Archiv der Kategorie: Vaterland

Jesus im Mittelpunkt

Mit einem Freund habe ich vergangenen Samstag länger über dieses Thema diskutiert: Ist in unserer Gemeinde Jesus (noch) im Mittelpunkt?

Was ist das für eine seltsame Frage? Außenstehenden sei erklärt, dass sich unsere Gemeinde, die Citychurch Würzburg, von Anfang an dazu entschieden hat, eben das zu tun: Jesus in den Mittelpunkt zu nehmen. Deswegen nannten wir unsere Mitarbeitergottesdienste „JiM“.

Und was kann man sich darunter vorstellen? Sitzt in unserer Mitte ein langhaariger Sandalenträger, alle Anderen im Kreis auf Stühlen drumherum? Haben wir tolle Vorstellungskräfte? Sind wir schlichtweg vollkommen durchgeknallt?

Christen aller Denominationen werden uns beipflichten: Wir glauben daran, dass Jesus Christus nicht nur mal früher gelebt hat, sondern dass er auferstanden ist. WAHRHAFTIG auferstanden ist. Wie heißt es so schön: „Er sitzt zur rechten Gottes…“.

Eben. Aber nicht in GoDis der Citychurch Würzburg, oder? Zu kurz gedacht:Jesus hat uns versprochen: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. “

Auch bei uns in Würzburg also. Nun, das ist also christliches Gemeingut, dass Jesus wirklich „da“ ist. Nicht in einem eigenen Körper, aber trotzdem mittendrin. Aber auch „im Mittelpunkt“?

Das ist nun eine Frage der Perspektive: Und unserer Entscheidung. Christ sein bedeutet sich anvertrauen an den auferstandenen Christus, ein altes Leben eintauschen gegen ein neues Leben „in der Nachfolge“, also mit festem Blick auf Gottes Sohn. Wenn das mein „Lebensprinzip“ ist, darauf schauen, wo Gottes Sohn in meinem Leben ist, was er mit mir tun will und wie er Gemeinschaft mit mir haben will, dann ist Jesus genau da: In meinem Fokus, im Mittelpunkt meines Lebens. Er ist dann mein Leben. Er zwingt mich aber nicht dazu, das zu sein. Je nach unserem Willen geht es auch anders, z.B.:

1. Jesus als Gast

Ich lade ihn zuweilen mal ein, bin aber froh, wenn er auch mal wieder weg ist. Das ist natürlich ein Trugschluß, der lebendige Gott ist nie „weg“ – aber er zwingt mich nicht, in mein Leben zu kommen, ihn wahrzunehmen.

2. Jesus als Rettungssanitäter

Tatütata, wenn Sorgen kommen rufe ich ihn an, und er kommt. Danach geht es „normal“ weiter.

3. Jesus als Schiedsrichter

Ich lasse ihn um mich herumlaufen wie der Unparteiiische beim WM-Endspiel, mit Erlaubnis, mich anzupfeifen. Aber am nächsten Tag sind wir alle die besseren Schiedsrichter.

Usw. und so fort.

Und, ist er das noch, im Mittelpunkt? Bei uns, bei mir? Der Freund hatte Bedenken. Bedenken sind gut, denn diese Frage müssen wir uns jeden Tag neu stellen: Ist er das noch, im Mittelpunkt? Bei mir? In meiner Gemeinde? Will ich das überhaupt?

Jesus lässt sich nicht an einem Mittelpunkt „festnageln“. Der Geist weht, wo er will. Deswegen ist der Mittelpunkt jeden Tag woanders. Es gilt nicht, sich einzurichten, mit einem Plastikjesus mitten im Kreis, sondern zu suchen, wo Jesus heute ist. Und mich dann anzuschließen.

Oder?

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Beten für die WM

In Zeiten der Fußball-WM ist alles anders:

Plötzlich wird aus einem Land voller bierbäuchiger Heavy-Coucher eine Nation aus verkannten Bundestrainern, die Anweisungen in Richtung Flachbildschirm schreien, Trikots, die in der Hüfte etwas auftragen, auf der Arbeit spazieren führen und sich extra wegen „unserer“ Mannschaft in schafskalte Biergärten begeben, um kollektiv Deutschlandfähnchen zu schwenken.

Äußerst interessant ist dagegen, dass von eben diesen Flachbildschirmen etwas zu beobachten ist, was sonst in der Öffentlichkeit ein peinlicher Tabubruch wäre: Nein, nicht Holländerinnen in Stoffen aus orangem Nichts, nein, auch nicht der Austausch körperlicher Züchtigungen auf dem Rasen, und auch nicht besoffene Männer in albernem Aufzug, erst recht nicht das Titulieren des eigenen Trainers als …..sohn, der sich selbst …… soll – das ist ja alles normal in unserer Gesellschaft.

Nein, gemeint ist – öffentliches Beten! So sieht man südländische Schönlinge mit langen Haaren nach der Nationalhymne die Hände „katholisch“ falten und gen südafrikanischem Himmel blicken, mit leichter Lippenbewegung.

Nigerianische, südkoreanische oder brasilianische Fußballspieler beten für den Erfolg ihrer Mannschaft, was die Frage aufwirft: Was macht Gott, wenn zwei dieser Mannschaften aufeinander treffen? Hat dann die Siegermannschaft „besser gebetet“?

Oder noch prägnanter: Darf man für so etwas beten, für den Sieg in einem Fußballmatch?

Das Ratsvorsitzende der EKD hat hier keine Bedenken:

http://www.saarbruecker-zeitung.de/sz-berichte/themen/Gebete-fuer-deutsche-WM-Elf-Gott-hoert-alle-Bitten;art2825,3333193

Ich auch nicht, aber wir sind mal wieder bei der Frage: WARUM betet man eigentlich? Was ist meine Motivation? Warum will ich einen Sieg der Mannschaft, die mein Land zur WM entsendet?

Nein, nein, ich will hier nicht den Miesepeter spielen: Ich werde mir heute abend mit meinem Bierbauch das Spiel Ghana – Deutschland in einem Biergarten ansehen, umgeben von CClern und anderen Landsleuten, in Richtung Flachbildschirm brüllen, wenn so eine Schirifigur das Spiel zerpfeift oder ein Tor fällt, und dazu ein paar Bier trinken.

Und ich werde beten, dass der Bessere gewinnen möge 😉

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Es könnte alles so einfach sein – ist es aber nicht…

Bereits vor ein paar Jahren habe ich hier mal über Homosexualität und Kirche geschrieben.

Mit großem Interesse beobachte ich gerade einen sehr differenzierten Umgang mit diesem Thema: Kürzlich im „Aufatmen„, ganz aktuell bei Peter Aschoff, und auch N.T. Wright hat sich dem Thema vorsichtig angenähert:

Meine Gedanken dazu:

– Wer hier „biblisch“ argumentieren möchte, bekommt viel Rückenwind – aber bewegt sich auf dünnem Versmaterial
– Wer sich ernsthaft mit homosexuell empfindenden Menschen darüber austauschen will, die noch zudem Interesse am Glauben haben: Was wäre in einer solchen Debatte gefühlt richtig? Lasst uns doch auch hier mal denken: W.W.J.D.?
– Wenn Schwule und Lesben Kirche nicht attraktiv, Christen nicht sympathisch, die Bibel verurteilend und nicht ermutigend finden: Ist das richtig, und wenn nein: Woran liegt das?
– Wenn man bei diesem Thema fragt: Wie relevant könnte der christliche Glauben für homosexuell empfindende Menschen werden: Was wären erste gute Schritte?

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N.T. Wright über die Hölle

Nach langem Nachdenken: Ja, so sehe ich das auch.

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Die Essenz

„Das Christliche ist letztlich keine Wahrheitslehre oder Deutung des Lebens. Es ist auch das; aber darin besteht nicht sein Wesenskern. Den bildet Jesus von Nazareth, dessen konkretes Dasein, Werk und Schicksal – das heisst also eine geschichtliche Person.“

Romano Guardini, Das Wesen des Christentums. Würzburg 4. Aufl. 1953, S. 10

(inspiriert von Thomas Matterne und Marlies)

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tatort

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Stille

„Wo die Stille mit dem Gedanken Gottes ist, da ist nicht Unruhe noch Zerfahrenheit.“

Franz von Assisi, Von der Kraft der Tugenden

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