Schutz ist über uns, und das bedeutet, dass wir mit dem Leid, das uns gerade passiert, mit den Mitteln, dem Maß an Glauben und Kraft, das wir gerade haben, umgehen können, es durchstehen können.

Lest mal wieder Hiob, ein interessantes Buch mit ganz anderer Message, als ihr es euch vielleicht gedacht habt…


6 Kommentare

Eingeordnet unter CityChurch, Leben lernen, Predigt

6 Antworten zu “Wenn du mit Leiden leben lernen willst, lebe mit dem, der mit dir leidet!

  1. Da ich gerade keine Zeit habe, die Predigt ganz darauf abzuhören: Wie würdest du denn jetzt die interessante Frage „Ist es ein toller Ausgleich, wenn ich zehn Kinder verliere und dafür zehn “neue” Kinder bekomme?“ beantworten?

  2. Mit: Nein, aber darauf kommt es nicht an.

    In der Predigt selbst habe ich diese Frage übrigens weder explizit gestellt noch separat beantwortet.

  3. Susanne

    Das Buch Hiob ist und bleibt anstößig; die aufgeworfenen Fragen sind einfach nicht zufriedenstellend zu beantworten. Trotzdem habe ich persönlich in schweren Situationen immer wieder bei Hiob Trost gefunden, genau aus dem Grund, den du nanntest, Thorsten: Gott hat mit Hiob geredet. Hiob hat Gottes unverbrüchliche Zuwendung erfahren, und das habe ich auch (obwohl ich auch eine Zeit des Schweigens aushalten musste). Trost auch deshalb, weil Passagen im Buch deutlich machen, dass wir nicht in den Fehler machen dürfen, Gott zu „vermenscheln“. Da bleibt einfach ein Geheimnis um ihn, das wir nie lösen werden, auch wenn uns das manchmal empört.
    Werde mal (mit etwas mehr Zeit) in deine Predigt reinhören!

  4. Pingback: Das schreiben andere - [ thomas matterne | weblog ]

  5. @Susanne: Ja, das stimmt.

    Ein Grund, warum ich darum glaube, dass uns mit der Bibel die Wahrheit nahe gebracht wird, sind gerade solche Brüche. Wäre die Bibel ein schönfärberisches Machwerk, wären weite Passagen von Hiob gestrichen worden.

    Gott nicht „vermenscheln“, das ist ein sehr guter Aspekt. Wäre mal interessant, sich vertieft damit zu beschäftigen, wo wir genau das sonst noch so tun.

  6. Susanne

    Dazu ein Tipp: Diese „Brüche“ werden auch in dem neuen Buch von Christof Lenzen aufgegriffen, in dem er beschreibt, wie Christen in den Spannungsfeldern des Glaubens leben können und wie bei diesem „Tanz auf der Fontäne“ Energie gewonnen wird. Titel: „Lass dich fallen und flieg“ in der AUFATMEN-Edition. Habe es gerade zur Hälfte durch und bin begeistert.

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